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20 Jahre Internet in Österreich

Am 10. August 1990 wurde in Österreich die erste internationale Standleitung für Datenübertragung nach dem TCP/IP-Standard in Betrieb genommen. Sie verband einen Vektorrechner IBM 3090-VF der Universität Wien mit dem CERN-Forschungszentrum in Genf. Die 64 kBit/s stellten im Vergleich zu den damals üblichen 300 Baud Wählleitungsmodem viel Bandbreite dar. Es war die Zeit der Protokoll-Kriege, verschiedene Datenübertragungs-Standards kämpften um die Vorherrschaft.

E-Mail war an den österreichischen Universitäten bereits 1985 eingeführt worden. Auch Remote Logins über Datenleitungen an entfernten Rechnern waren schon vor dem 10. August 1990 möglich, aber in der Regel nur für Filetransfers und meist nur zwischen Rechnern desselben Herstellers. Auch eine lebendige Mailbox-Szene bestand, war aber auf teure Wählleitungsverbindungen angewiesen. Internationale Nachrichten brauchten oft lange, falls sie überhaupt ankamen.

Der vor einigen Wochen in den Ruhestand getretene Peter Rastl war von 1976 an Leiter des ZID (Zentraler Informatikdienst) der Universität Wien. Gemeinsam mit Michael Haberler und Thomas Schartner gilt er als einer der Gründungsväter des Internet in Österreich. Haberler hatte das Internet bei einem Post Graduate Jahr an der Universität Stanford kennengelernt und brachte es nach Österreich. Mit der Unterstützung wagemutiger Investoren gründete er 1992 mit der EUnet den ersten privaten ISP (Internet Service Provider). Schartner gründete 1994 mit ping.at den ersten ISP für Privatkunden, an dem die EUnet zu 40 Prozent beteiligt war.

Am 12. Juni 1989 beantragte Rastls Team die Genehmigung für eine eigene Datenleitung zum CERN. Nachdem die Post- und Telegraphendirektion für Wien, Niederösterreich und Burgenland als Fernmeldebehörde 1. Instanz ihr Placet erteilt hatte, folgte am 31. Oktober 1989 die Genehmigung der Überlassung einer 64 kBit/s-Leitung durch die Generaldirektion der österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung. Am 10. Februar 1990 wurde die Leitung in Betrieb genommen, sechs Monate später auf TCP/IP-Umgestellt. Die Republik hatte ihre erste dauerhafte Internetanbindung.

Der Fall des eisernen Vorhangs zur gleichen Zeit, die geographische Nähe Wiens zum sogenannten Ostblock und der damalige Wissenschaftsminister Erhard Busek begünstigten eine rasche Entwicklung der Universität Wien zu einem wichtigen Netzknoten. Busek stellte Geld für die Anbindung nicht nur Bratislavas, sondern auch Prags, Budapests, Warschaus und anderer Universitätsstädte bereit. So entstand in Wien ein Ebone-Knoten. Zahlreiche Wissenschaftler aus Osteuropa kamen nach Wien, um sich in Sachen Internet zu bilden und erste Erfahrungen zu sammeln.

Mehr Computer-Know-how würde auch den heutigen österreichischen Entscheidungsträgern gut stehen, meinte Rastl Ende Mai auf einer Veranstaltung der Telekom Austria. Zudem habe die Contentindustrie viel aufzuholen, da sie, was das Urheberrecht angeht, noch in der Zeit des ausgehenden 20. Jahrhunderts lebe.

Für die Zukunft erwartet Rastl, dass die Rolle der Internet Service Provider (ISP) zurückgehen wird, da Bandbreite kein Problem mehr darstelle. Er sieht das partizipative Element zulasten passiven Konsums stärker in den Vordergrund rücken. "Man muss darauf achten, dass das gesellschaftlich verträglich bleibt, also dass die Meinungsfreiheit nicht zu sehr eingeschränkt wird, sei es durch technische oder rechtliche Maßnahmen."

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