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20 Jahre TCP/IP

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Heute vor 20 Jahren wurde im damaligen Arpanet, dem Vorläufer des Internet, das Protokoll getauscht: Innerhalb weniger Stunden wechselten die meisten Rechner vom veralteten NCP (Network Core Protocol) zu TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol). Der Wechsel ging ohne größere technische Probleme vonstatten, hatte doch das Technik-Team um Jon Postel bereits Mitte 1982 einen ganzen Tag lang NCP gestoppt und das neue TCP/IP laufen lassen.

TCP/IP wurde von einer Gruppe um Vint Cerf und Robert Kahn entwickelt. Das flexible, maschinenunabhängige Protokoll bildet noch heute mit der Version IP.4 das technische Herzstück des Internet. Dabei war das seit 1974 in der Entwicklung befindliche TCP (auch Transmission Control Program genannt) und die ab 1978 als TCP/IP entwickelte Suite nicht für einen solchen Einsatz vorgesehen: "Wir hatten schon eine gute Vorstellung davon, wie TCP/IP skalieren könnte, also auf allen möglichen Systemen arbeiten würde. Aber wir glaubten nicht, damit gegen OSI durchzukommen. Besonders bei euch in Europa glaubte jeder nur an OSI und gab TCP/IP eine Überlebenschance von drei, vier Jahren", erklärte Vint Cerf in einem früheren Interview mit heise online.

OSI war das Open Systems Interconnection Protokoll der ISO, der International Organization for Standardization. In jahrelanger Komissionsarbeit wurde jede Einzelheit von OSI festgeschrieben, während sich TCP/IP in der Praxis bewähren konnte. Wie viel Geld in den OSI-Traum gebuttert wurde, ein gremieninduziertes Protokoll gegen die "chaotische" Internet-Technik zu setzen, ist bis heute unklar. Mehrere hundert Millionen Euro sind es sicher gewesen. Der Sieg von TCP/IP über die ISO-Anstrengungen wird auf den März 1985 datiert, als über 250 Industrievertreter im Rahmen des IEEE-Kongresses Infocom 85 in einem dreitägigen Workshop mit den Feinheiten von TCP/IP vertraut gemacht wurden. (Detlef Borchers) / (em)