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19. Gulaschprogrammiernacht: Chaos-Franchise mit Lokalkolorit

Der Karlsruher CCC-Ableger Entropia veranstaltet die 19. Gulaschprogrammiernacht. Der kleine Congress präsentiert sich offener und stimmt auf das Camp ein.

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(Bild: Entropia e.V.)

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In der großen, lichtdurchfluteten Halle der Hochschule für Gestaltung (HfG) stehen knallig-orange Bierzelt-Garnituren. Darauf verteilt sind unzählige Kabel, Monitore, 3D-Drucker, LED-Aufbauten und immer wieder Laptops. Davor sitzen meist junge Hacker, allein oder in Kleingruppen, gebeugt in wenig ergonomischer Haltung. Elektro-Beats wabern von der Lounge herüber, wir sind im "lauten" Hackcenter. Wem es hier zu wuselig ist, der kann auf das "leise", aber auch deutlich kleinere Hackcenter im Eingangsbereich des Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) ausweichen oder es sich auf einer der Hängematten oder Wiesen im Außenbereich gemütlich machen.

Einst ist die Gulaschprogrammiernacht (GPN) gestartet, um mit Gulasch und Programmieren die finanziellen Nöte des Hackervereins Entropia zu bewältigen. Die erste GPN fand noch im Keller der Karlsruher CCC-Dependance Entropia e.V. statt. Mittlerweile gibt es das Gulasch auch in vegan und mehr als 1.500 Hacker und Haecksen machen es sich zwischen der Hochschule für Gestaltung und ZKM breit. Das diesjährige Motto "Error 451 – Unavailable for legal reasons" spielt auf die Urheberrechtsdebatte aus dem Frühjahr an.

Hackcenter, Lounge, Vorträge, blinkende LED, wirre Technik und viele sprichwörtlich bunte Menschen, dazu ein leicht verklausuliertes Motto. Es scheint wie eine Miniatur-Ausgabe des großen Chaos Communication Congress, als gäbe es ein Franchise-Konzept der Nerds. Doch es besteht einen gravierender Unterschied: Die GPN ist deutlich offener. Statt Eintritt wird um eine Spende gebeten und die Hacker-Veranstaltung findet im laufenden Betrieb von ZKM und Hochschule statt. Zwischen das übliche Publikum, falls es dieses überhaupt gibt, mischen sich Studierende und Besucher des Medienmuseums.

GPN19: Gulaschprogrammiernacht (8 Bilder)

Das Hackcenter ist das Herzstück der GPN.

Das Konzept geht auf: Trotz der fehlenden Eintrittsgelder tragen freiwillige Spenden und der Verkauf von Merchandising, Mate und Gulasch die Veranstaltung. Hilfreich ist dabei auch die Kooperation mit den beiden Institutionen HfG und ZKM, welche die Räume bereitstellen. In diesem Jahr beteiligt sich auch die Stadt Karlsruhe erstmals finanziell und gibt einen mittleren vierstelligen Beitrag hinzu. Selbst die in direkter Nachbarschaft befindliche Bundesanwaltschaft hat sich mit den "Chaoten" arrangiert und duldet Lichtinstallationen an ihren angrenzenden Außenmauern.

Der Einfluss der GPN wird aber auch in der derzeitigen Ausstellung des ZKM Karlsruhe sichtbar. Open Codes beschäftigt sich zum zweiten Mal intensiv mit technischen Themen vom Autonomen Fahren und Bitcoin über die Geschichte des Internets bis hin zu Neuronalen Netzen oder Datenschutz. Die Ausstellung hat nicht nur den freien Eintritt adaptiert, sondern einige der Exponate sind bei Entropia entstanden; GPN-Mitorganisator Christian Lölkes ist auch einer der Kuratoren. "Das ZKM nähert sich der Technik von der Kunst herkommend und die GPN bewegt sich von der Technik auf die Kunst zu", deutet Lölkes die Symbiose von Medienkunstmuseum und Hackertreffen.

Auch wenn die großräumige, aufgeräumte, helle Ausstellung optisch deutlich von einem Hackerspace abweicht, so ist sie vom Aufbau an einen Hackerspace angelehnt. Eine große Vortragsfläche wird nicht nur während der GPN genutzt, sondern stand auch in den vergangenen Monaten lokalen Gruppen für Veranstaltungen zur Verfügung. Ein weiterer Bereich ist für Workshops und Meetups vorgesehen. "Wie die Gulaschprogrammiernacht ist Open Codes eine Plattform, eine Bildungsplattform, um Wissen auszutauschen", erklärt Christian Lölkes das Konzept.

Mittlerweile ist das Essen aus der Gulaschkanone fertig, wer sich bisher nicht mit Pizza oder Waffeln über Wasser gehalten hat, steht hinter dem DJ-Pult der Lounge Schlange. Da Freitag ist, gibt es heute ein Curry. "Wir haben dann gemerkt, jeden Tag Gulasch ist zu viel", betont Martin Vietz von Entropia "Daher gibt es nur noch alle zwei Tage Gulasch". (ktn)