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10.000 Dollar für "termination": Wikileaks setzt Kopfgeld auf Journalisten aus

Wikileaks zürnt einem US-Journalisten, weil er seine Quelle, eine NSA-Mitarbeiterin, nicht geschützt haben soll. Die Enthüllungsplattform hat eine Belohnung für die "Terminierung" des Mannes ausgesetzt – ein zweideutiger Begriff.

Statue des Kain, der verzweifelt die Hand vor das Gesicht hält

"Cain venant de tuer son frere Abel" nannte Henri Vidal seine Statue das biblischen Kain.

(Bild: Alex E. Proimos CC BY 2.0)

Die Anklage gegen eine NSA-Mitarbeiterin wegen Geheimnisverrats hat Wikileaks zu einer Auslobung verleitet: "Wikileaks lobt eine Belohnung von 10.000 US-Dollar für Informationen aus, die zur öffentlichen Bloßstellung und Entlassung dieses 'Reporters' führen", lautet ein Tweet vom Dienstag. Wikileaks benutzt dabei den englischen Begriff "termination", der neben Entlassung auch Tötung bedeuten kann. Zielperson ist Matthew Cole, ein Journalist der US-Webseite The Intercept.

Cole wird als erster von vier Autoren eines Artikels über angebliches Spearphishing eines russischen Geheimdiensts angeführt. Dieser Bericht wurde Winner zum Verhängnis, was Wikileaks auf Fehler Coles zurückführt. Er habe seine Informantin nicht geschützt.


13 Minuten nach dem @Wikileaks-Tweet äußerte sich Julian Assange, Wikileaks' öffentliches Gesicht, von seinem eigenen Twitter-Account: "Meistens liebe ich @TheIntercept, aber wenn das Euer Kerl ist, nennt ihn beim Namen, beschämt ihn öffentlich und entlasst ihn." Auch Assange bemüht dabei den zweideutigen Begriff "termination". Auf Fragen, was damit genau gemeint ist, haben weder Wikileaks noch Assange geantwortet.

Winner soll einen Top-Secret-Ermittlungsbericht der NSA an The Intercept geschickt haben. Laut dem Dokument glaubt die NSA, dass der russische Militärgeheimdienst GRU hinter Spearphishing-Attacken auf US-Wahlbehörden und deren Dienstleister im Vorfeld der US-Wahlen vom vergangenen November steckt.

Julian Assange (2014)

(Bild:  Cancillería del Ecuador CC BY SA 2.0 )

Cole hat langjährige Erfahrung als Journalist und beschreibt sich selbst als "investigative reporter". Dennoch ist ihm oder einem seiner Kollegen im Fall Winner offenbar ein grauenhafter Fehler unterlaufen, der dem FBI geholfen haben könnte, Winner in Rekordzeit dingfest zu machen: Laut Gerichtsakte schickte der Journalist einem Geheimdienstler Fotos des geheimen NSA-Berichts, mit der Frage, ob das Dokument echt sei.

Noch unverständlicher ist, dass der Journalist dem Geheimdienstler frei erzählte, wo der Informant arbeiten dürfte: Der Poststempel "Augusta, Georgia" lasse auf eine in der dortigen NSA-Einrichtung beschäftigte Person schließen. Der Kontaktmann informierte postwendend seine Geheimdienst-Kollegen.

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