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1. Cybercrime-Konferenz von Europol und Interpol: Die Jagd den Privaten überlassen?

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Auf der ersten gemeinsamen Cybercrime-Konferenz von Europol und Interpol in Den Haag hat Ronald Prins, CEO der niederländischen Firma Fox-IT die Strafverfolger ermahnt, eine aktivere Rolle im Kampf gegen Cybercrime einzunehmen. Den über 250 Cybercrime-Spezialisten legte Prins ans Herz, "Online muscle power" zu zeigen und aktiv zurück zu hacken. Sollten sie dabei zögern, empfahl Prins, private Firmen wie Crowd Strike oder Mandiant zu engagieren. Die würden effektiv mit dem nötigen Druck vorgehen und sich nicht groß um die Regeln scheren, die staatliche Strafverfolger beachten müssen. Allerdings sei dann die Gefahr gegeben, dass Staaten von solchen Firmen abhängig werden können. Deshalb sei es wichtig, die Gesetzgebung zu verschärfen, damit die Strafverfolger der Länder im Internet patroullieren und zurückhacken können.

Ronald Prins, CEO von Fox-IT

(Bild: Detlef Borchers / heise online)

Ronald Prins ist ein viel beschäftigter Mann. Seine Fox-IT arbeitet Medienberichten zufolge daran, den Einbruch des britischen GCHQ bei Belgacom aufzuklären, ein Job, der ein Volumen von 5 Millionen Euro haben könnte. Dementsprechend war er der einzige, der vor den Folgen der Snowden-Veröffentlichungen warnte. Sie könnten dazu führen, dass die Polizei in Zukunft online regelrecht Patrouille gehen muss. Law and Order sei aber nicht nur eine Frage der polizeilichen Pflichten. Die Gesetz müssten dringend der aktuellen Situtation und der künftigen Bedrohungen durch Cybercrime angepasst werden, erklärte Prins. Reine nationalstaatliche Anstrengungen seien fruchtlos, da eine effektive Verfolgung der Cyberkriminellen keine Rücksicht auf Grenzen nehmen könne.

Troels Oerting, Chef des European CyberCrime Center

(Bild: Detlef Borchers / heise onine)

Die erste Cybercrime-Konferenz wurde von dem jungen European CyberCrime Center (EC3) organisert. 250 Cyber-Spezialisten aus aller Welt hörten den Fachvorträgen zu. Gegenüber heise online wollte EC3-Chef Troels Oerting den programmatischen Vortrag von Prins nicht so gewertet wissen, dass sich Europol dessen Ansichten zu Eigen mache. Die Vorschläge des Niederländers seien vielmehr Anstoß für künftige Überlegungen zur staatsübergreifenden Zusammenarbeit. Bestens ausgebildete Strafverfolger müssten genau die Kompetenzen der Privatfirmen entwickeln und ihre Aktionspläne ebenso gut ausgebildeten Richtern vorlegen. (jk)