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100 MBit/s übers TV-Kabel

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Der baden-württembergische Kabelnetzbetreiber KabelBW will in der zweiten Jahreshälfte Internetzugänge mit einer Bandbreite von bis zu 100 MBit/s anbieten. Die Vermarktung soll zunächst in drei Regionen beginnen und bis Mitte nächsten Jahres schrittweise auf ganz Baden-Württemberg ausgedehnt werden. Welche Gebiete zuerst mit der hohen Bandbreite versorgt werden, werde derzeit noch entschieden, erklärte ein Unternehmenssprecher. Mit einer Entscheidung könne im Juni gerechnet werden.

Dem Vernehmen nach hat der Kabelanbieter für den Vermarktungsstart nicht unbedingt die Ballungsräume im Auge, in denen die Telekom bereits VDSL-Anschlüsse mit 50 MBits/s anbietet. "Selbstverständlich bringen wir die 100 MBit/s auch in ländliche Regionen", sagt Harald Rösch. Der neue KabelBW-Chef betont die technischen Vorzüge der Kabelnetze und hält DSL für überholt: "Den Kunden ist inzwischen klar, dass DSL nur eine Übergangstechnologie war." Mitte 2010 will KabelBW allen erreichbaren 3,5 Millionen Haushalten einen 100-MBit/s-Zugang anbieten können.

Bis dahin wird die Technik in 22 Hubs des KabelBW-Netzes sukzessive auf den Standard Docsis 3.0 gebracht. Kunden erhalten gegebenenfalls ein neues Kabelmodem. Schon jetzt bietet KabelBW – wie in anderen Regionen auch Kabel Deutschland (KDG) und Unitymedia – Internetzugänge mit bis zu 32 MBit/s an. Der süddeutsche Kabelanbieter hat 2,3 Millionen Kunden, von denen 415.000 auch Internet und Telefon über das Kabelnetz nutzen. 100 MBit/s an Glasfaseranschlüssen bieten derzeit bereits vereinzelt regionale Netzbetreiber wie Netcologne und M-Net, KDG experimentiert mit 200 MBit/s ebenfalls auf Basis von Docsis 3.0.

Die Kabelbranche, deren Fusionsbestrebungen das Bundeskartellamt jüngst einen Dämpfer verpasst hat, weist zunehmend selbstbewusst auf ihren Beitrag zum Breitbandausbau in Deutschland hin. "Unser Netz ist drei Jahre früher aufgerüstet, und unsere Leitungen sind doppelt so schnell wie von der Bundesregierung gefordert", erklärt Rösch. Der erklärte Wille der Bundesregierung, im Rahmen des zweiten Konjunkturpaktes den Breitbandausbau in Deutschland massiv voranzutreiben, sei ohne Kabel nicht machbar, meint auch KDG-Chef Adrian von Hammerstein.

Nach Regierungsplänen sollen bis 2014 drei Viertel aller Haushalte mit mindestens 50 MBit/s surfen können, 2018 sollen schließlich alle Deutschen mit dieser Bandbreite ins Internet gehen können. Die deutschen Kabelnetzbetreiber und ihr Verband ANGA warnen dabei vor einer einseitig auf DSL ausgerichteten Infrastrukturpolitik und einer Bevorzugung der Telekom. Dort, wo die Ziele der Bundesregierung dank der bevorstehenden Einführung von 100-MBit/s-Internet schon früher erreicht würden, solle eine Förderung alternativer Infrastrukturen unterbleiben und sich stattdessen auf die tatsächlich unversorgten Gebiete konzentrieren. (vbr)