1984: Und Jobs erschuf den Mac

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Am 24. Januar 1984 stellte Apple den Macintosh vor -- und 1984 wurde ein ganz gewöhnliches 1984. Für den Preis von 2495 US-Dollar erhielt man einen Rechner auf der Basis von Motorolas 68000, der mit 8 MHz getaktet war und auf 128 KByte Arbeitsspeicher zugreifen konnte. Ein 3,5''-Floppylaufwerk mit 400 KByte Speicherplatz und ein kleiner 9''-Bildschirm vervollständigten den ersten Macintosh.

Was den Macintosh auszeichnete, war nicht die Hardware, sondern die Software. Der Rechner war der erste grafische Desktop, der sich in größeren Stückzahlen verkaufte -- zumindest in den ersten drei Monate nach der mit großem Aplomb gefeierten Premiere. Danach brachen die Käufe der "Early Adopters" ein, den Rest des Jahres 1984 sorgte der unverwüstliche Apple II dafür, dass Apple finanziell überlebte. Außerhalb der Gegenkultur der Computerfans konnte der Macintosh erst dann Fuß fassen, als der Arbeitsspeicher aus- und eine Festplatte eingebaut wurde. Burell Smith, der Chefkonstrukteur der Macintosh-Hardware, wollte den Rechner von Anfang an mit 1 MByte ausstatten, wurde aber nach dem Fiasko der 10.000 Dollar teuren Apple Lisa dazu verdonnert, die Produktionskosten möglichst niedrig zu halten.

Die Idee einer grafischen Oberfläche geisterte bei Apple durch die Büros, seitdem Jef Raskin Steve Jobs und eine Handvoll Ingenieure überreden konnte, eine Tour durch die Labors von Xerox Parc zu unternehmen. Das passierte an zwei Tagen im November und Dezember 1979 unter der Führung von Larry Tesler (der später zu Apple wechselte). Die Besucher von Apple waren die ersten Nicht-Wissenschaftler im Labor, durften nichts anfassen und wurden streng bewacht. Dennoch reichte es, was sie sehen durften: eine grafische Oberfläche auf einem weißen Bildschirm, eine Maus, die man herumschubsen musste, und Fenster, die geöffnet und geschlossen wurden.

Steve Jobs und Co. wussten, was sie entwickeln mussten. Jef Raskin erklärte das Betriebssystem zum unwichtigen Detail, erfand dafür aber das Anklicken und Ziehen von Elementen, was die Rechner von Xerox nur unvollkommen beherrschten. Das gesamte Team fügte sich der Idee, die Raskin unter dem Slogan "Keep it simple" verbreitete und auch später weiter verfolgte.

Vor allem aber war der Macintosh das Kind von Steve Jobs. Jobs wollte schon Apples Lisa mit den Ideen von Xerox veredeln, doch ihm wurde die Projektleitung entzogen. Umso ehrgeiziger arbeitete Jobs dann nach anfänglichem Widerstand gegen das Projekt mit dem Macintosh-Team. Zahllose Geschichten sind immer noch im Umlauf, wie Jobs seine Mannschaft beschwor oder wahlweise zur Hölle wünschte, wie er sie durch das Projekt prügelte. "Ihr macht keinen Computer, ihr macht Geschichte", verkündete Jobs unablässig. Selbst die Fabrik im kalifornischen Fremont, die den Mac herstellen sollte, wurde unter Jobs Diktat entwickelt.

Steve Jobs identifizierte sich so sehr mit dem Macintosh, der Hardware wie der Software, dass er den Rechner als Lebensstil propagierte. Der Zusammenbruch seines Mac-Kults (der später mit dem NeXT wiederholt werden sollte) passierte nicht, als Jobs von John Sculley aus der Firma geworfen wurde. Die große Krise kam, als es um die Frage ging, ob Microsoft sich bei Apples Benutzeroberfläche bedient hatte, als Windows entwickelt wurde -- und Jobs sich nicht mit seinen Beschuldigungen durchsetzen konnte. "Nein Steve, ich denke, es ist eher so gewesen, dass wir beide einen reichen Nachbarn namens Xerox hatten", antwortete Bill Gates. Einen Rechner wie den Macintosh hat Microsoft jedoch niemals auf die Beine stellen können.

Zum 20. Geburtstag des Macintosh siehe auch:

(Detlef Borchers) / (jk)