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20 Jahre GNU

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Vor genau 20 Jahren kündigte Richard Stallman in einem Posting sein bislang größtes Projekt an: Er werde zum Erntedankfest damit beginnen, ein vollständig neues Unix-kompatibles Betriebssystem namens GNU zu schreiben und dieses jedem, der in der Lage sei es zu nutzen, frei zur Verfügung stellen.

Die Abkürzung GNU steht für "GNU's not Unix". In seiner Mitteilung vom September 1983 erläutert Stallman seine Beweggründe: "Ich betrachte es als goldene Regel, dass ich ein Programm, das ich mag, mit anderen teilen muss, die es auch gerne mögen." Stallman bat damals Computerhersteller um Spenden in Form von Hardware und Geld und Nutzer um Spenden in Form von freier Software und Zeit für das Projekt.

Trotz der langen Zeitspanne und einer Unzahl verfügbarer Tools, Anwendungen und GNU-Software will das vollständige GNU-System aber nicht so recht fertig werden. Von GNU/Hurd gibt es bislang noch keine offizielle Version. Seit Jahren steht die Veröffentlichung des ersten Releases unmittelbar bevor. Auf der GNU/Hurd-Webseite beklagen die Initiatoren unter anderem die fehlende Unterstütung für "Soundkarten und andere Hardware" und drücken ganz klar aus, dass das System im derzeitigen Zustand nur für unkritische Anwendungen einsetzbar sei, nicht jedoch in einer produktiven Umgebung.

Das GNU-Projekt orientierte sich mit Hurd an der lange Zeit populären Ansicht, schlanke Microkernel seien dem monolitischen Design herkömmlicher Systeme überlegen. Dies kulminierte 1992 in einer legendären Auseinandersetzung zwischen Andrew Tanenbaum und Linus Torvalds, die der Betriebssystem-Guru Tanenbaum mit einem Posting "Linux is obsolete" erröffnete. Stallman jedenfalls ignorierte Linux jahrelang und hielt an Hurd als dem eigentlichen GNU-Betriebssystem fest. Erst als sich der Erfolg von Linux nicht mehr leugnen ließ, änderte er seine Position und prägte 1997 den Begriff GNU/Linux, der den Anteil des GNU-Projekts an einem benutzbaren, freien Betriebssystem dokumentieren sollte.

Bei allen Erfolgen, Niederlagen, Verzögerungen und -- teilweise heftigen -- öffentlichen Auseinandersetzungen um die oft fundamentalistischen Thesen Stallmans muss man ihm eines auf jeden Fall lassen: Stallman ist seinem Motto und seinem Engagement für freie Software immer treu geblieben. Der Präsident der Free Software Foundation FSF scheut sich nicht, seine Thesen offensiv zu vertreten. So forderte er beispielsweise vor einem Jahr, das Urheberrecht teilweise abzuschaffen, da es in der derzeit geltenden Fassung ohnehin nicht durchgesetzt werden könne. (uma)

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