29C3: Verpeilen können sie alle

Im voll besetzten großen Saal des Hamburger Kongresszentrums ließ der CCC die Fnord-News des ablaufenden Jahres Revue passieren.

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Die Fnord-Newsshow sorgte auch nach 23 Uhr noch für einen vollen Saal.

Es war ein gutes Jahr, aus fnordistischer Perspektive. Im voll besetzten großen Saal des Hamburger Kongresszentrums zählten CCC-Sprecher Frank Rieger und der CCC-Newsfnordner Felix von Leitner (Fefes Blog) auf, was das vergangene Jahr an Verpeilungen produziert hatte. Niemand kam ungeschoren davon: Regierungen, Geheimdienste und Konzerne zeigten reife Leistungen bei der Produktion absurder Nachrichten.

Der Chaos Computer Club leistet sich zur Zeit eine mäßig intelligente Sexismus-Debatte: Der Kongress ist groß geworden, die Mitgliederzahlen steigen rasant. Die Nerds früherer Tage, für die Frauen bestaunte Wesen von einem fremden Planeten waren, wenn sie nicht als Häcksen mitlöteten, sind durch Nerds abgelöst worden, die Witze reißen. Zur Fnord-Show verteilten diese Luftpolsterfolien mit der Aufforderung, durch "Dauerpoppen" der Luftblasen die Debatte zu kommentieren.

Was die Fnord-Newsshow brachte, war da schon erheiternder und witziger. Für Lacher sorgten etwa die seltsamen Geschäfte rund um die LKW-Maut, bei der das Maut-Konsortium über bald zehn Jahre vergessen hat, Rückstellungen zu bilden und der Bund das Mautsystem unter Verzicht auf Regressforderungen für eine "logische Sekunde" übernehmen will, um es einem neuen Konsortium zu schenken. Groß auch die Erheiterung über die Meldung, dass die Trojaner-Software von Digitask so programmiert war, dass punktuelles Löschen von mitgeschnittenem Gestöhne aus dem Kernbereich der privaten Lebensführung nicht möglich war. Beifall bekamen auch Nachrichten, nach denen unser Bundesnachrichtendienst beim Auswerten mit einem massiven Spam-Problem zu kämpfen hat. Ernster war da schon die Meldung aus den USA, dass die dortige National Security Agency auf Anfragen mitteilte, das Auskünfte nicht erteilt werden könnten, weil dies die Integrität der Datensammlung gefährde und die Privatsphäre der abgelauschten Personen verletze.

Der Geist des großen Fefe, projiziert auf die Hauswand des Messehotels.

In der Karnevalsstimmung des voll besetzten Saales kamen auch Themen ins Visier, bei denen selbst die Vortragenden grimmig wurden. Angesichts zahlloser laufender Klagen gegen Kinder und Jugendliche, die ein paar Songs downloaden, erzählte Frank Rieger von den Schwierigkeiten, mit Vertretern einer Branche ernsthafte Gespräche zu führen, die junge Menschen um ihre Jugend bringen wollen. Nach dem fnordistischen Rückblick strömten die bestens bespaßten Hacker auf Tschunksuche durch das große Messezentrum und verbreiteten die Karnevalsstimmung, während der Geist des großen Fefe auf die Hauswand des Messehotels projiziert wurde. (hos)