Menü

28C3: Hacker suchen Feindkontakt

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 37 Beiträge

Stand das Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs (CCC) 2010 noch unter dem Motto "Wir kommen in Frieden", wollen sich die Datenreisenden dieses Mal "hinter die Feindeslinien" begeben: Am 27. Dezember startet der 28. Chaos Communication Congress (28C3) in Berlin. Den Eröffnungsvortrag soll laut dem mittlerweile in Version 0.21 verfügbaren Fahrplan der in den USA forschende, aus Weißrussland stammende Medienwissenschaftler Evgeny Morozov halten, der für seinen skeptischen Blick auf die vielfach herbeizitierte befreiende Wirkung des Internets bekannt ist. Regierungen und Konzerne wollen seiner Ansicht nach mit allen Mitteln sicherstellen, dass sie weiter Kontrolle ausüben und die Netzinfrastrukturen beherrschen können.

Ergänzend dazu soll am Nachmittag des Starttages der Boing-Boing-Blogger und Online-Aktivist Cory Doctorow über den "kommenden Krieg gegen die allgemeine Datenverarbeitung" und den Universalrechner referieren. Der "Copyright-Krieg" sei erst der Anfang gewesen, lautet seine These, die mit dem PC verknüpften Möglichkeiten sollten künftig generell beschnitten werden.

Die Datenreisenden haben sich auch an praktischen Aktivitäten in diesem Jahr wieder einiges vorgenommen. Auf ihrer Liste zu hackender Objekte und Infrastrukturen stehen nicht nur die üblichen Spielekonsolen oder Mobiltelefone; vermerkt haben die Tüftler darauf auch Eisenbahnsicherungsanlagen, Steuerungssysteme von Gefängnissen und die Politik. Neben Anleitungen zum Schürfen in Big Data werden zudem wieder Überwachungstechniken eine große Rollen spielen. Das Spektrum reicht dabei von der vom CCC ins Rollen gebrachten Affäre rund um die Staatstrojaner bis hin zu Funkzellenabfragen alias Handygate und "Offline-Drangsalierung" in Sachsen. Nicht fehlen dürfen Dauerbrenner wie der Kampf für die Netzneutralität, Datenschutz, Informationsfreiheit oder Anonymität im Cyberspace.

Die Chaostage laufen wie in den vergangenen Jahren vom 27. bis zum 30. Dezember. Trotz der beengten Verhältnisse hat der CCC als Veranstaltungsstätte dem bcc (Berliner Congress Center) am Alexanderplatz die Treue gehalten. Die begehrten Dauerkarten kosten dieses Jahr 80 Euro und damit einen Zehner mehr als 2010. Sie gibt es nur im Vorverkauf, der offiziell bereits abgeschlossen ist. Tagestickets sollen Interessierte vor Ort noch erwerben können, wobei es auch hier zumindest am ersten Tag im vergangenen Jahr knapp wurde. Für alle, die leer ausgehen oder die Anreise scheuen, bleiben bei funktionierender Netzanbindung Streams der Vorträge sowie kollektive "Viewing Partys" in mehreren Städten gemäß dem Motto "No Nerd left behind". (jk)

Anzeige
Anzeige