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10. RoboCup German Open eröffnet

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In Magdeburg haben am Donnerstag die 10. RoboCup German Open begonnen. Über 1100 Teilnehmer wollen in den drei Hallen des Messegeländes bis Sonntag ihre Roboter um Titel in verschiedenen Disziplinen kämpfen lassen.

Für 200 Schülerteams geht es dabei im Rahmen der RoboCup Junior Wettbewerbe um die Qualifikation zur RoboCup-Weltmeisterschaft vom 5. bis 11. Juli in Istanbul. Die etwa 60 Teams der Major Leagues nutzen das Turnier dagegen als wichtigen Test vor der WM. Mit Teilnehmern aus 14 Ländern haben die German Open aber ihren Ruf als faktische Europameisterschaft festigen können.

RoboCup German Open 2011 (5 Bilder)

Robocup German Open 2011

Genau beobachtet von den Schiedsrichtern fährt beim Wettbewerb RoboCup Junior Rescue ein Roboter durch die Arena. (Bild: Hans-Arthur Marsiske)

RoboCup-Turniere werden seit 1997 alljährlich ausgetragen, ursprünglich als reiner Fußballwettbewerb, später erweitert um weitere Ligen, etwa für Rettungs- und Haushaltsroboter. Das Fußballspiel dient dabei als Testumgebung, in der viele Eigenschaften mobiler, autonomer Roboter erprobt und miteinander verglichen werden können, die auch in anderen Anwendungsszenarien von Bedeutung sind. Ziel des RoboCup ist es, bis zum Jahr 2050 mit humanoiden Robotern nach den offiziellen FIFA-Regeln gegen den amtierenden Fußballweltmeister anzutreten und zu gewinnen.

Das ist allerdings nicht nur eine technische Herausforderung. Darauf wies Hans-Dieter Burkhard am Mittwoch in einem Festvortrag anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der German Open hin. Zunächst einmal müssten die FIFA-Regeln überhaupt erst einmal Roboter auf dem Spielfeld zulassen, damit die vom RoboCup angestrebte Begegnung möglich wird. Dann müsste genau spezifiziert werden, was diese Roboter können dürfen, was nicht und wie sie gestaltet sein müssen. Schließlich wird sich kein vernünftiger Mensch mehreren Zentnern schweren Metallungetümen entgegenstellen, die den Ball mit 300 km/h aufs Tor hämmern.

Derzeit kämpfen die RoboCup-Teams noch mit anderen Problemen. Zwar ist es in den vergangenen Jahren gelungen, auf immer größeren Feldern mit immer mehr Robotern zu spielen. Auch können sich die Spieler mittlerweile unter wechselnden Lichtverhältnissen orientieren. Aber sie brauchen immer noch die Sicherheit einer Halle. "Für Wettbewerbe im Freien plädiere ich schon seit mehreren Jahren", sagte Burkhard, der bei der ersten RoboCup-WM 1997 mit seinem Team von der Humboldt-Universität zu Berlin Weltmeister in der Simulation geworden war. Auch müssten die Anforderungen an die Wahrnehmung weiter erhöht werden. Zudem müssten die humanoiden Roboter größer und schneller werden. Bisher können die kleinen Zweibeiner zwar schon recht flott und stabil gehen. Laufen und Springen gelingt dagegen noch nicht.

Als weitere Etappenziele auf dem Weg zum Weltmeistertitel 2050 sieht Burkhard Spiele von elf gegen elf Robotern sowie gemischte Teams. Bislang sind die Roboter eines Teams noch weitgehend baugleich. Mit heterogenen Spielern dürfte es dann eines Tages auch gezielte Einwechselungen und Transfers geben.

Um den Transfer der beim Turnier gewonnenen Erkenntnisse zu verbessern, sollen auf diesen German Open Doktoranden aus den Teams in Kurzvorträgen von ihren Forschungen berichten können. "Man sieht einem Roboter, der den Ball kickt, ja nicht an, ob er aus einem Projekt zur 3D-Wahrnehmung oder zur Bewegungssteuerung kommt", sagte Ansgar Bredenfeld, der die RoboCup German Open seit 2001 hauptverantwortlich organisiert. Er hob die "sehr kooperative Atmosphäre" der Veranstaltung hervor. Die German Open hätten eine "Leuchtturmfunktion" und seien an den Universitäten sehr wichtig für eine zielorientierte, interdisziplinäre Ausbildung.

Ulrich Karras von der Firma Festo, neben National Instruments Hauptsponsor des Turniers, betonte, dass der Wettbewerb eine bessere Leistungsbewertung ermögliche als akademische Prüfungen. Insbesondere soziale Kompetenzen träten hier deutlich hervor. Roboter seien auch hervorragend geeignet, um Technik zu präsentieren und davon zu lernen. "Sie sind ein attraktives Medium, bei dem die Technologie zunächst gar nicht zu sehen ist", so Karras. Ähnlich sieht es auch der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität, Klaus-Erich Pollmann. Die Roboter seien nicht nur für die technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen wichtig, sondern ermöglichten einen Brückenschlag quer über die Fachbereiche.

Um bei dem Turnier einen der vorderen Plätze zu erreichen, sind in den nächsten vier Tagen allerdings erst einmal Technik und Mathematik gefragt. Eine gute Kondition schadet auch nicht: Der Nutzen nächtlicher Programmiersessions ist zwar umstritten, dennoch lassen sie sich oft nicht vermeiden. (Hans-Arthur Marsiske) / (anw)

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