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29C3: CCC sieht Umzug ins Hamburger Kongresszentrum als vollen Erfolg

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Beim Chaos Computer Club (CCC) herrscht nach dem Verlagern seines Jahrestreffens von Berlin an einen größeren Veranstaltungsort nach Hamburg Erleichterung. Das "große Experiment" sei gelungen, betonte CCC-Sprecher Frank Rieger bei der "Abschlusskundgebung" des 29. Chaos Communication Congress (29C3) im Kongresszentrum der Hansestadt. 6604 Tickets seien unter die Hacker gebracht worden, ein Drittel davon im Vorverkauf für "Unterstützerpreise". Auch 200 "Business"-Karten für 350 Euro hätten Besucher erstanden. Dies sei wichtig, um die höheren Kosten für das neue Gebäude auszugleichen.

Gefürchtet hatte die "intergalaktische Vereinigung" Rieger zufolge vor allem, dass die Zahl der an allen Ecken und Enden helfenden "Engel" nicht mit der der übrigen Teilnehmer mithalten würde. Letztlich seien aber 500 himmlische Mitstreiter gekommen, die insgesamt 5000 Stunden Arbeit geleistet hätten, ergänzte "bios", ein weiterer Vertreter des Organisationsteams. Nun sei klar, "dass wir ein Event dieser Größe mit Freiwilligenarbeit stemmen können", freute sich Rieger. Insgesamt habe es rund 300 Programmpunkte gegeben, darunter 108 Vorträge, 104 Workshops und 71 Kurzbeiträge in Form von "Lightning Talks". Dazugekommen seien 96 kleinere "Versammlungen", in denen Besucher Projekte vorstellen konnten.

Tatsächlich wirkte die Atmosphäre im Konferenzdampfer an der Elbe entspannter als in der mit 4000 Besuchern an ihre Belastungsgrenze gekommenen Kongresshalle am Alexanderplatz. Auf rund 100 zusätzlich gemieteten Sofas und 3000 Stühlen wurde geplauscht, gebastelt und gesurft. Selbst das erstmals auf mehrere Etagen verteilte "Hackcenter", das bislang im Keller angesiedelt und als "Pumakäfig" verschrien war, atmete mehr Gelassenheit.

Vielleicht lag es daran, dass sich die von selbsternannten Sicherheitstestern im Web angerichteten Kollateralschäden dieses Jahr in Grenzen hielt: Die Wiki-Seite über "Gehacktes" listet vor allem ein paar Spielereien mit Flirtplattformen, einige "Webseiten-Verschönerungen" und Code-Einfügungen auf. Auch auf die Übernahme einer Bilddatenbank des Pentagons und andere aufgrund unsicherer Passwörter schlecht geschützte Systeme wird darin aber verwiesen. Am "Network Abuse"-Telefon haben sich laut Rieger auf jeden Fall nur zwei Anrufer gemeldet.

Mehr los war an der neu eingerichteten Anti-Belästigungshotline. 20 Teilnehmer hätten diese Notrufnummer gewählt, erklärte Rieger. In Folge sei eine Person verwarnt und eine entfernt worden vom Gelände. Das gleiche Schicksal habe einen "Nazi" ereilt. Der Club hatte parallel im Rahmen einer weiteren Premiere eine Richtlinie gegen Bedrohung, Belästigung und Diskriminierungeingeführt, um vor allem Häcksen vor Übergriffen zu schützen. Diese habe sich bewährt, meinte der CCC-Sprecher. "Nicht wirklich nötig" gewesen seien dagegen die rot-gelb-grünen Verwarnkarten, die Aktivisten auf dem Gelände in Eigenregie verteilt hatten.

Zum zweiten Mal kümmerte sich der Club gezielt um die Nachwuchsförderung und hielt einen "Junghackertag" mit vier gesonderten Vorträgen auf dem Kongress ab, der 70 Teilnehmer anlockte. Der jüngste davon war fünf Jahre alt. Das für die medizinische Versorgung zuständige "Chaos Emergency Response Team" (CERT) musste 33 Verletzte behandeln und zweimal externe Hilfe in Anspruch nehmen. Über Tausend Teilnehmer brachten eigene DECT-Telefone mit und tauschten sich über das aufgebaute "Phone Network" aus. Parallel gab es auch wieder ein eigenes GSM-Netzwerk, über das 6000 SMS verschickt worden, von denen "5000 auch ausgeliefert wurden", wie Rieger erklärte. Zudem seien darüber über 2000 Telefongespräche erfolgreich ausgeführt worden.

Wieder einmal hätten die Hacker "nicht genug Bandbreite verbraucht", unkte Rieger. Die höchste Inanspruchnahme des Uplinks mit einer Kapazität von 30 GBit/s habe bei 8,2 Gbit/s gelegen, im Downstream seien 2,6 GBit/s erreicht worden. Das Streaming und Video Operation Center habe zur Höchstzeit am Samstagabend über 7500 externe Zuschauer versorgen müssen, fügte bios an. Insgesamt seien 1,1 Terabyte an Videomaterial zusammengekommen, von dem ein Teil bereits über YouTube verfügbar ist. An der ausführlichen Dokumentation arbeite die für die Übertragungen zuständige Forschungsgemeinschaft elektronische Medien (FEM) noch. (hps)