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30 Jahre Amiga: Wir gratulieren!

Heute vor 30 Jahren stellte Commodore den Amiga 1000 vor und damit die Heimcomputerszene auf den Kopf ... für manche sogar bis heute.

Amiga 1000

Der Amiga 1000 war der größte Schritt vom 8-Bit- in den 16-Bit-Bereich: Standard-Auflösung von 320 × 256 in 32 Farben (gleichzeitig; 4096 im Hold&Modify-Modus) – da konnte selbst der direkte Konkurrent Atari ST nicht mithalten.

Also betonte Commodore bei der Vorstellung im New Yorker Lincoln Center vor allem die Multimediafähigkeiten des Rechners: Die Firma ließ keinen Geringeren als Pop-Art-Künstler Andy Warhol die überlegenen Fähigkeiten des Amiga demonstrieren, indem er Live-Bilder von Sängerin Debbie Harry am Amiga im Popart-Stil verfremdete.

Der berühmte Pop-Art-Künstler Andy Warhol präsentiert den Amiga.

Neben einer feierlichen Deutschland-Vorstellung in der Alten Oper in Frankfurt am Main war er einer der Stars auf der ersten eigenständigen CeBIT 1986. Oder wie jeamand im Heise-Forum umschrieb: "Der Amiga jedenfalls war 1985 etwa wie ein Stück Hardware, das man in der Wüste von Nevada aus einem abgestürzten UFO geborgen hatte.“ Die Redakteure der c't formulierten es hingegen beim Test in Ausgabe 1/86 etwas zurückhaltender: "Neben einer hohen Auflösung besticht der Commodore-Rechner dank zusätzlicher Hardware durch eine in dieser Klasse konkurrenzlos schnelle Grafik.“

Diese zusätzliche Hardware, die den Amiga zur Multimedia-Maschine machte, waren die "Custom-Chips" Agnus, Denise und Paula. Agnus steuerte das Chip-RAM sowie die Videosignale, Denise kümmerte sich um die Grafikausgabe und stellte Bobs und Sprites dar. Paula war für den Sound zuständig: 8-Bit-Sampling und Vier-Kanal-Stereo waren damals erstklassig. Außerdem steuerte der Chip das Diskettenlaufwerk und die serielle Schnittstelle. Die Custom-Chips entlasteten den Hauptprozessor und machten den Amiga damit gegenüber vergleichbaren Systemen leistungsfähiger.

Angetrieben wurde er wie der Atari ST von einem MC68000-Prozessor von Motorola, der den Amiga zu einem 16/32-Bit-System machte (16-Bit-Statusregister und -Datenbus, aber 32-Bit-Datenregister, 32-Bit-Adressregister). Der Amiga 1000 hatte 512 KByte RAM (256 KByte auf dem Mainboard und 256K auf einer Speichererweiterung), ein 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk (880 KByte Amiga-Format) und Mausbedienung, verfügte aber als eines der ersten grafischen Systeme zusätzlich über einen Command Line Interpreter (CLI). Das AmigaOS, das sich in den Unterbau "Kickstart" und die Bedienoberfläche "Workbench" gliederte, vereinte bereits viele Aspekte moderner Betriebssysteme in sich: schnell, schlank, mit präemptiven Multitasking, Plug-and-Play-Elementen (heißt beim Amiga "Autoconfig“), virtuelle Desktops und modulare Datatypes.

Jay Miner, vorher Chipentwickler bei Atari (u. A. an der Atari 2600-Konsole und Atari 400/800 beteiligt), gründete zusammen mit einem Geschäftsfreund die Firma "Hi Toro Inc.“, welche sie aber zügig in "Amiga Corporation“ umbenannten, weil bei Hi Toro Verwechslungsgefahr mit einer Rasenmähermarke bestand. Die gewonnenen Investoren wollten eine leistungsfähige Spielekonsole, Miner wollte aber schon seit seiner Zeit bei Atari einen 16 Bit-Computer entwickeln.

Um die Entwicklung des Amiga im neugierigen Sillicon-Valley-Umfeld geheim zu halten, produzierten sie offiziell Zubehör für Konsolen (so kam noch zusätzlich Geld in die Kassen und es entstand mit dem Joyboard quasi der Vorläufer des Nintendo Wii-Balance-Boards).

Als 1983 der Konsolenmarkt zusammenbrach und Atari Wagenladungen an unverkäuflichen Konsolenspielen in der Wüste verbuddeln musste, war das erst wenige Monate alte Amiga-Projekt nicht am Ende, da Miner zweigleisig entwickelte und nun die Computerentwicklung zum Zuge kam. Von der Videokonsolenentwicklung ist die gute Kompatibilität zu Fernsehsignalen geblieben, die den Amiga später so prädestiniert für die Verarbeitung von Videosignalen machte. War für andere Systeme teure Zusatz-Hardware notwendig, reichte beim Amiga ein Genlock, was den Amiga in vielen TV- und Filmstudios heimisch werden lies.

Keine Amiga-Meldung ohne Guru Meditation!

Beinahe wäre übrigens der Amiga tatsächlich ein Atari geworden. Als bei der Entwicklung von "Lorraine“, dem ersten Prototypen des Amiga, so langsam das Geld knapp wurde, nahm man bei Atari ein Darlehen auf. Commodore-Gründer Jack Tramiel, der die Firma im Streit verlassen musste und Atari übernahm, wollte die Notlage ausnutzen und günstig an die Chip-Technologie kommen: Da bei Nichtzahlung des Darlehens die Rechte eh an Atari übergehen würden und bot er einen Spottpreis. Ein Fehler: Denn Commodore machte ein höheres Gebot und bekam den Zuschlag.

Tramiel lies daraufhin den Atari ST 520 innerhalb weniger Monate entwickeln und auf Jahre hin sollte dieser System-Zweikampf den Markt und den Schulhof beherrschen. Der PC hingegen wurde bis Anfang der 90er von beiden Seiten eher belächelt. Damals zeigte mir ein Freund ganz stolz, wie er an seinem MS-DOS-PC mit Norton Commander Dateien verschieben (!) konnte, das ganze in 4 Farben (!) und mit 8.3-Zeichenbegrenzung bei Dateinamen. Aus der Warte eines Amiganers lächerlich! Als später jedoch Spiele wie Wing Commander und Doom auf dem PC erschienen, verging mir das Lachen.

Der 500er war der Bestseller unter den Amigas.

Meinen ersten direkten Kontakt mit dem Amiga hatte ich bei einem Besuch bei meinem ältesten Bruder. Er setzte mich kleinen Trekkie in sein Computerzimmer, schaltete das Licht aus und ließ mich mit "Star Trek: The Game" und dem Amiga allein. Mit für mich unfassbar realistischer Grafik und digitalisierten Tönen aus der Stereoanlage fühlte ich mich augenblicklich auf die Brücke der Enterprise gebeamt! Mein Weg als Amiga-User war somit vorbestimmt. Später kam ein Amiga 500 unter den Weihnachtsbaum.

Als Tastaturcomputer ähnlich dem C64 und leicht auf 1 MByte Speicher erweiterbar, schossen die Verkaufszahlen auch dank eines günstigen Preises durch die Decke: Mit über eine Million verkaufter Amigas in Deutschland war der 500er erfolgreicher als alle anderen Amigas zusammen. Damit begann auch das Problem: Geblendet vom Erfolg versäumte es Commodore, den Amiga konsequent weiterzuentwickeln, weshalb Jay Miner Commodore 1989 im Streit, abe auch aus gesundheitlichen Gründen verließ. Profimaschinen wie Amiga 3000 und 4000 waren zu teuer; der Amiga verlor mit der Zeit gegen den PC den Anschluss und Commodore ging 1994 in Konkurs. Danach erwarb die deutsche Firma ESCOM die Rechte; die Tochterfirma Amiga Technologies verkaufte noch wenige Jahre weiterhin Amigas.

Seitdem fristet der Amiga ein gemütliches Nischendasein, ebenso wie die Nachfolgesysteme AROS, Morph OS sowie das AmigaOS 4.1. "Ewig Gestrige" wie ein paar c't-Kollegen und mich beschäftigt der Amiga bis heute. Es gibt sogar eingefleischte Retrofans, die Erweiterungen wie zum Beispiel "Turbokarten" für die Original-Hardware entwickeln oder wie beim FPGA-Retro-Computer MiST die ehemaligen Streithähne in einem Gerät (siehe Video unten) vereinen. Trotzdem wird noch immer leidenschaftlich zwischen Atari- und Amiga-Usern "gestritten", welches denn nun wirklich der bessere Computer ist – inzwischen jedoch oft mit Augenzwinkern.

Die Fans diskutieren auch heute noch eifrig in Foren wie auf A1k.org oder in der German Amiga Community. Und mit starken Emulatoren wie WinUAE und dem kompletten Emulationspaket Amiga Forever kann man den Amiga auch in allen relevanten Betriebssystemen inklusive Android erleben. Da bleibt nur noch zu sagen: Herzlichen Glückwunsch, Amiga – auf die nächsten 30 Jahre!

Streithähne unter einem Dach: FPGA-Computer MiST simuliert Amiga und Atari ST
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