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30C3:Chaos Communication Congress mit Snowden-Faktor

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Mit großem Andrang vor Ort und im Netz ist am Freitagvormittag der 30. Chaos Communication Congress (30C3) in Hamburg gestartet. "Wir müssen das Netz neu erfinden", gab Tim Pritlove als Losung für das große Hackertreffen im Congress Center Hamburg (CCH) aus. "Ihr könnt das", ermunterte der Podcaster, der erstmals seit 2007 wieder als Zeremonienmeister den Kongress eröffnete, die versammelte Gemeinde: "Ihr könnt hier damit anfangen."

Das vom Chaos Computer Club (CCC) organisierte Stelldichein der Szene steht im Jubiläumsjahr ganz im Zeichen der Überwachung durch Geheimdienste, damit einhergehende Angriffe auf grundlegende IT-Sicherheitsverfahren und der Suche nach Möglichkeiten, den technischen Datenschutzes aufrechtzuerhalten.

Die Hauptrede am Eröffnungstag soll Glenn Greenwald halten, der Vertraute des Whistleblowers Edward Snowdens. Er wird per Videostream aus seinem Wohnort Brasilien zugeschaltet. Aufgrund der Zeitdifferenz findet der Vortrag erst am Freitagabend zwischen 19:30 und 20:30 Uhr statt. Zunächst hatte es gerüchtet, dass Snowden selbst die Keynote halten werde. Nun wird seine "rechte Hand" zu den Sicherheitsexperten sprechen, der jüngst erst Abgeordneten im EU-Parlament Rede und Antwort stand.

Im Lichte des NSA-Skandals sprach Pritlove im Anklang an andere Netzaktivisten von der Notwendigkeit, die Funktionsweise des Internets überdenken zu müssen. "Wir sind sprachlos", erklärte er das Fehlen eines gesonderten Mottos für die diesjährige Konferenz, die noch bis Montagabend läuft. Es sei so wie beim Aufwachen aus einem bösen Traum, allerdings in einer "Hollywood-Realität", die noch schlimmer sei als das Privatkino im Schlaf. Im Dunkel der Nacht sollten sich die Hacker daher auf ihre Kernkompetenzen besinnen und das Internet wieder zu einem freien Medium für die Datenreisenden machen.

Dazu lief ein Video auf der großen Leinwand, das Schlagzeilen aus 30 Jahren Kongressgeschichte zeigte: "Hacker knacken Postcomputer", war da etwa zu lesen eingebettet in Bilder, die den 2001 verstorbenen CCC-Doyen Wau Holland beim legendären Bildschirmtext-Hack zeigten.

Dieses Jahr wollen Tüftler auf dem Kongressgelände auch praktische Erfahrungen mit der Überwachungsausrüstung von Geheimdiensten sammeln. Dazu bringen Mitglieder der "Chaoswelle" einen "Radom" als "besonderes Stück Hardware" mit nach Hamburg. Was unter der Radarkuppel mit vier Meter Durchmesser steckt, wollen die Funkamateure alsbald enthüllen.

Tickets für den gesamten Kongress und einzelne Tage gibt es noch vor Ort. Der vor einem Jahr neu bezogene und weitläufige Veranstaltungsort soll ausreichend Raum für alle interessierte Besucher bieten. Derzeit finden sich viele Aspiranten noch in der Warteschlange vorm Einlass. Darunter seien viele junge Männer, die von ihrem Aussehen her mit ihren Stoppelziegenbärten an Snowden erinnerten, twitterte eine Hackerin. Zuvor waren am Flughafen Hamburg Wartende gesehen worden, die laut Suchschild dem NSA-Whistleblower einen gebührenden Empfang bereiten wollten.

Der CCC rechnet aufgrund des "Snowden-Faktors" mit einem Besucheransturm von bis zu 8000 Teilnehmern, einem Drittel mehr als 2012. Parallel hält der Hackerverein an seiner seit vier Jahren hochgehaltenen Tradition fest, unter dem Motto "Congress Everywhere" kleine Ableger des Treffens in anderen Städten einzurichten. Über Live-Streams soll sich ein Großteil der Vorträge übers Netz weltweit verfolgen lassen. Offenbar hat der Club aber den digitalen Ansturm unterschätzt: Zum Auftakt funktionierten die Übertragungen nicht, erst zum Ende der Eröffnungsrede ließen sich Video und Ton zumindest separat nebeneinander abspielen. Auch die Kongress-Webseite an sich ist zeitweise nur schwer erreichbar.

Die Internet-Außenanbindung des 30C3 soll dieses Jahr erstmals die Rekordbandbreite von 100 GBit erreichen, hatte der CCC vorab erklärt. Diese Leistung könne nur mithilfe von Sachspenden von Internetanbietern und Netzwerkausrüstern realisiert werden. (Stefan Krempl ) / (as)

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