Menü

18 Prozent der deutschen Unternehmen sind noch offline

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 122 Beiträge

"Für die deutsche Wirtschaft ist das Web die Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts: Es treibt die Konjunktur an und öffnet die Tür zu völlig neuen Geschäftsfeldern", sagte Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Das IW hat zusammen mit dem IT-Branchenverband Bitkom die Geschäftsmodelle von 2500 Unternehmen verschiedener Branchen untersucht. Ein Ergebnis: 46 Prozent aller Umsätze werden von Unternehmen erzielt, für die das Netz eine wichtige oder gar zentrale Rolle spielt. "Allerdings sind auch 18 Prozent der Unternehmen noch offline", sagte Hüther am Mittwoch in Berlin.

Jedes dritte der befragten Unternehmen hat die Abhängigkeit des eigenen Geschäftsmodells vom Internet als mittelgroß angegeben, 18 Prozent als stark, sehr stark oder vollständig. Dabei handle es sich nicht nur um Startups, sondern auch um klassische Industrieunternehmen, da zwei Drittel von ihnen zehn Jahre und älter seien, sagte Wirtschaftswissenschaftler Hüther. Es gebe eine Avantgarde von Unternehmen, die die anderen ziehen müsse.

Ein Landwirt könne offline einen sehr traditionellen Betrieb führen, aber auch seinen Hofladen über eine Website anpreisen. Das bringe ihm Umsatz, weil er seine Kunden gut erreicht, heißt es in einem Beispiel der Studie. Für dessen Betrieb spiele das Internet eine untergeordnete bis wichtige Rolle. Als Direktvermarkter der eigenen Produkte könne ein Bauer aber auch ein mehr vom Internet abhängiges Geschäftsmodell haben, wie zum Beispiel ein Bio-Bauer, der online anbietet, seine Produkte zu den Kunden nach Hause zu liefern. Die Kunden würden gezielt über Suchmaschinenmarketing und eine eigene Homepage angesprochen; die Kunden würden auch größtenteils über das Web gepflegt. Wenn der fiktive Bauer sich zudem online über neueste Landmaschinenteile informiere und über den Online-Versandhandel kaufe, spiele das Internet für ihn eine zentrale Rolle.

Das IW und der Bitkom legen die Umfrageergebnisse anlässlich des seit 2006 jährlich anstehenden IT-Gipfels der Bundesregierung vor. Dieses Jahr findet er am 6. Dezember in München statt. In einer der acht Arbeitsgruppen soll dort der IKT-Standort Deutschland und innovative Anwendungen für die Wirtschaft thematisiert werden. Damit das Web seine Potenziale für Wachstum und Beschäftigung voll entfalten könne, brauche es geeignete Rahmenbedingungen, sagte vor diesem Hintergrund Bitkom-Präsident Dieter Kempf. Dazu zählt sein Verband neben dem Breitbandausbau und der Linderung des oft erwähnten Fachkräftemangels rechtliche Voraussetzungen beim Datenschutz oder im Urheberrecht. (anw)

Anzeige
Anzeige