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10 IF DATE$ = "01.05.2004" THEN BASIC = 40

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Heute vor 40 Jahren liefen um 4 Uhr morgens (Ortszeit New Hampshire) erstmals zwei BASIC-Programme simultan auf dem Großrechner GE-225 von General Electric in der Mathematik-Abteilung des Darthmouth Colleges im amerikanischen Hanover. BASIC, der Beginners All purpose Symbolic Instruction Code wurde von den Professoren Thomas E. Kurtz und dem Ungarn John G. Kemeny entwickelt. Es sollte eine Alternative zu den damaligen professionellen Programmiersprachen Fortran und Algol sein. Berühmt wurde ihre Erklärung, dass BASIC so einfach sei, dass selbst Hausmeister Programme schreiben könnten. Die Erfinder selbst verpassten den historischen Moment und schliefen, während zwei Studenten die Nacht durchprogrammierten, um das arg verspätete Projekt doch noch zum Laufen zu bringen.

BASIC war der zweite Versuch der Wissenschaftler, ab 1956 das Projekt DOPE (Darthmouth Oversimplified Programming Experiment) auf die Beine zu stellen. Die erste Programmiersprache, Darsimco (Darthmouth Simplified Code), scheiterte, als Fortran 1957 erschien und ein Riesenerfolg wurde. BASIC wurde sieben Jahre später erfolgreich, weil es sich eng an die damals verbreitete Notation von Programmen in so genannten Programmablaufplänen anlehnte, einfache Kommandos wie PRINT, SAVE und RUN benutzte und bis heute im Dialogbetrieb mit den Interpretern arbeitet: Geänderte Programme konnten sofort wieder ausgeführt werden. Das Urteil der Wissenschaftler über BASIC fiel indes vernichtend aus, weil die Sprache nicht das strukturierte Programmieren unterstützte und bei den Datenstrukturen arg beschränkt war. Berühmt wurde der Ausspruch von Edsger Dijkstra, dass es unmöglich sei, Studenten gutes Programmieren beizubringen, wenn diese zuvor mit BASIC vergiftet worden und damit jenseits aller Hoffnungen auf geistige Regeneration abzuschreiben sind.

Dijkstra irrte sich: abseits der Wissenschaft florierte BASIC. Es war so einfach, dass Zeitschriften Programm-Listings abzudrucken begannen. Die Stunden und Tage, die Jugendliche heute in das Meistern von Sacred stecken, verbrachten frühere Generationen mit dem Abtippen von BASIC-Programmen. BASIC war die erste Programmiersprache, die der damals 13-jährige Bill Gates lernte. Als die ersten Hobby-Computer Anfang 1975 erschienen, etwa der Altair 8800 von MITS, waren diese Maschinen so einfach gestrickt, dass sie kein Betriebssystem brauchten, sondern mit BASIC bedient werden konnten. Bill Gates und Paul Allen schrieben für MITS in Albuquerque einen BASIC-Compiler und wurden mit 30 Dollar pro verkauftem Rechner bezahlt. Paul Allen wurde Software-Chef der Firma, gründete aber kurz darauf mit seinem Freund Bill die Firma Micro-Soft. Als Micro-Soft 1978 mit 13 Angestellten schließlich von Albuquerque nach Seattle übersiedelte, verbuchte die Firma 2,5 Millionen Dollar Reingewinn aus dem Verkauf von BASIC-Compilern und BASIC-"Zubehör". Der berühmte Offene Brief, den Gates 1976 an die Hobbyisten schrieb, ist ohne den rasanten Aufstieg von Micro-Soft nur schwer verständlich. Basic wurde zum Bestandteil des ersten Betriebssystems, das Microsoft (nunmehr zusammengeschrieben) kaufte und weiter entwickelte. Noch heute kann man die Wurzeln dieser Firma in Produkten wie Visual Basic finden. "Die geniale Erfindung von Bill Gates war nicht BASIC, sondern die Idee, für BASIC Lizenzgebühren zu nehmen, statt das Programm zu verkaufen. So wurde eine Einnahmequelle geschaffen, die niemals aufhörte zu sprudeln", erklärt der Software-Historiker Campbell-Kelly den Erfolg von Microsoft.

Auch wenn manche Hacker heute schreiben, dass BASIC das Leben zehntausender genialer Programmierer zerstört hat, gibt es selbst in der Szene der quelloffenen Software Programmierer, die ihre erste Programmiersprache nicht verleugnen. (Detlef Borchers) / (mw)

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