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30 Jahre Super Mario: Meister des Kopfsprungs

Vor 30 Jahren veröffentlichte die japanische Firma Nintendo den ersten Teil der Videospielserie Super Mario, die kulturell einen mindestens ebenso großen Einfluss ausübt wie Disneys Micky Maus.

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Nintendo - Super Mario

(Bild: dpa, Kiyoshi Ota)

"It's me, Mario!": Mehr als 300 Millionen Exemplare der 17 Spiele der Super-Mario-Serie hat Nintendo bislang verkauft. Damit gilt Mario als weltweit erfolgreichste Videospielserie. Der titelgebende Held avancierte in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Ikone der Pop-Kultur und genießt unter jüngeren Zeitgenossen vermutlich einen höheren Wiedererkennungswert als Disneys Micky Maus.

Dabei sieht Mario keineswegs aus wie der typische Spielheld. Er erscheint als kleiner, rundlicher Mann mit einem gesichtsbreiten Schnauzbart, roter Mütze und Latzhose, der gern mit breitem italienischem Akzent seinen eigenen Namen ruft. Seit 1994 leiht der kalifornische Schauspieler Charles Martinet dem Klempner seine Stimme, ebenso wie Luigi und dem Anti-Mario namens Wario. Die reale Vorlage für die Mario-Figur lieferte der Hausverwalter des Gebäudes, in dem Nintendo of America Anfang der 1980er Jahre residierte.

Der digitale Vorläufer ist als Jumpman bekannt, die Spielfigur des ersten Nintendo-Hits Donkey Kong von 1981. Hier versucht besagter Jumpman die vom Affen Donkey Kong geraubte Pauline zu retten, indem er über Fässer springt und Leitern hochklettert. Zwei Jahre später veröffentlichte Nintendo Mario Bros, in dem der Held erstmals unter seinem Namen Mario und in seiner Eigenschaft als Klempner auftritt, zusammen mit seinem jüngeren Bruder Luigi, mit dem er Bösewichte in der New Yorker Kanalisation bekämpft.

Ein Klempner wird 30 (16 Bilder)

Mario: In Donkey Kong hieß er Jumpman, in Mario Bros. erhielt er einen Namen und einen Bruder, seine Springleidenschaft blieb bis heute erhalten.
(Bild: Nintendo)

1985 steuert man im ersten Super Mario Bros. den rotbemützten Helden im Solo-Modus, alternativ steuert zwei Spieler jeweils einen Bruder im Mehrspielermodus. Die beiden bekämpfen die Schergen des bösen Reptilienwesens Bowser, um das Pilzkönigreich und Prinzessin Peach zu retten, was bis heute den beliebtesten Plot in den Super-Mario-Spielen darstellt.

Im ersten Teil von Super Mario Bros. finden sich bereits die markantesten Elemente der Serie: Goombas genannte Wesen, die böse dreinblickend durch die Level watscheln und denen Mario auf den Kopf springt, um sie auszuschalten; Münzen zum Sammeln und Blöcke zum Zerstören, was Mario mit seinem Kopf erledigt; Röhren, über die er in andere Level gelangt. Seit September 2015 kann der Spieler jene Elemente im Super Mario Maker für Wii U arrangieren, um eigene Level zu gestalten, auf Wunsch im Design des ersten Super-Mario-Spiels.

Zwischen dem 1985er Debüt und dem vielseitigen Editor mit Online-Funktion veröffentlichte Nintendo 15 Teile, darunter das 1996 veröffentlichte Super Mario 64 für die Spielkonsole Nintendo 64, wo Mario sich zum ersten Mal frei durch 3D-Welten spazieren kann, während er in den Vorgängern stets von links nach rechts durch 2D-Level eilte. Die freie Bewegung ist ebenfalls möglich in Super Mario Sunshine und in Super Mario Galaxy 1 und 2, während der Spieler in New Super Mario Bros. für DS, Wii und Wii U seine Helden aus der Seitenansicht zur Prinzessinnen-Rettung lenkt.

Endlich mal selber Münzen sammeln und Feuerkugeln werfen: Hobbyregisseur Andrew McMurray lässt seinen Bruder durch die Plattformen hüpfen.

Als Schöpfer der Serie zeichnete der 1952 geborene Shigeru Miyamoto verantwortlich, der bis heute als kreativer Kopf bei Nintendo gilt und mit seinen zahlreichen Produktionen mehr Einfluss auf die Branche ausgeübt hat als jeder andere Spiele-Entwickler. Die Besonderheiten der Mario-Figur waren dem damaligen Stand der Technik geschuldet. "Ich konnte nicht die Bewegung der Haare darstellen, wenn Mario sprang. Deshalb musste ich ihm eine Mütze verpassen“, sagte Miyamoto in einem Interview. Auf gleiche Weise kleidete der Entwickler den springfreudigen Mario in ein Hemd mit Latzhose, "um die Bewegungen der Arme besser sichtbar zu machen für den Spieler“.

Seinen Mario verwendete er für weitere erfolgreiche Spielserien, darunter Mario Kart, Mario Party und Mario & Luigi. Der Klempner tritt stets als eine Spielfigur in den Sportspielen von Nintendo auf, er beweist sich dort in Basketball, Golf, Tennis und Fußball. Shigeru Miyamoto nutzt auf pfiffige Weise die Elemente von Super Mario in jenen Serien, so dass der Mario-Kart-Spieler während seiner Fahrt auf fleischfressende Pflanzen und Goombas achten muss, der Tennisspieler Sterne einsammelt und die Minispiele von Mario Party grüne Röhren enthalten.

Langweiliger Feierabendverkehr lässt sich trefflich durch eine Partie Real Life Mario Kart aufpeppen: Komiker Remy Gaillard zeigt, wie es geht.

Als ebenso markant wie Goombas und Pilz-Updates erweist sich Koji Kondos Soundtrack, dessen musikalisches Thema nach wenigen Sekunden erkennbar ist und sich in die Ohren bohrt. In zig Nintendo-Spielen nimmt der Spieler bewusst oder unbewusst Variationen der einfachen Kadenzen auf, in den letzten Jahren habe sich mehrere Orchester und Bands der Bearbeitung jenes Soundtracks angenommen. Das NDR Sinfonieorchester trat etwa wiederholt mit dem Programm Game Music Live auf und spielte unter anderem die 8-bit-Tracks aus Super Mario Bros.

Mario-spezifische Shows gab es einige im US-Fernsehen, zwischen 1983 und den frühen 1990er Jahren erschien der Klempner in Zeichentrickserien wie "The Adventures of Super Mario Bros. 3“, die das aus den Spielen bekannte Story-Gerüst auswalzen. Im Jahre 1993 veröffentlichte die Produktionsfirma Hollywood Pictures den Kinofilm Super Mario Bros., der jene Story als Action-Komödie für Kinder konzipiert. In den Hauptrollen treten Bob Hoskins und John Leguizamo als Mario und Luigi auf, der bewährte Schurkendarsteller Dennis Hopper stellt den Bowser dar, und als Prinzessin Daisy erlebt man die reizende Samantha Mathis.

Das Gros der Kritiker schmähte den Film, der zum finanziellen Flop geriet. Rückblickend betrachtet zeichnet sich das Werk durch seinen kindlichen Charme aus, indes wagte seitdem kein anderer Produzent, einen großen Mario-Film zu drehen. 2015 ließ Nintendo verlauten, dass man über eine erneute Kooperation mit Hollywood nachdenke, was Shigeru Miyamoto in einem Gespräch mit dem US-Magazin Fortune bekräftigte: “Wenn wir ganz allgemein betrachten, welche Rolle Nintendo als eine Unterhaltungsfirma spielt, dann beginnen wir mehr und mehr darüber nachzudenken, wie Filme in unser Konzept hinein passen könnten.“ Konkrete Film-Ankündigungen blieben bislang aus. Marios vornehmliche Fähigkeit, der gezielte Sprung auf eines Gegners Kopf, ergibt auch nicht unbedingt abendfüllende Streifen.

Hingegen gelang der Einstieg ins Geschäft mit Chip-gestützten Kunststoff-Figuren. Nintendo veröffentlichte im Herbst 2014 die ersten Amiibo-Figuren, darunter Mario und der Smash-Mario. Koppelt der Spieler den Amiibo-Mario mit dem Wii-U-Gamepad, so taucht in einem kompatiblen Spiel wie Super Smash Bros. for Wii U das virtuelle Abbild jenes Marios auf, seine Erfahrungen bei den Kämpfen im Spiel lassen sich auf dem Chip der Amiibo-Figur speichern. Die Spiele-Hersteller Activision Blizzard und Disney Interactive hatten in den Jahren zuvor Microchip-tragende Kunststoff-Figuren der Spiele-Serien Skylanders und Disney Infinity veröffentlicht und damit großen Erfolg gehabt. Nintendos Amiibo ist gleichfalls erfolgreich, nicht zuletzt wegen der hübsch gestalteten Figuren.

Das Anfassen ist seit Jahrzehnten mit Stoffpuppen-Marios möglich. Nintendos Kooperationspartner verkaufen Mario, Luigi und die Mario-Nemesis Bowser als Plüsch-Figuren zum Kuscheln. Es gibt Mario-Sparschweine, eine Mario-Kart-Carrera-Bahn Mario-Bettwäsche und die Firma Boti veröffentlicht unter der Marke K’NEX verschiedenartige Bausets mit Mario und Co., wo man unter anderem einen Super-Mario-typischen Level bauen kann.

Trotz der kommerziellen Schwäche der Konsole Wii U bleibt die Begeisterung für den Schnurrbart-Träger ungebrochen. Der Super Mario Maker dominiert die internationalen Verkaufscharts und beweist, dass Super-Mario-Spieler ein Faible haben fürs Basteln und Gestalten. Im nächsten Jahr wird das erste Nintendo-Spiel für Smartphones erscheinen, nachdem die Firma eine Zusammenarbeit mit dem Mobilspezialisten DeNA angekündigt hat.

Ob Super-Mario in Zukunft auf iPhone und Galaxy S herum springen wird, ist keineswegs sicher,im Gegensatz zu seinem Auftauchen auf dem NX, dem potenziellen Nachfolger der Wii U. Die Vorstellung, dass Nintendo die beiden Brüder nicht über den NX hüpfen lassen wird, erscheint jedenfalls so unwahrscheinlich wie ein finaler Bowser-Triumph, (Peter Kusenberg) / (axk)

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