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2017 wird Facebooks "Jahr der aggressiven Investitionen"

Facebook scheffelt Geld wie nie, Dividende gibt es für die Eigentümer trotzdem keine. Denn Facebook-Chef Mark Zuckerberg gibt das Geld lieber anders aus. Jetzt hat er über seine Pläne gesprochen.

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Großes Like-Logo vor Glaspalast, davor auf Handy blickende Frau in Strümpfen und roter Weste

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Facebooks CFO David Wehner

(Bild: Facebook)

Über sieben Milliarden US-Dollar hat Facebook im dritten Quartal umgesetzt und davon über 3,1 Milliarden als Betriebsgewinn einbehalten. Dennoch denkt das Management nicht daran, eine Dividende auszuschütten. "2017 wird ein Jahr der aggressiven Investitionen", sagte Facebooks Finanzchef David Wehner Mittwochabend zu Finanzanalysten. Es gilt, an Drei-, Fünf- und Zehn-Jahres-Plänen zu arbeiten.

Wie diese Pläne aussehen, erklärte Firmenchef Mark Zuckerberg in der selben Telefonkonferenz. Gegenwärtig arbeitet Facebook daran, bei seinen Dienste die optische Komponenten noch mehr zu verstärken: mehr Videos, mehr Live-Videos, mehr Virtual Reality. Es gibt eine Version der Facebook-App mit Kamerafunktion, und auch im Messenger werden Kamera- und Video-Funktionen getestet.

In den nächsten drei Jahren steht der Rest des vor zwei Jahren deklarierten Fünfjahresplans an: Instagram, Messenger und Whatsapp sollen zu eigenständigen Unternehmen des Konzerns aufgewertet werden. Dafür soll jeder Dienst Hunderte Millionen, möglichst eine Milliarde Nutzer, haben, meint Zuckerberg. Dazu beitragen sollen "Lite"-Versionen der Apps für Facebook und Messenger. Diese Apps funktionieren auch mit schmalbandigen und unzuverlässigen Mobilfunkverbindungen gut, was besonders in Ländern mit weniger komfortabel ausgebauten Netzen hilft.

Bei Instagram werden bereits intensiv Werbeplätze vermarktet. Bei Messenger und Whatsapp kommt das erst, wenn sie so groß sind, dass die User trotz Reklame bei der Stange bleiben werden. Dafür läuft parallel ein zweistufiger Fünfjahresplan: Zunächst soll den Nutzern von Instagram, Messenger und Whatsapp die Kommunikation mit Unternehmen zur Gewohnheit gemacht werden.

Und dann kommen die "Werkzeuge", mit denen Unternehmen "mehr Menschen erreichen" können sollen, "und das ist, wo wir unser Geschäft bauen", sagte Zuckerberg. Die Kundenansprache wird natürlich nicht auf Dauer gebührenfrei bleiben. Zu diesen Werkzeugen gehören Bots. 33.000 davon seien bereits in Messenger tätig. Bei Whatsapp läuft die zweite Phase nächstes Jahr an. Außerdem wird Facebook versuchen, mit neuen Apps neue Kundengruppen zu bilden.

Userzuwachs: In zehn Jahren soll es über 8 Milliarden Menschen geben.

(Bild: Bdm25 CC-BY-SA 4.0)

"In den nächsten zehn Jahren werden wir fortfahren, in Plattformen und Technik zu investieren, die mehr Menschen und mehr Orte verbinden wird, und jedermann in aller Welt ermöglichen wird, die Stimme zu erheben", sagte Zuckerberg, "Wir haben uns bei unserer langfristigen Planung auf drei Gebiete konzentriert: Anschluss-Initiativen, die mehr Leute online bringen sollen; künstliche Intelligenz; und virtuelle und angereicherte Realität."

Für die Produktion eigener Virtual-Reality-Inhalte plant Zuckerberg noch eine Viertelmilliarde Dollar draufzulegen. Die bekannteste Anschluss-Initiative des Unternehmens heißt Internet.org. Facebook schätzt, damit bislang 40 Millionen Menschen erreicht zu haben.

Künstliche Intelligenz (KI) soll praktisch alle User des Konzerns erreichen. Zunächst sprach Zuckerberg nur die Nutzern zugewandten Aspekte an: Die KI soll Clickbait-Müll und Terroristen-Propaganda ausfiltern helfen.

Doch im Verlaufe der Telefonkonferenz trat noch ein anderer Aspekt zu Tage: Die KI soll die Inhalte von Bildern und Videos auswerten. Klar, wenn die Inhalte, wie angestrebt, bildlastiger werden, wird es für klassische Computersysteme schwierig, die Äußerungen der User auszuwerten. Aber wie sollen dann die zahlenden Kunden die möglichst passende Werbung schalten? Oder die Preise für ihre Produkte oder Dienstleitungen optimieren? KI soll dieses Dilemma lösen. Und sie soll Firmen helfen, Kundenfragen automatisch zu beantworten.

Weil sich diese Vorhaben nicht von selbst erledigen, muss nicht nur in Dateninfrastruktur investiert werden, sondern es müssen auch viele zusätzlich Entwickler eingestellt werden. Natürlich nur die "Top-Talente", davon aber Tausende. Das wird nicht billig, zumal andere IT-Konzerne auf die selben Arbeitskräfte scharf sind.

Im dritten Quartal dieses Jahres hat Facebook übrigens 1.200 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Damit beschäftigte der Konzern Ende September etwa 15.700 Personen. Das sind knapp ein Drittel mehr, als ein Jahr zuvor. (ds)