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15 Jahre Energieschleuder Pentium 4: Intel im Performance-Wahn

Am 20. November war die Geburtsstunde des Pentium 4: Die als schnellste CPU aller Zeiten gepriesenen Intel-Schöpfung – man überwand gerade die 1-GHz-Grenze – sorgte im Jahr 2000 gehörig für Schlagzeilen. Die waren allerdings nicht nur positiv.

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Ach was sollte die Pentium-4-CPU alles richten: Der 1-GHz-Takt wollte überwunden werden, die NetBurst-Architektur sollte den Prozessor auf ungeahnte Touren bringen. Sogar Hyper-Threading und eine 64-Bit-Erweiterung waren im ursprünglichen Willamette-Design des P4 angelegt. Dass diese erst Jahre später zum Einsatz kamen, lag unter anderem daran, dass der Prozessorspezialist bei der Chipfertigung ins Hintertreffen geraten war: Der erste Pentium 4 war ursprünglich in 157-nm-Lithografie geplant, hergestellt wurde er im 180-nm-Prozess.

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Wegen der gröberen Strukturen mussten die Entwickler kurzfristig umdesignen, schreibt das c't magazin in seiner aktuellen Ausgabe im Prozessorgeflüster. Das Redesign führte wiederum zu einer deutlich höheren Leistungsaufnahme des P4: "Er schluckte sehr viel Strom, bei 1,4 GHz immerhin 39 A bei 1,7 V Kernspannung", wusste c't seinerzeit zu berichten. Der Energiehunger sorgte auch beim Nachfolger der Willamette-P4 für einigen Spott – der 2004 im 90-nm-Prozess gefertigte Prescott-P4 gehörte mit 115 Watt TDP nicht gerade zur Speerspitze der Energiesparer. Das bewog Intel nach einem weiteren P4-Prozessor letztlich wohl dazu, das CPU-Design der Pentium-4-Reihe einzustellen und zurück auf das alte, deutlich sparsamere P6-Design zu schwenken.

Benannt wurde der Ur-Pentium 4 nach der Umgebung des Intelschen Entwicklungszentrum – Hillsboro liegt 20 Kilometer vor den Toren Portlands, nahe den Ufern des Willamette River.

Auf der ersten Vorstellung des P4-Willamette lud Intel-Chef Andy Grove im Frühjahr 2000 drei Vertreter von Internet-Start-Ups zum Developer Forum ein, damit diese Intels Wachstumsfantasien untermauerten. Bei einem der Interview-Partner – einem Herrn Page von Google – ging das gehörig schief: Der wollte lieber preiswerte PCs mit viel Speicher statt noch mehr Rechenpower.

Auch das c't magazin stellte im zu Ende gehenden Millenium-Jahr in Frage, ob so viel Rechenleistung überhaupt nötig sei. Moderne Prozessoren wie der P4 würden von der Software ohnehin nicht ausgenutzt: "Gerade mal DirectX, ein paar Spiele und ein paar wenige Vorzeige-Plugins für Photoshop gehen auf die neuen Möglichkeiten ein, viel mehr ist nicht", erklärte c't. "Die einzige mir bekannte Applikation, die MMX wirklich voll ausreizt, arbeitet in der rechtlichen Grauzone und dekodiert per Brute Force den verschlüsselten Fernsehsender Premiere World", schrieb Ende 2000 c't-Redakteur Andreas Stiller. Und stellte in seiner feinen Analyse (Lesen Sie dazu auch: "Die Gigahertz-Krise") dann doch einige durchaus visionäre Szenarien vor, die von mehr Rechenleistung profitieren würden.

Die im Jahr 2000 von heise-online-Lesern bevorzugten Betriebssysteme.

Stiller bemängelte zudem die technisch korrekten, aber wenig aussagekräftige Performance-Indices der Benchmarker. Diesbezüglich bewies auch Intel bei Einführung des Pentium 4 wenig Fingerspitzengefühl: Eine zwei Jahre nach der P4-Einführung eingereichte Class Action beschuldigte den Prozessorriesen, vorsätzlich einige Benchmarks wie WebMark 2001 und SYSmark 2001 getweakt zu haben. Die Manipulation sollte die eigenen Pentium-4-Prozessoren besser aussehen lassen. Die Mogeleien beim Benchmark rächten sich noch 14 Jahre später: Jeder US-Bürger, der belegen konnte, einen mit P4-Willamette bestückten Rechner gekauft zu haben, erhielt 15 Dollar Schadenersatz. (uk)