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10.000 Prozessorkerne in einem Server-Rack

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Die VLIW-Kerne des TilePro64 laufen unter Linux mit Kernel 2.6

(Bild: Tilera)

Ab dem vierten Quartal dieses Jahres will der Server-Auftragsfertiger Quanta Computer den Rack-Einschub namens S2Q mit zwei Höheneinheiten (HE) ausliefern. Statt der gängigen x86- oder x64-Prozessoren stecken darin acht TilePro64-CPUs der Firma Tilera mit jeweils 64 VLIW-Kernen. Pro 2-HE-Einschub stehen also 512 CPU-Kerne bereit, die zusammen höchstens 400 Watt aufnehmen sollen. 20 dieser Server passen in ein Standard-Rack mit 40 oder 42 HE und sollen sich dann mit maximal 8 Kilowatt begnügen. Tilera hebt hervor, dass jeder TilePro64-Chip auch noch zwei 10-GBit/s-Ethernet-(10-GbE-) und zwei 1-GbE-MACs enthält, so dass sich mit wenigen zusätzlichen Chips pro Server noch bis zu jeweils sechzehn 10-GbE- und 1-GbE-Ports realisieren lassen.

Dank der vergleichsweise geringen Leistungsaufnahme soll sich der S2Q besonders gut für typische Cloud-Computing-Aufgaben eignen; beim kommenden 100-Kern-Prozessor Tile-GX hatte Tilera hingegen vor allem aufwendige Netzwerk-Berechnungen in den Vordergrund gestellt, für die auch andere Hersteller wie Cavium, Cisco oder NetLogic Spezialprozessoren mit sehr vielen Kernen entwickelt haben.

Laut Tilera erledigen die 512 Kerne eines S2Q zusammen bis zu 1,3 Billionen Ganzzahlberechnungen pro Sekunde und sollen damit ähnlich viel leisten wie "acht Dual-Socket-Server mit High-End-Xeons der Baureihe 5000" – aber viel weniger Strom schlucken. Ähnlich lautende Versprechungen hat kürzlich das Silicon-Valley-Startup Seamicro für den 512-Atom-Server SM10000 gemacht; bereits seit einigen Jahren verfolgt Sun (jetzt Oracle) mit den UltraSPARC-T-Prozessoren ähnliche Konzepte.

Die TilePro64-Prozessoren laufen unter einem speziellen Linux mit Kernel 2.6, Tilera stellt das Multicore Development Environment (MDE) bereit. Die CPU-Kerne rechnen mit 32-Bit-Werten, verstehen aber auch 64-Bit-Befehle. Der Server S2Q bietet bis zu 64 Speichermodul-Steckfassungen, also je acht pro 64-Core-Chip; Tilera verrät bisher nicht, welche Kapazität maximal möglich ist und ob der grundsätzlich mögliche ECC-Speicherschutz zum Einsatz kommt. In das S2Q-Gehäuse passen auch bis zu 24 Festplatten im 2,5-Zoll-Format mit SATA- oder SAS-Schnittstellen.

Die Firma SGI hatte anlässlich der ISC'10 angekündigt, gegen Ende des Jahres Server mit Tilera-Prozessoren verkaufen zu wollen. (ciw)