Menü

25 Jahre Playstation: Als Videospiele dreidimensional wurden

CD-ROM statt Cartridge, 3D statt 2D: Als die Playstation erschien, waren Videospiele im Wandel. Den Motivationsschub für die Entwicklung lieferte Nintendo.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 224 Beiträge

(Bild: Kostas Restas/Shutterstock.com)

Von

Die beliebtesten Heimkonsolen der Welt haben ihren Ursprung in einem Affront: 1991 baute Sony ein CD-ROM-Laufwerk für Nintendos SNES – die resultierende Konsole sollte "Nintendo Playstation" heißen. Weil Nintendo aber hinter Sonys Rücken einen Deal mit dem Konkurrenten Philips aushandelte, platzte das Projekt unvermittelt. Sony blickte beschämt in die Röhre.

Für Sony-Präsident Norio Ohga war dieser Vertrauensbruch inakzeptabel. Er erklärte seinen Mitarbeitern, Sony werde sich niemals aus dem Spielegeschäft zurückziehen. Jetzt erst recht! Vor 25 Jahren, am 3. Dezember 1994, veröffentlichte Sony schließlich die erste Playstation auf dem japanischen Heimatmarkt. Heute ist die "Playstation" unter den Spielekonsolen das, was "Tempo" unter den Papiertaschentüchern ist.

Als "Vater der Playstation" gilt der damals höchst umstrittene Sony-Designer Ken Kutaragi. Nach der gescheiterten Nintendo-Kooperation gelang es Kutaragi, den verletzten Stolz von Sony-Präsident Ohga anzustacheln. Trotz Widerstand innerhalb des Unternehmens – Kutaragi wurde sogar zu Sony Music ausgelagert, um ihn aus dem Schussfeld zu nehmen – räumte Ohga ihm Ressourcen für die Produktion der ersten Playstation ein. Das Hauptaugenmerk der Heimkonsole, die in den USA zwischenzeitlich als "PSX" beworben wurde, legte Sony auf dreidimensionale Polygon-Grafik – wegen des Erfolgs von Segas "Virtua Fighter" auf Arcade-Konsolen.

Die erste Playstation wurde von einem R3000-Prozessor angetrieben und war, obwohl sie mit ihrem CD-ROM-Laufwerk auch Audio-CDs wiedergeben konnte, als reine Spielekonsole konzipiert. Sony hatte zum Launch der Playstation aber wenig bis keine Ahnung von Videospielen, das Unternehmen machte sein Geld mit Unterhaltungselektronik wie Fernsehern und Audio-Equipment. Die Software-Kompetenz musste Sony sich von außen holen. Spiele kamen von Studios wie Namco und Konami, zu den Launch-Titeln gehörten NBA Jam Tournament Edition und Ridge Racer, für den späteren US-Start kamen unter anderem Rayman und Air Combat dazu.

Metal Gear Solid war eines der späteren Spiele für die Playstation 1 – und gilt als eines der besten.

(Bild: Konami)

Im Gegensatz zu Mitbewerbern wie Nintendo und Sega gestaltete Sony die Playstation-Plattform offen: Grundsätzlich durfte jeder Playstation-Spiele entwickeln, der Katalog umfasste bis 2008 knapp 8000 Playstation-Spiele. Dazu gehören Klassiker wie Spyro the Dragon, Oddworld: Abe's Oddysee, Final Fantasy 7, Worms Armageddon und Metal Gear Solid. Sony schluckte außerdem das englische Studio Psygnosis für 50 Millionen US-Dollar und taufte es in Sony Interactive Entertainment um. Viele weitere sollten folgen: Blockbuster-Spiele wie God of War, Uncharted oder Killzone wurden von Sony-Studios entwickelt und sind nur auf der Playstation spielbar.

Das Projekt Playstation wurde für Sony auf Anhieb zum Erfolg. Der Playstation-Bestand aus 100.000 Konsolen in Japan war nach einem Tag ausverkauft, obwohl die PS1 nur eine Woche nach dem Saturn des etablierten Konkurrenten Sega auf den Markt kam. In Nordamerika und Europa gelangte die Konsole knapp ein Jahr später in den Handel, sie kostete in Deutschland damals 600 D-Mark. Mit diesen vergleichsweise günstigen Preisen und allgegenwärtigen Werbekampagnen setzte Gaming-Grünschnabel Sony die Konkurrenz gewaltig unter Druck. Bis Ende 1996 hatte sich die Playstation alleine in Europa 2,2 Millionen Mal verkauft, der Sega Saturn war locker abgehängt. Als erste Spielkonsole überhaupt erreichte die Playstation schließlich die Marke von 100 Millionen verkauften Exemplaren.

Ziemlich grau und ohne Sticks: Die erste Variante des Playstation-Controller wurde erst 1997 vom bekannten Dualshock abgelöst.

(Bild: Sony)

Gesteuert wurde die erste Playstation mit dem Playstation Controller, einer Art Proto-Dualshock. Der Playstation Controller kam komplett ohne Analogsticks, Spiele mussten also mit dem D-Pad gesteuert werden – für die aufkommenden 3D-Titel war das nicht ideal. Steuer-Sticks und Vibrationsfunktion reichte Sony dann mit dem 1997 eingeführten DualShock nach, doch schon das erste Playstation-Gamepad zieren die kultigen vier Buttons: grünes Dreieck, roter Kreis, blaues Kreuz, rosa Quadrat. Noch heute prangen diese Knöpfe auf den modernen Dualshock-Ablegern.

Die Playstation machte Sony im Alleingang vom Branchenaußenseiter zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber auf dem Spielemarkt. 102,5 Millionen Mal wurde Sonys Erstlingskonsole bis heute verkauft. Sie ebnete außerdem den Weg für die sogar noch erfolgreichere Playstation 2, die sechs Jahre später in den japanischen Handel kam und sich insgesamt 158 Millionen Mal verkauft hat – absoluter Bestwert bei den Heimkonsolen. Der frühere Sony-Präsident Norio Ohga dürfte einige Genugtuung verspürt haben.

Anlass zur Sorge gaben zwar die Playstation 3, die nicht mit der Nintendo Wii mithalten konnte, und ein paar missglückte Mobilkonsolen mit Playstation-Branding. Doch mit der Playstation 4, die vor Kurzem die Original-Playstation auf Platz 3 im Konsolen-Ranking verbannt hat, kehrte Sony zurück zu alter Form.

Die meistverkauften Spielkonsolen aller Zeiten: Die Plätze 1 bis 3 gehören der Playstation.

(Bild: Statista)

Heute ist die Playstation, egal welche Version denn nun gemeint ist, die Spielekonsole schlechthin. Nintendo muss nach der missglückten Wii U noch Aufholarbeit leisten, Microsoft kann auf der Spielefront nicht mithalten, Sega ist schon lange raus aus dem Geschäft. Die Zukunft der Playstation kommt 2020: Dann bringt Sony den neuesten Ableger auf den Markt. Die PS5 läuft mit spezialisierter AMD-Hardware und bekommt eine SSD für flottere Ladezeiten sowie einen neuen Dualshock. Und wer doch lieber in der Cloud spielt, kann PS-Spiele dank Playstation Now schon seit 2014 auf Rechner und Konsole streamen – also schon lange, bevor Google mit Stadia an den Start ging.

Der Blick zurück auf gute alte Zeiten ging für Sony allerdings nach hinten los: Inspiriert vom Mega-Erfolg der NES-Neuauflage Nintendo Classic Mini wollte auch Sony mit der Playstation Classic die Nostalgie der langjährigen Fans zu Geld machen. Wegen magerer Spieleauswahl, hässlichen Menüs und unzufriedenstellender Verarbeitungsqualität fiel die Neuauflage von Sonys Konsolenmeilenstein bei Testern und Käufern durch. Auch wenn es keinen gleichwertigen Ersatz für das Original gibt: Das Erbgut der Playstation 1 lebt zumindest in den aktuellen Ablegern weiter.

(dahe)