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1284 neue Welten: NASA-Teleskop Kepler verdoppelt Zahl seiner bestätigten Exoplaneten

Mit einer automatisierten statistischen Analyse haben Forscher fast 1300 neue Exoplaneten im Datenmaterial des NASA-Teleskops Kepler bestätigt. Damit erhöht sich die Zahl der insgesamt bestätigten Exoplaneten auf mehr als 3000.

1284 neue Welten: NASA-Teleskop Kepler verdoppelt Zahl siner bestätigten Exoplaneten

Die Milchstraße füllt sich immer weiter.

(Bild: NASA/W. Stenzel)

Durch eine statistische Analyse haben Astronomen die Zahl der bestätigten Exoplaneten im Fundus des NASA-Teleskops Kepler nun mehr als verdoppelt. Wie die US-Weltraumagentur mitteilt, sind in den 4302 bis Juli 2015 mit Kepler identifizierten sogenannten Planetenkandidaten 1284 mit mehr als 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit tatsächlich Exoplaneten. Damit könnten sie als solche bezeichnet werden. 984 weitere waren demnach bereits mit anderen Methoden bestätigt, bis zu diesem Zeitpunkt hatte Kepler also 2268 Exoplaneten entdeckt (bis jetzt sind es der NASA zufolge 2329). Von den verbleibenden Kandidaten sind demnach 1327 wahrscheinlich Exoplaneten, 707 wohl eher nicht.

Das Weltraumteleskop Kepler ist damit weiterhin mit Abstand am erfolgreichsten darin, Exoplaneten zu entdecken. Insgesamt zählt die NASA derzeit 3264 solcher Welten. Dank Kepler ist dabei die sogenannte Transitmethode die erfolgreichste, um die Himmelskörper zu finden. Dabei halten die Forscher nach regelmäßigen Verdunkelungen von Sternen Ausschau, die nur durch davor vorbeiziehende Exoplaneten erklärt werden können. Einige Hundert Exoplaneten wurden außerdem durch die Eigenbewegung von Sternen entdeckt, ausgelöst durch die Gravitation der Begleiter.

Für die neuen Sprung bei der Zahl bestätigter Exoplaneten ist eine Analyse des Wissenschaftlers Timothy Morton von der Princeton University verantwortlich, deren Ergebnis er im Astrophysical Journal vorstellt. Er hat eine Methode entwickelt, um für jeden Planetenkandidaten in Keplers immensem Datenmaterial die Wahrscheinlichkeit festzustellen, mit der es sich tatsächlich um einen Planeten handelt. Die hat er dann auf den Kepler-Katalog angewandt und dabei nicht die bereits bestätigten Exoplaneten darin verifiziert, sondern Hunderte neue statistisch bestätigt.

Die Technik sei auch nicht neu, bislang aber immer nur auf kleinere Datenmengen angewendet worden. Morton vergleicht dafür die von Kepler gesammelten Daten automatisiert mit simulierten Exoplaneten und "False Positives" (also fehlerhaft erkannten Himmelskörpern), um herauszufinden, worum es sich mit größerer Wahrscheinlichkeit handelt. Zusätzlich werden verschiedene Faktoren etwa über die wahrscheinliche Häufigkeit bestimmter Sterne einbezogen. Solche automatisierten Techniken zu verbessern und verlässlich zu machen, sei notwendig angesichts der zu erwartenden Datenmengen von künftigen Teleskopen wie TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite), erklären die Forscher. Nur so könnte eine Vorauswahl getroffen werden, welche Exoplaneten genauer untersucht werden sollten.

Von den nun neu bestätigten Exoplaneten sind demnach fast 550 Gesteinsplaneten wie unsere Erde. Neun davon umkreisen ihren Stern in der sogenannten habitablen Zone, in der flüssiges Wasser auf der Oberfläche existieren und sich Leben entwickeln könnte, wie wir es von der Erde kennen. Allein in Keplers Katalog von Exoplaneten finden sich demnach inzwischen bereits 21 solcher Himmelskörper, die sich einmal als zweite Erde herausstellen könnten. Dafür sind aber Folgeuntersuchungen notwendig, beispielsweise mit dem geplanten James-Webb-Weltraumteleskop.

Mit der Veröffentlichung setzt sich die immense Erfolgsgeschichte des NASA-Teleskops Kepler fort. Das war 2009 gestartet und hatte bei seiner Erforschung einer ganz bestimmten Himmelsregion Tausende Planetenkandidaten entdeckt, die zur weiteren Nachforschung bereitstanden. Im Sommer 2013 sah es dann so aus, als müsste die Mission beendet werden, weil zwei der vier Reaktionsräder des Teleskops ausgefallen waren und es mit den restlichen beiden nicht mehr seine Position halten konnte, um die Sterne in der Zielregion langanhaltend nach Helligkeitsschwankungen scannen zu können. Mit einem Trick überwanden die Ingenieure dieses Problem aber und hielten Kepler für die Mission K2 einsatzfähig. Inzwischen fahnden die Forscher sogar mit einer neuen Methode nach Exoplaneten.

(mho)

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