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30 Jahre Challenger-Unglück: die erste große Katastrophe der US-Raumfahrt

Vor genau 30 Jahren startete das Space Shuttle Challenger zu seinem letzten Flug. Nach wenigen Sekunden explodierte das Raumfahrzeug im Himmel über Florida. So richtig sollte sich das Shuttle-Programm davon nicht mehr erholen.

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Am 28. Januar 1986 wurden Millionen Menschen in aller Welt Zeuge, wie das Space Shuttle Challenger kurz nach dem Start explodierte. Die sieben Menschen an Bord starben, darunter die Grundschullehrerin Christa McAuliffe, die als erste Nicht-Astronautin ins All fliegen sollte.

Das Unglück ist – auch unter Berücksichtigung der Katastrophe bei Apollo 1, bei der während eines Tests auf der Startrampe ein Feuer ausbrach und die drei Astronauten verbrannten – die bis dato größte Katastrophe des US-Raumfahrtprogramms, von der sich das ambitionierte Space-Shuttle-Programm nie wieder richtig erholen wird. Nach insgesamt neun Starts im Vorjahr werden alle weiteren vorerst ausgesetzt, um die Ursache der Katastrophe zu finden und zu beheben. Erst 1988 startete mit der Discovery wieder eine US-Raumfähre. So viele Starts wie 1985 hat es in einem Jahr nie wieder gegeben.

Knapp eine Minute nach dem Start bildete sich eine winzige Flamme an einer der Feststoffraketen, die das Space Shuttle in den Orbit schießen sollte. Das fand die NASA später bei ihrer Untersuchung des Unglücks heraus. Demnach änderte sich kurz danach die Farbe des Qualms, was darauf hindeute, dass immer mehr Substanzen sich an den Raketen mischte. Genau 73 Sekunden nach dem Start explodierte die Rakete, bei 1,92 Mach und in 14 Kilometern Höhe. Für alle Zuschauer war sofort klar, dass kein Besatzungsmitglied das überlebt haben könnte.

Space Shuttle Challenger (27 Bilder)

Der letzte erfolgreiche Start der Challenger am 30. Oktober 1985, knapp drei Monate vor der Katastrophe.
(Bild: NASA)

Bei der anschließenden Untersuchung fanden die Ingenieure heraus, dass Dichtungsringe in der ungewöhnlich kalten Nacht vor dem Start porös geworden waren. Durch sie konnten heiße Gase entweichen, die sich entzündeten. Als Konsequenz werden die Shuttles umkonstruiert und die Kommunikation innerhalb der US-Weltraumagentur neu organisiert. In den 1990-er Jahren gab es dann wieder häufig Shuttle-Starts, aber deren frühere Zahl wird nicht mehr erreicht. Fast auf den Tag genau 17 Jahre nach der Explosion der Challenger verglühte dann jedoch die "Columbia" bei ihrer Rückkehr zur Erde. Wieder kamen sieben Astronauten ums Leben. Das leitete dann das endgültige Ende des Shuttle-Programms ein.

Bis zur Challenger-Katastrophe waren noch nie US-Astronauten im Einsatz gestorben. Als 1967 in einer Apollo-Kommandokapsel Feuer ausbrach, das drei Menschenleben forderte, hatte es sich um einen Test am Boden gehandelt. 1986 starb neben den Astronauten Francis Scobee, Michael J. Smith, Judith Resnik, Ellison Onizuka, Ronald McNair und Gregory Jarvis auch Christa McAuliffe die als Lehrerin Unterricht aus dem Obrit führen sollte. Sie hatte sich in dem Programm "Teacher in Space" gegen 11.000 Konkurrenten durchgesetzt. Nach einem fünfmonatigen Training sollte sie ins All fliegen und danach ins Klassenzimmer zurückkehren, um ihre Schüler zu inspirieren.

Im Rahmen der Mission STS-51-L wäre McAuliffe die erste Nicht-Astronautin gewesen, die den Weltraum erreicht, als Ersatzkandidatin stand die Grundschullehrerin Barbara Morgan bereit. Nach der Katastrophe wurde das Programm erst nicht weiter verfolgt und Morgan kehrte an die Schule zurück. 1998 begann sie dann die Ausbildung zur Astronautin und flog dann 2007 tatsächlich mit dem Space Shuttle Endeavour zur Internationalen Raumstation.

Das Shuttle-Programm endete im Juli 2011 mit dem letzten Flug der Atlantis. Nach dem Columbia-Unglück war es der 22. und insgesamt der 135. Flug eines Space Shuttle. Heute steht die Endeavour im California Science Center (Los Angeles), die Discovery im Steven F. Udvar-Hazy Center (bei Washington D.C.), die nie ins All gestartete Enterprise im Intrepid Sea-Air-Space Museum (New York) und die Atlantis im Kennedy Space Center (Florida). Für bemannte Flüge ist die NASA derzeit auf russische Raumkapseln angewiesen. Das soll sich bald wieder ändern, unter anderem mit den bemannten Raumfahrtprogrammen privater Konzerne.

Kranzniederlegung am "Tag des Erinnerns" 2014

(Bild: NASA/Bill Ingalls)

Für die NASA ist der Jahrestag der Challenger-Katastrophe der Tag der Erinnerung ("Day of Remembrance"). Erinnert wird dabei nicht nur an die Besatzungen der Challenger, der Columbia und der Apollo-Kapsel, sondern auch diejenigen, die auf Test- und Forschungsflügen ums Leben kamen, darunter auch Michael Adams, der mit einer X-15 verunglückte. NASA-Chef Charles Bolden wird aus diesem Anlass auf dem Nationalfriedhof Arlington an die Toten erinnern. An die beiden Shuttle-Katastrophen erinnert inzwischen auch ein eigener Bereich im Besucherzentrum des Kennedy Space Center in Florida. (mho)