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22C3: Spaß am Gerät mit Xbox-Hacking, VoIPhreaking und Entschwörungstheorien

Überraschend frühzeitig hat der Fahrplan für den diesjährigen 22. Chaos Communication Congress (22C3) das Licht der Datenwelt erblickt. Ziel der bereits im Sommer angekündigten Verlängerung der traditionellen "europäischen Hackerparty" des Chaos Computer Clubs (CCC) am Jahresende um einen zusätzlichen vierten Tag war es eigentlich, das Programm zu entzerren und Überschneidungen zu reduzieren. Der nun veröffentliche Zeitplan, der sich in Version 0.9 befindet und sich damit einer stabilen Planungsmöglichkeit stark annähert, ist aber erneut voll gepackt mit einer kaum überschaubaren Zahl von Veranstaltungen rund um die Themen "Hacking", Netzwerk- und Systemsicherheit, Programmier-Trends, angewandte Kryptographie oder den sonstigen "kreativen Einsatz von Technik" in Forschung, Gesellschaft und Kultur.

Den Hauptvortrag am Eröffnungstag übernimmt mit dem japanischen Wagniskapitalgeber und Bürgerrechtler Joi Ito eine dem Kongresspublikum nicht unbekannte Größe: Schon im vergangenen Jahr hatte der begeisterte Blogger über die Entstehung einer neuen Demokratie aus dem Geiste der vernetzten Medien philosophiert. Dieses Mal wird er nun zum Thema "Private Investigations" sprechen, dem erkundungsfreundlichen Motto des diesjährigen Stelldicheins der Hackerszene. Ebenfalls auf dem 21C3 bereits für Aufsehen gesorgt hatte der Karlsruher Sicherheitsexperte Thomas Maus mit Einblicken in schwere Sicherheitslücken in Architekturen für den sensiblen Bereich E-Health. Vornehmen will er sich dieses Jahr die Infrastrukturen rund um die elektronische Gesundheitskarte, die seiner Ansicht nach ein Datenschutz-Desaster verheißen könnten.

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Nachdem der CCC das ganze Jahr über vor der Einführung biometrischer Merkmale auf RFID-Chips in die Reisepässe gewarnt hatte, dürfen auf dem Congress natürlich auch Erkundungen zur "Technik im neuen E-Pass", RFID-Protokollen und Abhörmöglichkeiten von Funkchips sowie etwa zu "Biometrie in der Science Fiction" nicht fehlen. Weitere Schwerpunkte aus dem Bereich Netzpolitik und Überwachungsstaat stellen mehrere Vorträge rund um die geplante EU-Richtlinie zur TK-Vorratsdatenspeicherung, zu Softwarepatenten und Urheberrecht, Wirtschaftsspionage, Videoüberwachung sowie der Cybercrime-Verfolgung mit der möglichen Kriminalisierung von Sicherheitsprüfern dar.

Neben der kritischen Auseinandersetzung mit den soziopolitischen Folgen der Informationstechnik soll naturgemäß aber auch der "Spaß am Gerät" nicht zu kurz kommen. Auseinander genommen werden laut Fahrplan dieses Jahr unter anderem die Xbox in alter und neuer Form, das Linux-Navigationssystem TomTom Go, TCP/IP oder Blackberrys. Dazu kommt die Auseinandersetzung mit Missbrauchs- beziehungsweise kreativen Nutzungsmöglichkeiten etwa bei der Internet-Telefonie unter dem Stichwort "VoIPhreaking". Tiefer gehende geistige Nahrung verheißen Auslotungen zum "informationskognitiven Kapitalismus" oder zu "Entschwörungstheorien", während spezielle Jahresrückblicke und Rätselspiele den besonderen Hackerhumor ansprechen sollen. Dazu kommen eher technisch ausgerichtete Vorträge zum besseren Programmieren etwa bei AJAX, Dylan oder Python. Abgerundet wird der Vortragsmarathon wieder etwa mit Bastel- und Entspannmöglichkeiten im "Art & Beauty"-Center oder im Häcksencenter der weiblichen Computerfreunde. Das Hackcenter, der große Spielplatz der Internet-Sicherheitsprüfer und Daddler, muss dieses Jahr Platz abgeben, um Raum für das themenbezogene Programm zu schaffen.

Zur Unterkunftssuche, zum Gedankenaustausch oder Überprüfen der Kongressangebote hat der CCC erneut ein öffentliches Wiki sowie ein Weblog eingerichtet. Dort erfährt man beispielsweise bereits, dass das Rauchen am Veranstaltungsort, dem Berliner Congress Center (BCC) am Alexanderplatz, zwar nicht direkt verboten, aber doch eingeschränkt werden soll. Der Griff zur Zigarette im Gebäude steht demnach nur noch absolut süchtigen Hackern offen. Die Standardkarte für den viertägigen Hackerurlaub zwischen den Jahren kostet für Club-Mitglieder 50, für die sonstigen Besucher 75 Euro. Firmenvertreter werden gebeten, einen 250 Euro teuren Pass zu kaufen.

Siehe zum 22. Chaos Communication Congress (22C3) und zur Veranstaltung 21C3 im vergangenen Jahr:

(Stefan Krempl) / (Stefan Krempl) / (jk)

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