20 Jahre Short Message Service

Vor 20 Jahren schickte der Programmierer Neil Papworth die erste SMS von seinem PC an Richard Jarvis, Projektmanager bei Vodafone: "Merry Christmas" lautete der schlichte Text.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 135 Beiträge
Von
  • Detlef Borchers

Die SMS feiert Geburtstag: Vor 20 Jahren schickte der Programmierer Neil Papworth die erste SMS von seinem PC an Richard Jarvis, Projektmanager bei Vodafone: "Merry Christmas" lautete der schlichte Text, mit dem Papworth das von ihm entwickelte Short Message Service Centre zu testen begann. Damit begann die Geschichte des Simsens, das sich ständig wachsender Bedeutung erfreut.

Wie alle technischen Erfindungen hat der Short Message Service viele Väter. Als 1992 die erste SMS geschickt wurde, war der in Europa entwickelte Mobilfunkstandard GSM gerade ein Jahr alt. In verschiedenen GSM-Gremien wurden in den 80er Jahren die technischen Elemente des Mobilfunks festgezurrt. Auf deutscher Seite war als Ingenieur der Telekom Friedhelm Hillebrand an der Erfindung der SMS beteiligt: er legte die Beschränkung der SMS auf 160 Zeichen fest. Als weiterer Miterfinder de SMS wird der Finne Matti Makkonen genannt. Makkonen soll als Nokia-Ingenieur in den frühen 80ern seinen Kollegen in einer Pizzeria einen GSM-Service vorgeschlagen haben, der ähnlich wie die damals benutzten Pager funktionieren sollte. Ein GSM-Telefon sollte kurze Textnachrichten empfangen und – das war das Neue – selbst senden können. Pager-Nachrichten mussten seinerzeit über eine Vermittlungsstelle abgesetzt werden.

Der Short Message Service war ursprünglich dafür konzipiert, kurze Informationen und technische Werte des Netzbetreibers an das Telefon zu übermitteln und war daher kostenlos. Mit dem Siegeszug von GSM als Mobilfunkstandard, dem Aufkommen von Prepaid-Diensten und entsprechenden Telefon-Angeboten wurde SMS als der Kommunikationskanal von der Jugendkultur benutzt und von den Providern kostenpflichtig gemacht. In vielen Ländern entwickelten sie eine Kurzsprache, um die Beschränkung auf 160 Zeichen zu umgehen. Als um das Jahr 2000 herum die massenmediale Bedeutung von SMS erkannt wurde, versuchten die Provider, mit dem Multimedia Messaging Service (MMS) einen Dienst anzubieten, der neben Textnachrichten auch Bilder transportierte, aber das vierfache einer SMS kosten sollte. Das relativ erfolglose MMS wird derzeit durch einen Dienst namens Joyn abgelöst. Nach aktuellen Zahlen werden in Deutschland 116,9 Millionen SMS täglich verschickt.

SMS wächst weiter, auch wenn die Umsätze mit SMS-Nachrichten rückläufig sind. Die Bedeutung des Dienstes im ursprünglichen Sinn als Machine-to-Machine Service (M2M) nimmt ständig zu. So arbeitet etwa das deutsche LKW-Mautsystem auf der Basis von SMS-Nachrichten. Im engeren IT-Bereich wird SMS als Authentifizierungskanal benutzt, etwa beim Online-Banking mit mTAN oder bei besonders hoch gesicherten Nachrichten im De-Mail-System. Zu einem politischen Problem hat sich die Technik der stillen SMS entwickelt, die sich zunehmender Beliebtheit bei Bundes- wie bei Landesbehörden unter dem Namen Ortungsimpulsauswertung erfreut, aber juristisch nicht unumstritten ist.

Was als Weihnachtsgruß begann, wird auch in Zukunft weiter mit uns sein. In diesem Sinne wünschen wir allen Telefonnutzern merry SMS. (axv)