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30 Jahre DeGUT: Startup-Spirit unterm Flughafen-Dach

Mit Events für Gründer ist Berlin mehr als gesegnet. Die deGUT ist eines von ihnen. In einem ehemaligen Flugzeughangar des still gelegten Flughafens Tempelhof feiern die deutschen Gründer- und Unternehmertage in diesem Jahr ihr 30. Jubiläum.

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Die deGUT will Gründer aus ganz Deutschland anziehen.An acht Orten finden Vorträge, Workshops und Seminare statt. Gründer und Unternehmer in spe können etwas über Geschäftsmodellentwicklung und Crowdfunding lernen, in Workshops an ihren Gründungsideen arbeiten und eine Einführung in die App-Entwicklung bekommen. Auf dem "Marktplatz" erzählen junge und ältere Gründer aus ihrem Leben. Die charismatische Filmproduzentin Regina Ziegler erinnert sich, wie sie in den 70ern nach enttäuschenden Erfahrungen mit deutschen Fernsehsendern beschlossen hat, einfach selbst einen Film zu produzieren. Obwohl bereits 10 000 Mark Schulden im Nacken, habe sie Freunde angepumpt. Mittlerweile hat sie ein kleines Firmenimperium geschaffen. Und sie erzählt, dass sie vor kurzem Netflix-Manager getroffen hat und gerne auch für den Streaming-Dienst produzieren würde.

Als Kontrastprogramm pitchen zwei Startups ihre Idee: Newsletter2Go, ein browserbasierter Email-Versender, und Machtfit, ein Marktplatz für betriebliche Gesundheitsförderung. Florian Langenscheidt, umtriebiger Erbe der gleichnamigen Verlagsgruppe und Business Angel, versucht, die Zuhörer vom Glück des Gründens und der notwendigen Beharrlichkeit zu überzeugen. Er erzählt, wie sein Vorfahr einen Fremdsprachenverlag aus dem Boden gestampft hat, weil er sich aufgrund mangelhafter Englischkenntnisse in London in ein Stundenhotel verirrt hatte.

Mit seiner Rede eröffnet er gleichzeitig den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg, der zum 20. Mal stattfindet. Als konkrete Hilfestellung für Jungunternehmer gibt es an kleinen Tischchen Coachings zu verschiedenen Bereichen wie Onlinemarketing, Buchhaltung, Steuerberatung und Vertrieb. Einer der Coaches ist Andreas Kaufmann von der SEO-Agentur Die Webboxer. Er hat mehrere Versicherungsmakler beraten, eine selbständige Kosmetikerin und Jung-Unternehmen, die Webshops aufgebaut haben, Google-technisch aber noch nicht so richtig laufen.

Jenseits vom Programm zeigt ein Rundgang über die Messe allerdings auch, wie langweilig der Gründeralltag in Deutschland sein kann. Die Sparkasse verteilt als Werbegag am Eingang rote Gießkannen – die Botschaft erschließt sich nicht so richtig. Unter den 130 Ausstellern sind viele Anwälte und Steuerberater und alle Spielformen staatlicher und halbstaatlicher Förderinstitutionen. An den Ständen warten die Aussteller auf Gründer, die sie beraten und denen sie ihre Produkte verkaufen können.

Die deGUT feiert in diesem Jahr ihr 30. Jubiläum. Anfangs waren die Gründer vor allem politisch begehrt. Im Jahr 1985 lebte West-Berlin fast ausschließlich von Subventionen. Firmen wurden überwiegend in Westdeutschland gegründet, erzählt Silke Asselmeyer, die bei der städtischen Investmentgesellschaft IBB die deGUT koordiniert. Der damalige Wirtschafts-Senator Elmar Pieroth wollte das ändern und initiierte die deGUT. Mittlerweile wird die Hauptstadt oft als deutsches Gründer-Mekka bezeichnet, und die Messe ist in der Stadt angekommen. Fünf regionale Tageszeitungen haben Sonderseiten oder gar Beilagen zur deGUT veröffentlicht. Im letzten Jahr zählte die deGUT 6000 Besucher, Asselmeyer hofft, dass es in diesem Jahr genau so viel werden.

Am Sonnabend erwarten die Besucher unter anderem Vorträge zum Online-Handel, zu Guerilla-Marketing und zur Datensicherheit. Tagestickets kosten regulär 15 Euro, für Studenten, Arbeitslose und Rentner ermäßigt 5 Euro.

(js)