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25 Jahre Windows: Krieg und Frieden

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Auch wenn es zunächst gar nicht danach aussah: Diese Software hatte wirklich Zukunft.

Heute vor 25 Jahren veröffentlichte Microsoft mit gehöriger Verspätung Windows 1.0. In der damaligen c't freute sich der Rezensent über Dialogboxen und Mäuschen für PCs, die Computer mit einem A (Amiga, Apple, Atari) bereits besaßen. Dass aus dem grafischen Aufsatz für MS-DOS 3.1 das erfolgreichste Betriebssystem der Welt werden sollte, ahnte niemand.

"Microsoft Windows ist eine Erweiterung des DOS Betriebssystems. Windows erlaubt es, die verschiedenen Aufgaben auf einem Computer nahtlos zu integrieren und erhöht damit Ihre Effizienz. Mit Windows können Sie mit mehreren Programmen gleichzeitig arbeiten. Sie können mit wenigen Tasten oder einem Mausklick zwischen den Programmen wechseln und Zeit sparen. Und weil Sie niemals ein Programm schließen müssen, können Sie immer dort weiterarbeiten, wo Sie stehen geblieben sind. Windows gibt Ihnen eine einfache Möglichkeit zur Hand, Informationen zwischen DOS-Programmen auszutauschen."

Mit diesen Worten führte das Handbuch von Windows 1.0 (in Deutschland als Windows 1.03 gestartet) den Käufer des grafischen Aufsatzes in die "Philosophie" von Windows ein. Computer, die immer laufen, Anwendungen, die niemals abstürzen, und ein souveräner Nutzer, der mit Informationen jongliert, lagen 1985 in weiter Ferne. Als Windows vor 25 Jahren auf der Comdex in Las Vegas vorgestellt wurde, war dies dennoch keine große Sensation. "Nun auch Microsoft" titelte die Fachpresse und selbst Bill Gates hielt Windows damals nicht für das wichtigste Microsoft-Programm: MS-DOS 3.2, das im Januar 1986 erscheinen sollte, stellte er ausführlicher vor. Dass Gates mit dem am 22. Mai 1990 vorgestellten Windows 3.0 zum reichsten Mann der Welt werden sollte und Microsoft für diesen einen großen Tag 10 Millionen Dollar Werbung investierten würde, war 1985 alles Zukunftsmusik.

Um Windows starten zu können, empfahl das Handbuch den Kauf eines Intel Above Boards zur Erweiterung des Arbeitsspeichers – eines der zahlreichen Provisorien,
mit denen sich die Windows-Anwender früher Stunde herumplagen mussten. Auch eine Festplatte wurde als empfehlenswert aufgelistet, da Windows sonst sehr häufig auf Disketten zugreifen musste. Zum Erlernen von Windows und den Umgang mit den Befehlen Cut, Copy und Paste diente das Programm Notepad (Notizblock), mit dem eine Liste anfallender Arbeiten kopiert, umgestellt, verschoben und mit Alarm-Signalen der Uhr verknüpft werden sollte. Die einzelnen zu sortierenden Aufgaben: Zahnarzt anrufen, Garage aufräumen, Krieg und Frieden lesen, Müll rausbringen, Klavierstimmer anrufen. Das von Bill Gates (zur Vorstellung von Windows NT für RISC-Rechner) als "wichtigstes Windows-Programm" bezeichnete Spiel Solitär fehlte im Ur-Windows, es erschien erst mit Windows 3.0.

Die wichtigsten Versionsschritte in 25 Jahren Windows-Geschichte

(Bild: Microsoft)

Windows 1.0 bis 2.0 verkauften sich ausgesprochen schlecht. Selbst das günstige Einsteiger-Paket mit Windows und einer Maus für 900 DM blieb in den Regalen der Händler liegen. Erst mit der Entscheidung von Microsoft, Windows 2.03 als kostenlose Zugabe zu MS-DOS mit neuen PCs auszuliefern, änderte sich die Lage. Als dies im März 1988 passierte, verklagte Apple Microsoft und Hewlett Packard (das einen Windows-Klon namens New Wave vertrieb). Apple machte einen Schaden von 4,5 Milliarden US-Dollar geltend. Microsoft hatte zwar vor dem Start von Windows bestimmte Nutzungsrechte von Apple lizensiert, doch waren Steve Jobs und seine Kollegen dabei offensichtlich davon ausgegangen, dass Windows nur separat verkauft würde.

1993 verlor Apple den Prozess. Der Richter befand, dass 90 Prozent von Windows den von Microsoft eingekauften Nutzungsrechten entsprächen und der Rest nicht von Apple stamme. Dies führte wiederum die Rechtsanwälte von Xerox auf den Plan, die Apple verklagten, weil Apple vom 1981 vorgestellten Xerox Star Bedienungselemente übernommen hatte. Diese Klage wurde abgeschmettert, weil sie nach US-amerikanischem Recht zu spät erfolgte. "Xerox ist unfähig, aus einer Vision ein ordentliches Produkt zu machen. Xerox schafft es nicht einmal, uns rechtzeitig zu verklagen", ätzte der damalige Marketingchef von Apple, Guy Kawasaki.

Zum 25-Jährigen Jubiläum blickt Microsoft zufrieden auf die Geschichte seiner Betriebssysteme zurück. Windows 7 als neuester Spross entwickelt sich prächtig. Vor 5 Jahren sah das noch anders aus, da wurde nicht gefeiert. Die Welt wartete auf das lange angekündigte Windows Vista, das sich dann nicht als der erhoffte große Wurf erwies, weil es langsam und speicherhungrig war. Immerhin verschickte Microsoft nicht mehr jene berüchtigte "Performance Tuning Disk" wie zu der Zeit, als Windows 3.11 mit OS/2 im Clinch lag: Das Programm gab nicht nur Tipps zu besseren Windows-Einstellungen, sondern suchte nach Konkurrenzprodukten wie WordPerfect und gab die Empfehlung, diese durch Microsoft-Software zu ersetzen. Krieg und Frieden wechseln sich ab. (ad)