openSUSE Leap 15.2: Support für AI, OCI-Container, YaST wird besser

Version 15.2 der openSUSE-Distribution Leap glänzt durch umfangreiche Unterstützung für AI-Komponenten und Support für CRI-O-Container.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 256 Beiträge

(Bild: openSUSE)

Von

Das openSUSE-Projekt hat Version 15.2 seiner Distribution Leap vorgestellt. Zum Vorgänger ergeben sich gleich mehrere Felder mit großen Veränderungen. Besonders weisen die Entwickler darauf hin, dass Leap 15.2 im Hinblick auf künstliche Intelligenz (AI) dazu gelernt hat.

heise online daily Newsletter

Keine News verpassen! Mit unserem täglichen Newsletter erhalten Sie jeden Morgen alle Nachrichten von heise online der vergangenen 24 Stunden.

So gehört Tensorflow nun zum Lieferumfang des Systems. Tensorflow genießt im AI-Umfeld ein hohes Ansehen, weil es als Framework das Modellieren selbstlernender Algorithmen massiv erleichtert. Nutzer wie Wissenschaftler müssen sich beim Einsatz von Tensorflow also nicht darum kümmern, erstmal eine Umgebung für ihren AI-Algorithmus zu bauen – sie definieren stattdessen ihren Algorithmus direkt in Tensorflow. Dieses kümmert sich anschließend um die Ausführung des Codes – und das wahlweise auf Servern, Desktops oder mobilen Endgeräten.

In dieselbe Kerbe schlagen PyTorch und ONNX, die openSUSE nun ebenfalls als Teil von Leap 15.2 ausliefert: PyTorch ähnelt in Art und Zielsetzung Tensorflow und erleichtert ebenfalls das Modellieren von Umgebungen für maschinelles Lernen. ONNX fungiert als Mittler zwischen verschiedenen AI-Werkzeugen und erleichtert es durch ein offenes Format, Ergebnisse zwischen AI-Umgebungen zu teilen und erneut zu verwenden.

Zusätzlich verbessern die Entwickler in Leap 15.2 die Fähigkeiten des Systems im Hinblick auf die Visualisierung von Daten. Erstmals liegen der Distribution Grafana und Prometheus bei. Ersteres gilt als Goldstandard, was die Visualisierung von Daten in modernen IT-Umgebungen angeht. Letzteres begann seine Karriere ursprünglich als Werkzeug für Monitoring, Alerting und Trending von Systemparametern (MAT). Mittlerweile lässt Prometheus sich aber auch im AI-Kontext hervorragend einsetzen, um etwa Metrikdaten aus den Läufen von KI-Algorithmen zu sammeln und sie Grafana für die Visualisierung zur Verfügung zu stellen.

Der Linux-Kernel wartet als Fundament der Distribution mit einer zentralen Neuerung auf. Erstmals gehört ein Echtzeitkernel zur Distribution. Der arbeitet bestimmte Aufgaben innerhalb garantierter Fristen ab. Diese Funktion spielt gerade im Embedded Computing und generell beim Einsatz von Mikroprozessoren eine große Rolle. Das ist zum Beispiel bei einem Steuergerät für Airbags der Fall, bei dem es wichtig ist, dass das Auslösen des Airbags innerhalb eines zuvor festgelegten Intervalls ab dem auslösenden Event ("Unfall") geschieht. Bis dato war openSUSE für solche Szenarien mangels eines Echtzeitbetriebssystems nicht zu gebrauchen, nun jedoch erlaubt Leap 15.2 es, openSUSE zum Fundament entsprechender Systeme zu machen.

Daneben stand für den Kernel auch die Versionspflege auf dem Plan; Leap 15.2 kommt mit Linux 5.3 daher und erbt dessen Neuerungen.

Auch in Sachen Container legt openSUSE Leap 15.2 ordentlich nach. Erstmals gehört nun der Container-Orchestrierer Kubernetes zum Lieferumfang der Distribution. Diesem stellt openSUSE Helm zur Seite, den quasi-offiziellen Paketmanager für Kubernetes. In wenigen Schritten erlaubt Leap 15.2 es deshalb, eine Kubernetes-Umgebung zu starten und darin produktive Workloads zu betreiben. Zwar unterstützt Leap 15.2 auch Docker als Laufzeitumgebung für Container, primär setzen die Entwickler in der neuen Distribution jedoch auf das Container Runtime Interface der Open Container Initiative (CRI-O).

Admins steht obendrein Cillium für Kubernetes-Umgebungen in Leap 15.2 zur Verfügung. Dieses klinkt sich in die Container-Laufzeitumgebung ein und benutzt den Paketfilter BPF im Linux-Kernel, um dort Verbindungen abzusichern.

Massiv überarbeitet haben die Entwickler YaST und besonders dessen Automationstool AutoYaST. Die Fähigkeit, viele Systeme automatisiert mit Linux zu versorgen, spielt in Zeiten großer Plattformen eine immer wichtigere Rolle. AutoYaST bietet nun Dutzende zusätzliche Stellschrauben, um einzelne Parameter des späteren Systems automatisiert zu bestimmen. Obendrein gibt AutoYaST nun besser strukturierte Fehlermeldungen aus, falls das Profil zur automatischen Installation einen Fehler aufweist. Das erspart dem Administrator Zeit beim Debuggen.

Über ein vorgefertigtes Menü wählt der Nutzer nun aus, welche Art von System er installieren möchte -- damit legt er die Software-Auswahl fest.

Für händische Installationen bietet YaST nun eine bessere Unterstützung für Sprachen, deren Textlaufrichtung von rechts nach links ist (etwa arabisch). Installiert der Nutzer SUSE auf einem System mit einer CPU, die von Spectre oder Meltdown betroffen sind, aktiviert der Installer auf Wunsch entsprechende Workarounds.

Nutzt der Anwender YaST im installierten System, profitiert er von einem besseren Support für Btrfs-Dateisysteme sowie Verschlüsselung. In Leap 15.2 beginnt openSUSE zudem mit der Migration von Konfigurationsdateien aus /etc nach /usr/etc. YaST ist darauf bereits ausgelegt. Endanwender konfigurieren mit YaST ihre Dienste also unabhängig von der Frage, ob die Konfigurationsdatei eines bestimmten Dienstes in /etc oder in /usr/etc liegt.

YaST haben die Entwickler in vielerlei Hinsicht überarbeitet, zudem begleitet das Tool den Nutzer bei der Migration von /etc hin zu /usr/etc.

Alle drei Standard-Desktops von openSUSE Leap kommen in Leap 15.2 erneuert daher. Bei KDE setzt das Projekt auf Version 5.18 von Plasma, die seitens der Entwickler mit LTS-Support ausgestattet ist. GNOME macht einen Versionssprung von 3.26 auf 3.34 und enthält damit ebenfalls manche optische Neuerung. Xfce liegt Leap 15.2 in Version 4.14 bei, die das Xfce-Projekt vor ein paar Monaten nach mehrjähriger Entwicklung freigegeben hatte. Für alle drei Umgebungen gilt: Die optischen Veränderungen geschehen behutsam. Unerwartet vor einer völlig neuen Arbeitsumgebung sitzen Anwender also nicht.

KDE Plasma kommt in openSUSE Leap 15.2 in der Version 5.18 daher, einer Version mit LTS-Support seitens des KDE-Projektes.

openSUSE Leap 15.2 ist ein behutsames Update mit viel Modellpflege auf der einen Seite und massiven Neuerungen in Sachen Container und KI auf der anderen. Wer das System auf dem Desktop nutzt, profitiert vorrangig von der Modellpflege beim Kernel sowie den Destop-Umgebungen. Leap-Benutzer sollten das Update auf die Version 15.2 allerdings zeitnah in Angriff nehmen. Denn ab dem Erscheinen eines Nachfolgers gibt es für die Vorgängerversion von Leap nur noch sechs Monate Support durch das Projekt. Gerade auf Desktops spielen regelmäßige Sicherheitsupdate allerdings eine wichtige Rolle.

(pbe)