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21C3: Mehr als die üblichen Verdächtigen

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Mit einem internationalen Vortragsprogramm und prominenten Referenten lockt der CCC zum alljährlichen Chaos Communication Congress nach Berlin. Vom 27. bis zum 29. Dezember treffen sich Hacker und IT-Interessierte im Berliner Congress Center (BCC). Die Veranstaltung steht unter dem Motto "The ususal suspects" -- die üblichen Verdächtigen.

Der CCC betritt mit seinem 21. Kongress Neuland. Zwar war die Veranstaltung bereits im vergangenen Jahr vom Haus im Köllnischen Park an den Alexanderplatz umgezogen. Durch Planungsschwierigkeiten konnten die neuen Möglichkeiten des Gebäudes damals aber nicht ausgeschöpft werden. Um mehr Veranstaltungen unterzubringen, wird in diesem Jahr ein Raum geteilt, sodass jetzt parallel vier verschiedene Vorträge gehalten werden können. Daneben gibt es im übrigen Gebäude noch zahlreiche Workshops und sonstigen Veranstaltungen.

Der Congress in der "Version 3.0" -- so CCC-Sprecher Lars Weiler -- zeichnet sich durch Internationalität aus. Mehr als zwei Drittel der Vorträge werden in Englisch gehalten. Dazu bemühten sich die Veranstalter, CCC-fremde Gruppen mit in das Programm einzubeziehen. So treffen sich hier die Entwickler des Grafikprogramms Gimp und der Linux-Distribution Gentoo zu einer Developerkonferenz. Auch die Wikipedia-Gemeinde kommt im BCC zusammen. Die Freunde der Sperrtechnik werden wie jedes Jahr ihre Meisterschaften im Schlossöffnen abhalten. Im Hackcenter sind zahlreiche kleine Projektgruppen zu finden.

Um die teilweise chaotischen Verhältnisse vom vergangenen Jahr zu vermeiden, wurde in diesem Jahr viel früher mit der Planung begonnen. Das hat sich bezahlt gemacht: Bereits drei Wochen vor dem Beginn des Kongresses ist das Programm in Version 0.92 online. Bei vielen Vorgängerveranstaltungen war die Planung noch nicht mal nach Eröffnung so weit gediehen. Diesmal gestalteten die Veranstalter die Planungen transparenter, sodass mehr freiwillige Helfer für die Organisation gewonnen werden konnten. "Das öffentliche Wiki war uns eine große Hilfe", sagt Weiler. Für den Congress schrieben die Hacker eigens die Software "Pentabarf", die viele Abläufe automatisierte und chaotische Fehlplanungen verhinderte.

In dem 21C3 Weblog berichten die Organisatoren von der aktuellen Planung und stellen einzelne Referenten vor. So wird der Gründer des legendären Hacker-Magazins 2600, Eric Corley, über den Nutzen der elektronischen Kommunikation bei Demonstrationen sprechen. Aus Japan reist Joichi Ito an, der seit Oktober im Vorstand der ICANN sitzt. Er wird über den Einfluss von Weblogs auf Politik und Meinungsfreiheit sprechen. Die Keynote hält CCC-Veteran und Schriftsteller Peter Glaser.

Das klassische "Hacking" ist nur einer von fünf Themenbereichen. Unter der Überschrift "Science" sind Grundlagenvorträge zum Beispiel zu Robotik oder Genforschung zu hören. In der Rubrik "Society" werden gesellschaftspolitische Themen von der Videoüberwachung bis zur Durchsetzung der GPL erörtert. In den Community-Veranstaltungen geht es um Zusammenarbeit bis zur Organisation von EU-Geldern für spezielle Projekte. Im Bereich "Culture" sticht besonders die AVIT-Konferenz heraus, auf der VJs ihre neuen Techniken demonstrieren. Alte Klassiker wie die Grundlagen von TCP/IP wurden aus dem Programm genommen, um Platz für die insgesamt über 200 verschiedenen Veranstaltungen zu schaffen.

Der Zeitplan wurde gezielt nerdkompatibel gestaltet. Der reguläre Betrieb fängt morgens erst um 11 Uhr an, dafür gehen die Veranstaltungen bis weit nach Mitternacht. Um übernächtigten Hackern auch Ruhe- und Essenspausen zu gönnen, ist eine Stunde ab 17 Uhr freigehalten. Wer einen Vortrag halten will, kann sich noch um einen der neu geschaffenen Lightning Talks bewerben, die in fünf Minuten zu kurz gekommene Themen vorstellen sollen.

Der Eintritt für den gesamten Congress kostet 40 Euro, Tagestickets sind für die Hälfte zu bekommen. Ermäßigungen gibt es für Schüler und CCC-Mitglieder. Wer noch eine Mitfahrgelegenheit oder Unterkunft sucht, kann sich in dem öffentlichen Wiki informieren. (Torsten Kleinz) / (jk)