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30 Jahre MS-DOS

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Mit nur 75.000 US-Dollar legte vor 30 Jahren ein kleines Softwareunternehmen den Grundstein für ein Imperium. Das von Bill Gates und Paul Allen gegründete Microsoft erwarb die Rechte am Disk Operating System QDOS von Seattle Computer Products, um es unter eigener Flagge vermarkten zu können. Der 27. Juli 1981 gilt daher als Geburtstag von MS-DOS.

Allen und Gates hatten es eilig. Sie hatten bereits einen geheimen Kunden, dem sie ein DOS verkaufen wollten. Das war der Büromaschinenriese IBM, der seinen neuen Personal Computer schon im August vorstellen und mit einem DOS von Microsoft ausliefern wollte. Als sich Ende des Jahres der Erfolg des IBM PC abzuzeichnen begann, vergab Microsoft DOS-Lizenzen für 95.000 US-Dollar – wer noch im Jahr 1981 unterschrieb, bekam 50 Prozent Rabatt.

Zur Markteinführung des PC hatte Gates geschätzt, dass IBM wohl 200.000 Geräte verkaufen könnte. Damit lag der Jungunternehmer gründlich falsch: 1984 wurde der einmillionste PC verkauft; IBM bot das Erfolgsmodell ohne große Modifikationen bis zum April 1987 an. Der Erfolg von MS-DOS ist eng mit dem des PC verknüpft. IBM bot DOS für 40 US-Dollar an, als Alternative konnten Kunden auch das Betriebssystem CP/M von Digital Research bestellen, das 240 US-Dollar kostete. Als der IBM PC Anfang 1983 nach Deutschland kam, gab es diese Wahlmöglichkeit nicht mehr – Microsofts DOS war zwischenzeitlich zum PC-Standard geworden.

Vor 30 Jahren: Die Kommandozeile ist dein Freund.

Im Juli 1980 hatte IBM ein Projekt unter dem Decknamen "Chess" gestartet. Bill Lowe und Don Estridge von der "Entry Systems Division" sollten einen Einsteiger-Computer aus zugekauften Teilen entwickeln. Bis dahin galt bei IBM die Devise, jede Komponente selbst zu entwickeln, was angesichts der Zeitvorgabe von einem Jahr völlig illusorisch war. Auch das Betriebssystem und das damals unverzichtbare BASIC sollten eingekauft werden: Bill Lowe rief Bill Gates vom BASIC-Lieferanten Microsoft an und dieser gab ihm die Telefonnummer von Gary Kildall, dem Chef von Digital Research und Erfinder von CP/M.

Die Geschichte, warum die IBM-Leute auf der Suche nach einem Betriebssystem bei Kildall scheiterten, gehört zu den mythenumrankten Erzählungen der IT. Tatsächlich kaufte IBM sein DOS-System bei Microsoft im Bündel mit BASIC für 400.000 US-Dollar. Der Haken an der Sache: Microsoft verfügte während der Verhandlungen nicht über das passende Betriebssystem. Zusammen mit ihrem BASIC hatten Bill Gates und Paul Allen versucht, IBM das hauseigene Xenix zu verkaufen. Das Unix-Derivat wurde von Microsoft ab November 1980 ausgeliefert und war als System für den 16-Bit-Prozessor 8086 von Intel gedacht. IBM entschied sich jedoch, den kleineren 8088 von Intel einzusetzen, weil das Angebot an passender Hardware größer war.

Microsoft musste also ein anderes Betriebssystem suchen. Die Wahl fiel auf das von Tim Paterson für Seattle Computer Products entwickelte QDOS (Quick and Dirty OS), ein halber Clone von CP/M mit Anleihen an NorthStar DOS und Übernahmen von CDOS, dem CP/M-Clone von Cromenco. Paul Allen hatte zuvor bei der Arbeit an der Microsoft Softcard für den Apple ][ zusammen mit Paterson programmiert. Der Microsoft-Mitgründer war davon überzeugt, dass Patersons System für IBM geeignet und ausreichend kompatibel zum führenden CP/M war. Ganz kompatibel war das später als 86-DOS vermarktete System aber nicht, wie ein Hinweis im Handbuch verdeutlichte:

SPECIAL NOTE: 86-DOS is not related to the popular CP/M operating system of Digital Research. Disk directory formatting and space allocation are completely different and incompatible. 86-DOS does, however, provide a utility called RDCPM which will transfer files from CP/M disks to 86-DOS disks. Further, operating system calls and calling conventions have been provided which make possible automatic translation of Z80 programs written for CP/M into 8086 programs that run under 86-DOS.

QDOS wurde zunächst nicht eingekauft, sondern für ein Projekt angemietet, wobei der bei Seattle Computer Products arbeitende Paterson nominell zum Microsoft-Mitarbeiter wurde und die Aufgabe hatte, seine DOS-Variante zu verbessern und an den IBM PC anzupassen. Bedingt durch strikte Geheimhaltungsklauseln wusste man bei Seattle Computer Products bis zum 12. August 1981 nicht, wer denn der ungenannte Kunde von Microsoft war. Der Rest ist Geschichte.

Für 50.000 US-Dollar und eine vorab überwiesenen Lizenzahlung seines "ungenannten Kunden" in Höhe von 25.000 US-Dollar erwarb Microsoft am 27. Juli 1981 ein Produkt, dessen Lizenzen Seattle Computer eigentlich für 150.000 Dollar verkaufen wollte. Microsoft wähnte sich im Besitz einer Erlaubnis zur Sublizensierung und begann Ende 1981, ihr MS-DOS für 95.000 US-Dollar zu lizensieren. Wer die Vereinbarung noch im Jahr 1981 unterzeichnete, bekam 50 Prozent Rabatt. Mit dem Kauf von DOS hatte Microsoft (Jahresumsatz 1981: 15 Millionen US-Dollar, 1,5 Millionen Gewinn) einen "strategischen Gewinn gegen Apple" (Jahresumsatz 1981: 334 Millionen US-Dollar, 39,4 Millionen Gewinn) erzielt und konnte sich freischwimmen, wie der heutige CEO Steve Ballmer später erzählte. (Detlef Borchers) / (vbr)

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