28 Prozent der Anwender in Deutschland greifen zu illegalen Softwarekopien

Im internationalen Vergleich erweisen sich Anwender in Deutschland als besonders ehrlich. Eingesetzt wurde Software im Wert von 6,7 Milliarden Euro, lizenziert und bezahlt waren Programme im Wert von 4,9 Milliarden Euro.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 505 Beiträge
Von
  • Marzena Sicking

Die Business Software Alliance (BSA) hat gemeinsam mit den Marktforschern von IDC und IPSOS eine aktuelle Piraterie-Studie vorgelegt. Demnach waren im vergangenen Jahr 26 Prozent der in Deutschland eingesetzten PC-Software unlizenziert. Eingesetzt wurde Ware im Wert von 6,7 Milliarden Euro, lizenziert und bezahlt waren aber nur Programme im Wert von 4,9 Milliarden Euro. Laut Selbstauskunft greifen 66 Prozent der Nutzer niemals zu Raubkopien. 43 Prozent von ihnen nannten moralische Bedenken als Hauptgrund, nur 32 Prozent fürchten auch mögliche rechtliche Folgen. Und die können durchaus heftig ausfallen: Ertappte Unternehmen zahlten im letzten Jahr hierzulande 2,6 Millionen Euro für Schadenersatz und Nach-Lizenzierung.

Zugleich gaben 28 Prozent der Befragten zu, Raubkopien zu nutzen. Das klingt nach viel, doch tatsächlich sind die deutschen Anwender zumindest im internationalen Vergleich echte Piraterie-Muffel: Ehrlicher sind nur noch die Nutzer in Großbritannien. Laut Studie waren weltweit waren 42 Prozent aller eingesetzten Programme unlizenziert. Das entspricht Raubkopien im Wert von 63 Milliarden US-Dollar. Das höchste finanzielle Volumen illegaler Software findet sich in den USA und in China (9,8 Mrd. US-Dollar bzw. 8,9 Mrd. US-Dollar). Dabei ist die Piraterierate in China mit 77 Prozent viermal so hoch wie in den USA: Der legale Markt in China hat nur ein Volumen von 2,7 Milliarden US-Dollar, in den USA dagegen von 41,7 Milliarden US-Dollar.

Georg Herrnleben, Senior Director EMEA bei der BSA, meint dazu: "Computernutzer haben Achtung vor der geistigen Leistung, die in die Kreation von Softwareprogrammen investiert wird. Für diejenigen, die dennoch Raubkopien nutzen, ist aber oft der Druck offenbar noch zu gering, um zu legalen Angeboten zu wechseln." Daher bleibe es das Ziel der BSA, die Verbreitung der Raubkopien durch Aufklärungs- und Rechtsarbeit weiter zu bekämpfen.

Entwicklungen, die unlizenzierter Software entgegenwirken

Unterstützt wird das Vorhaben durch die technische Entwicklung. Die zunehmende Verbreitung von Tablet-Computern und die steigende Popularität von Software-as-a-Service dürften die Verbreitung unlizenzierter Software ausbremsen. Allerdings ist das noch Zukunftsmusik: Obwohl Tablet-PCs, SaaS per Cloud Computing und Laptops mit vorinstallierter Software rasante Wachstumszahlen vorlegen, ist ihre Verbreitung noch immer zu gering, um großen Einfluss zu haben. So wurden 2011 laut IDC beispielsweise 3,7 Milliarden Apps im Wert von 7 Milliarden US-Dollar auf Tablet-PCs eingesetzt. Gleichzeitig waren aber weltweit immer noch 1,5 Milliarden PCs mit 32 Milliarden Programmen im Einsatz. Mit dem Verschwinden der „White-Box“-Rechner in den nächsten Jahren, dürfte der Einfluss der neuen Technologien auf die Schattenwirtschaft aber deutlich zunehmen – hofft jedenfalls die BSA.

Das White Paper zur Studie "2011 BSA Global Software Piracy Study" inklusive der deutschen Ergebnisse ist online verfügbar.

Ein ausführliches Interview mit Georg Herrnleben, Senior Director EMEA bei der BSA, finden Sie auf heise resale. (gs)