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20 Jahre Playstation: Von der grauen Maus zum Superstar

Anlässlich des 20. Geburtstages legt Sony die PS4 im alten Grau der PS-X wieder auf. Ein Blick in die Vergangenheit klärt, warum die Playstation den Konsolenmarkt in den 90ern so umkrempeln konnte.

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Das Gamepad der ersten Playstation kam noch ohne Analog-Sticks aus. Das grundlegende Design der Controller hat sich aber bis heute nicht verändert.

(Bild: Sony)

Uwe Bassendowski ist stolz: "Unser Markenname wird weltweit als Synonym für Spielekonsolen genutzt", erklärt der Deutschland-Chef von Sony Computer Entertainment anlässlich des 20. Geburtstags der Playstation. Dafür bedanken, dass die "Playse" überhaupt vor 20 Jahren in Japan das Licht der Welt erblickte, kann er sich bei Nintendo. Eigentlich wollte Sony sich damals nämlich mit dem ehemaligen Spielkartenhersteller zusammentun. Das Aufgebot war bereits bestellt, als Nintendo plötzlich Sony einen Korb gab und stattdessen mit Philips durchbrannte. Doch diese japanisch-niederländische Liaison währte nur kurz und brachte vier CDi-Spiele hervor, deren sich beide Firmen nur schämen. Heute streiten sich die Geschiedenen vor Gericht noch immer über irgendwelche Patente.

Tja, hätte, hätte Nintendo sich nur nicht mit Sony angelegt. Denn Sonys damaliger Präsident Norio Ohga war über die Abfuhr persönlich so erbost, dass er beschloss, selbst in den Markt der Spielkonsolen einzusteigen – koste es, was es wolle. Zwar hatte Sony als Hersteller von Unterhaltungs-Elektronik damals keine Ahnung von Spielen, aber sie hatten einen jungen Ingenieur namens Ken Kutaragi. Der entwickelte damals ein System zum Rendern von 3D-Grafik fürs Fernsehen, wollte aber immer schon seine eigene Spielkonsole bauen. Ohga gab ihm grünes Licht, die eigentlich für den Profi-Markt vorgesehene 3D-Render-Technik in einen günstigen Chip für die Massenproduktion einer Spielkonsole zu packen und damit Nintendo mit seiner 16-Bit-2D-Technik abzuhängen.

Playstation Spiele (6 Bilder)

Namco setzte zum Launch der Playstation sein Rennspiel Ridge Racer aus den Arcade-Hallen um. Obwohl die Entwickler sich bei der Grafik aufgrund der langen Ladezeiten von CD zurückhalten mussten, konnte das Spiel die damals spektakuläre 3D-Grafik der Konsole eindrucksvoll demonstrieren. 
(Bild: Namco)

Das übrige Sony-Management wollte allerdings keine Spielkonsole, sondern eine Multimedia-Box. Sie befürchteten, dass der Markenname Sony durch den Einstieg in den "Spielzeugmarkt" leiden könnte. Damals verdiente der Konzern mit Fernsehern, Walkmans, Video- und HiFi-Komponenten noch genügend Geld – eine Situation, die sich ändern sollte.

Neben dem neuen 3D-Beschleuniger-Chip wählte Sony die CD-ROM als Datenträger für die Spiele. Auf die kleinen runden Plastikscheiben passten nicht nur um Größenordnungen mehr Daten als auf die Speicherchips, die die Konkurrenz einsetzte, sie ließen sich in großen Stückzahlen auch wesentlich günstiger produzieren. Diesen Preisvorteil spielte Sony gegenüber der Konkurrenz gnadenlos aus. Auf der Strecke blieben Atari, die mit der Jaguar einen letzten Versuch unternahmen, an die Erfolge der 70er anzuknüpfen, sowie Sega, die mit der Saturn-Konsole ebenfalls den Sprung auf eine CD-basierte Spielkonsole gewagt hatten.

Sony hängte Sega einfach beim Verkaufspreis ab: In Deutschland kam die Playstation im September 1995 für 600 D-Mark heraus, ein ganzer Hunderter weniger als Segas Saturn kostete. Ebenso sah es in den USA aus, wo Sony die Playstation zum Kampfpreis von 300 US-Dollar anbot. Anfangs machte Sony damit bei der Hardware zwar Verluste. Weil die Kosten für die Chips mit steigenden Stückzahlen jedoch innerhalb von Monaten sanken, ging diese Mischkalkulation letztlich auf. Zudem warfen die günstig produzierbaren Spiele bald so viel Gewinn ab, dass sie 90 Prozent der Gewinne des Gesamtkonzerns stemmten.

Die graue Version der PS4 soll nicht in den Handel kommen. Die auf 12300 Stück limitierte Sonder-Edition soll als Preis für Gewinnspiele und für Charity-Aktionen genutzt werden.

(Bild: Sony)

Sony war sich bewusst, dass man Konsolen nicht allein mit potenter Hardware verkaufen konnte und gründete mit Sony Computer Entertainment eine eigene Firmentochter, die ein weltweites Netz an Entwicklerstudios aufbaute. Durch Sonys enge Kontakte zur Musik- und Filmindustrie wehte hier ein anderer kultureller Wind. So gab Sony in Großbritannien den damals noch jungen Programmierern von Psygnosis die Chance, ein Rennspiel mit aggressiven Dance-Tracks von DJ-Acts der Liverpooler und Londoner Club-Szene zu produzieren. In "WipEout" füllten sie den Speicherplatz auf den CDs schlicht mit Musik-Stücken von Orbital & Co und erschlossen sich damit eine völlig neue Schicht von Spielern, die mit Mario und Zelda nichts anfangen konnten.

Weil Nintendo auch mit der später eingeführten N64 weiterhin auf teure Speichermodule setzte, mussten sie bei der Auswahl an Spielen sehr genau kalkulieren. Wenn ein Hersteller auf Tausenden von Modulen sitzen blieb, weil das Spiel zu experimentell war und im Markt nicht ankam, konnte es ihm schon mal das Genick brechen. Anders bei den CDs: Sie erlaubte nicht nur günstigere Verkaufspreise, sondern auch mehr künstlerische Experimente, weil der Schaden bei einem Misserfolg deutlich niedriger war.

Diesen kreativen Freiraum nutzten die Entwickler für neue Spielkonzepte, von denen einige wie "Metal Gear Solid" oder "Silent Hill" zu Genre-bestimmenden Welterfolgen wurden. Aber man hatte auch Platz für Ungewöhnliches wie "Vib Ribbon" oder "Parappa the Rappa".

Den Erfolg der ersten Playstation (erstmals über 100 Millionen verkaufter Geräte) konnte Sony fünf Jahre Später mit der PS2 sogar noch übertreffen. Hatte die erste Playstation mit ihrem CD-Laufwerk den Markt umgekrempelt, so profitierte die PS2 von der DVD und wurde von vielen Käufern in der Anfangszeit als günstiger DVD-Player für Filme genutzt. Als Sony das Konzept mit der Blu-ray auf der PS3 jedoch 2006 abermals wiederholen wollte, war die Marktdominanz gebrochen. Ken Kutaragi hatte mit seinem Hunger nach immer leistungsfähigerer Hardware den Bogen überspannt und die Kosten zu sehr in die Höhe getrieben, sodass Sony gegenüber dem wiedererstarkten Konkurrenten Nintendo mit dessen weitaus günstigerer Wii den Kürzeren zog und sich plötzlich dem neuen Rivalen Microsoft mit dessen Xbox 360 erwehren musste.

2014 wurde Ken Kutaragi für sein Lebenswerk auf der GDC geehrt. Er setzte Anfang der 90er auf rechenstarke 3D-Chips und CDs als Datenspeicher, um mit der Playstation die Konkurrenz aus dem Stand zu überflügeln.

(Bild: GDC)

Immerhin hat der Konzern aus den Fehlern gelernt und knüpft mit der neuen PS4 bislang an alte Erfolge an. Für den nötigen Umbruch wurde jedoch der Hardware-Spezialist Ken Kutaragi durch Kazuo Hirai ersetzt, der mittlerweile zum Chef des Gesamtkonzerns aufgestiegen ist. Statt auf teure Hardware setzt Hirai auf den Ausbau des Online-Angebots im Playstation Network. So wie in den 1990ern die CD Sony einen Vorteil bei der Massenproduktion der Spiele brachte, so ist es heute der digitale Download-Vertrieb. Doch hier hinkt Sony mittlerweile Anbietern wie Apple, Google oder Valve hinterher, die komplett auf physische Datenträger verzichten und Spiele sowie Apps nur noch per Download vertreiben.

Die nächste Playstation – sollte es sie irgendwann geben – wird daher wahrscheinlich gar keine Plastikscheiben mehr schlucken, vielleicht nicht einmal mehr eine eigene Hardware benötigen, sondern nur noch als Streaming-Download-Dienstleistungsangebot in den Weiten des Internets existieren. (hag)

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