iOS 14: Standard-Browser und Mail-Apps brauchen Apple-Sondererlaubnis

Apple will genau kontrollieren, welche Apps sich als Standard-Browser und E-Mail-Client auf iPhones anbieten dürfen.

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Standard-Apps gibt es auf dem iPhone bislang nur von Apple. Das ändert sich erst mit iOS 14.

(Bild: dpa, Marcio Jose Sanchez)

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Von
  • Leo Becker

Um eine Standard-App auf iPhone und iPad werden zu können, müssen Apps von Dritt-Anbietern mehrere Voraussetzungen erfüllen und eine spezielle Berechtigung gesondert bei Apple einholen. Das benötigte "Entitlement" com.apple.developer.web-browser muss direktbei Apple angefragt werden. Welchen gesonderten Prüfprozess die Apps durchlaufen müssen, lässt Apple offen.

Apps, die als Standard-Browser in Betracht gezogen werden wollen, müssen jedenfalls eine Reihe von Anforderungen erfüllen. Sie müssen nach dem Start in jedem Fall Basisfunktionen eines Browsers bereitstellen, darunter eine Adressleiste zur URL-Eingabe und "Such-Tools oder eine ausgewählte Liste an Lesezeichen", wie Apple nun mitteilte.

Beim Öffnen von Links müssen die Browser den erwarteten Web-Inhalt anzeigen, eine Umleitung oder die Anzeige fremder Inhalte, die nicht von der Ziel-Adresse stammen, ist untersagt. Standard-Browsern sollen zudem nur begrenzt auf persönliche Daten Zugriff erhalten, schreibt Apple in der nun veröffentlichten Entwicklerdokumentation. Die Browser sollen nur eingeschränkt auf die Fotomediathek des Nutzers zugreifen, dürfen den Standort nur punktuell und nicht dauerhaft erfassen, erhalten keinen Zugriff zur HomeKit-Datenbank und können Bluetooth-Geräte nur im Vordergrund kontaktieren. Zugriffsanfragen für Gesundheitsdaten aus der zentralen Datenbank Health schließt Apple ebenfalls aus.

Auch E-Mail-Apps, die sich als Standard-Client anbieten wollen, brauchen dafür eine spezielle Berechtigung des iPhone-Herstellers. Voraussetzung für Mail-Apps ist zudem, dass diese in der Lage sind, eine E-Mail an jeden validen E-Mail-Empfänger zu schicken und auch Nachrichten von jedem E-Mail-Sender zu erhalten – eine "vom Nutzer kontrollierte Filterung" eingehender Mails sei aber zulässig, so Apple.

Mit iOS 14 wird es erstmals möglich, eigene Apps zum Standard-Browser und zur Standard-Mail-App auf iPhone und iPad zu erklären. HTTP-, HTTPS- und mailto:-Links werden dann in der gewählten App geöffnet statt automatisch in Safari und Apple Mail. Man habe mit diesen zwei Standard-App-Kategorien begonnen, weil hier eine Anpassung am meisten nachgefragt wurde, erklärte Apple-Software-Chef Craig Federighi in einem Interview mit Marques Brownlee. Ob Apple Nutzern künftig erlaubt, auch andere Standard-Apps – etwa für Karten- und Musikdienste – festzulegen, ließ Federighi offen. Man gehe bei der Öffnung von iOS sehr vorsichtig vor, damit es nicht zu "Chaos" komme.

[Update 5.8.2020 12:25 Uhr] Browser mit der neuen Sonderberechtigung können außerdem die auf die Technik Service Workers zugreifen, so ein Apple-Entwickler – unabhängig davon, ob der jeweilige Browser vom Nutzer als Standard festgelegt wurde. Service Workers sind wichtig, um leistungsfähigere Web-Apps zu ermöglichen, die beispielsweise auch offline funktionieren können.

  • Alle Details zu den Neuerungen von iOS 14, macOS 11 Big Sur und Apples weiteren neuen Betriebssystemen lesen Sie in Mac & i Heft 4/2020.

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(lbe)