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2500 Euro für die besten Open-XML-Gegner

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Die Foundation for a Free Information Infrastructure FFII will die International Standards Organization ISO dazu bewegen, den bereits etablierten Standard Open Document (ODF) als die einzige offene Norm für Office-Dateien anzuerkennen. Mit anderen Worten: Die ISO soll Microsofts Antrag abweisen, das Default-Dateiformat von dessen Office 2007 ebenso zu würdigen. Ein zweiter Standard für Office-Formate sei überhaupt nicht erforderlich, argumentiert die FFII, außerdem weiche das tatsächliche Format von Microsoft Office 2007 vom Inhalt der Open-XML-Standardspezifikation ab, mithin gebe es für Letztere überhaupt noch keine Referenz-Implementation. Im gleichen Atemzug hat FFII einen Preis von 2500 Euro ausgelobt für "dasjenige Team, welches der ISO mit den besten Bemühungen hilft, Microsofts Lobbyarbeit zu widerstehen".

Das aktuelle Scharmützel verlängert einen schon lange andauernden Grabenkrieg zwischen ODF- und Open-XML-Verfechtern: Seit sich das Dokumentenformat des quelloffenen OpenOffice fast unverändert zum Open Document Standard gemausert hat, musste Microsoft rechtfertigen, warum es für das hauseigene Office weiterhin auf eigene Dateiformate baut. Das mit Microsoft Office 2007 zum Default-Ausgabeformat beförderte Open XML basiert zwar ebenso wie ODF auf offen gelegten XML-Schemata und ist im Prinzip für jedermann auswertbar. Nur steht hinter ODF eine Foundation mit mehreren implementierenden Softwareherstellern, während Open XML ausschließlich unter der Ägide von Microsoft entstanden ist und sich bis ins Detail an den Eigenschaften früherer Microsoft-Office-Formate orientiert. In der Konsequenz ist Microsofts Standardspezifikation um ein Mehrfaches dicker ausgefallen als die Definition für ODF und umfasst weitaus mehr Details, etwa zur Definition von Präsentationsdokumenten für PowerPoint.

Schon bevor Open XML im vergangenen Dezember als Standard der ECMA verabschiedet wurde – ein wichtiger Schritt zur Anerkennung durch die ISO – trat insbesondere Bob Sutor, IBMs Vizepräsident mit Zuständigkeit für Open-Source-Angelegenheiten, lautstark gegen das Werk auf. Es sei weder konform mit den Anforderungen des W3C zur Unterstützung von Elementformaten wie SVG und MathML, noch sei es überhaupt praktisch zu implementieren, außer durch den Erfinder Microsoft.

Michael Grözinger, National Technology Officer bei Microsoft Deutschland, will dieses Argument nicht gelten lassen. Er führte gegenüber heise online an, schließlich könnte jeder Anbieter die Bestandteile von Open XML umsetzen, die er für seine Anwendungen benötige, andererseits könne man im Standardentwurf auf die Vielzahl der definierten Features nicht verzichten, weil dann das Format für die Abbildung früher erstellter Dokumente möglicherweise relevante Formatierungen oder Effekte aus früheren Office-Versionen nicht korrekt darstelle. Unter welchen Bedingungen sich eine aktuelle Anwendung "Open-XML-konform" nennen darf und auch den Vorwurf, das Office-2007-Format weiche vom Open-XML-Standard ab, wollte Grözinger an dieser Stelle nicht kommentieren.

Obwohl sich ODF mit einem viel kleineren Funktionsumfang zufrieden gibt, erwiesen sich darin formatierte Schriftstücke im c't-Test als schlecht austauschbar zwischen OpenOffice, Koffice, Textmaker und Abiword, die sich alle als ODF-konform geben. Vor diesem Hintergrund erscheint es nachvollziehbar, dass Microsoft derzeit für ODF und Open XML als koexistierende Standards wirbt. Was daraus für die Beschaffungsrichtlinien von Behörden und Regierungen folgen könnte, ist allerdings kaum absehbar. Mit den als Vorversion bereits erhältlichen Im- und Exportfiltern für ODF in Microsoft Office dürfte die Windows-Company in jedem Fall auf der sicheren Seite sein. Wird ODF vorgegeben, kommt sowohl OpenOffice als auch Microsoft Office in Betracht. Anders, wenn etwa ein offener Standard Open XML im Pflichtenheft auftaucht: dann dürfte sich die Zahl der Softwareanbieter auf Microsoft als einzigen reduzieren. So gesehen erfüllt keiner der Kandidaten für offene Format-Standards derzeit den Zweck, konkurrierende Anwendungen für alle Office-Anforderungen zu fördern. Wünschenswert erscheint ein Standard, der klarere und umfassender Vorgaben macht als ODF, aber wiederum nicht so viele wie Open XML, damit sie sich durch unterschiedliche Softwarehäuser umsetzen lassen. (hps)