iOS schlägt in Russland russische Apps vor

Apple muss örtlichen Gesetzen folgen. Auf Klick werden demnächst automatisch Apps von Yandex, ICQ oder VK offeriert.

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(Bild: Screenshot via Khaos Tian)

Von
  • Ben Schwan

Apple beugt sich nun Auflagen russischer Behörden und bietet iOS-Nutzern in dem Land ab sofort automatisch bestimmte Apps an, die diese dann ohne Umwege installieren können. Das berichten User des iPhone-Betriebssystems in der Region. Demnach taucht die Offerte im Setup-Prozess des iPhone auf, der nach dem Aufspielen eines Updates oder einer Neuinstallation eines Apple-Smartphones durchlaufen werden muss. Implementiert wurde die Änderung offenbar Server-seitig, das Systems muss nicht aktualisiert werden.

Nachdem Nutzer unter anderem automatische Updates, Facetime und iMessages, True-Tone-Bildschirm, Bildschirmzeit sowie Analytics eingerichtet haben, taucht der neue Screen auf. Dieser trägt das App-Store-Logo und teilt mit, dass man auf Druck auf den Fortfahren-Knopf "in Übereinstimmung mit russischen rechtlichen Vorgaben" auf "verfügbare Apps zum Download" hingewiesen wird.

Diese tauchen dann unter der Überschrift "russische Apps" im App Store auf und umfassen unter anderem Angebote von Yandex, Mail.ru, ICQ oder VK. Darunter steht, es handele sich um "einige Apps russischer Entwickler", die herunterladbar seien. Auch hier wird erneut auf die gesetzliche Vorgabe hingewiesen. Direkt vorinstalliert wird offenbar nicht, Nutzer müssen stets auf Installieren klicken. Der Dialog kann zudem über Klick auf ein X beendet werden.

Apple hatte einem Zeitungsbericht zufolge bereits gegenüber den Behörden angekündigt, die Vorgabe ab dem 1. April umzusetzen. Diese gilt neben dem iPhone auch für iPads. Das vom russischen Parlament im Herbst 2019 beschlossene Gesetz soll russische App-Alternativen fördern und gilt für alle Hersteller. Zu den Standard-Apps gehören Browser, Antiviren-Software, Kartendienste, Messenger und E-Mail-Apps, die unter anderem von den russischen Firmen Yandex, Mail.ru und Kaspersky Labs stammen, so die Zeitung Wedomosti im März.

Die Apps scheinen nach der Installation gelöscht werden zu können. Das die Anwendungen im Setup-Prozess direkt angezeigt werden, dürften die Apps jedoch deutlich mehr Nutzer erhalten. Berichten zufolge hatte Apple das neue Gesetz ursprünglich klar abgelehnt und auch erwogen, den russischen Markt zu verlassen, die Vorinstallation von Dritt-Software käme einem Jailbreak gleich. Die Anzeige einer Liste mit russischen Apps zur Installation scheint nun ein Kompromiss. Der Konzern installiert normalerweise keinerlei Anwendungen vor, die nicht von ihm selbst stammen, allerdings erfolgen teils landesspezifische Anpassungen. So ist etwa FaceTime in bestimmten Regionen nicht verfügbar. (bsc)