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30C3: Snowden-Effekt beschert Hackertreffen Besucherrekord

Roundup 30C3: Über 9000 Besucher drängten sich beim Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs in Hamburg.

Online-Handel, Verbrechensbekämpfung, Landesverteidigung, Cyber Defense – die fiktive Firma "Security Solutions Ltd" hatte einige spannende Hacker-Aufgaben anzubieten ...

Über 9000 Besucher drängten sich 2013 beim viertägigen Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs (CCC) in Hamburg. Diesen neuen Rekord gab der Sicherheitsexperte Thorsten "THS" Schröder zum Abschluss des 30. Chaos Communication Congress (30C3) bekannt. 6604 Tickets hatte die Hackervereinigung im vergangenen Jahr nach dem Umzug ins Kongresszentrum der Hansestadt eigenen Angaben zufolge verkauft. In der zuvor belegten Veranstaltungsstätte in Berlin war bei rund 4500 Gästen die Kapazitätsgrenze erreicht gewesen.

Obwohl für die Konferenz im Snowden-Jahr vor Ort mehr Räumlichkeiten zur Verfügung standen, sorgte der unerwartete Ansturm für einige Engpässe. Bei einzelnen Events wie der umstrittenen Skype-Zuschaltung des Wikileaks-Gründers Julian Assange oder des beliebten "Fnord"-Jahresrückblicks am Abend des dritten Tages (Sonntag) waren sämtliche Sitz- und Stehplätze im großen Saal belegt, ein weiterer Raum musste als "Überlaufbecken" herhalten. Auch die Kommunikationsinfrastruktur habe "deutlich geknirscht dieses Mal", hielt das CCC-Mitglied Fefe in seinem berühmt-berüchtigten Blog fest. Die Streams seien häufig weggebrochen, das WLAN in der verschlüsselten Version habe nicht funktioniert, das IPv6-Netz sei nur kurzfristig gelaufen und er sei dauernd aus dem kongresseigenen GSM-Netz rausgeflogen. Auch das Web-Verzeichnis der über 170 gehaltenen Vorträge und ergänzender Workshops, der sogenannte Fahrplan, habe "dauernd Probleme" gehabt. Für wirklich schlechte Laune habe dies angesichts eines insgesamt "schönen" Kongresses aber nicht gesorgt.

Schon am zweiten Veranstaltungstag sei auch die "Matekalypse" eingetreten, berichtete Schröder: Die Hacker hätten binnen weniger Stunden die Vorräte Hamburgs an koffeinhaltigen Brausegetränken wie "Club Mate" oder "Flora Power" leer gesaugt. Nachschub habe aus anderen größeren Städten wie Bremen organisiert werden müssen. Gleich am ersten Tag seien 1000 SIM-Karten fürs Handy-Kongressnetz verkauft worden, setzte der Abschlussredner seinen Flug über die Statistik fort. Das "Phone Operation Center" (POC) habe parallel 2577 Erweiterungen ausgegeben, knapp 1000 davon für DECT-Telefone, 1198 für GSM und etwas über 300 für SIP zur Internet-Telefonie. Das vor Ort errichtete WLAN habe über 5000 Verbindungen verkraften müssen.

Erstmals hatten die Hacker als weiteres Retro-Kommunikationsnetz ein Rohrpostsystem auf über 1400 Meter Länge mit 14 Stationen und 500 registrierten Kapseln aufgebaut. Es habe aber offenbar auch "diverse Schwarzfahrer" auf dieser "Seidenstraße" gegeben, trug Schröder vor. So sei eine Mate-Flasche für den Einsatz in der Anlage zweckentfremdet und in einer Kurve derart beschleunigt worden, dass sie ein Rohr durchbrochen habe. Glücklicherweise sei dadurch niemand verletzt worden.

Das für die medizinische Versorgung zuständige "Chaos Emergency Response Team" (CERT) musste in 75 Fällen ausrücken, darunter sind laut Schröder aber "keine schwerwiegenden Vorkommnisse" gewesen. Es seien einige leichte Fälle von Kriminalität zu verzeichnen gewesen, für die aber teils Außenstehende verantwortlich gewesen seien. Insgesamt freute sich THS, dass der CCC nun mit dem Szene-Stelldichein "30 Jahre eine wahnsinnige Show" abliefere, "ohne einen einzigen Sponsor ins Boot zu holen". Er dankte insbesondere den mehreren hundert "Engeln", die als freiwillige Helfer den Kongress am Laufen gehalten hätten.

Zuvor hatte ein angeblicher Vertreter der fiktiven Firma "Security Solutions Ltd." die Hacker von der großen Bühne aus zu einer stärkeren Zusammenarbeit in "spannenden Aufgaben im Online-Handel, der Verbrechensbekämpfung, der Landesverteidigung und insbesondere der Cyber Defense" ermuntern dürfen. Ganz ohne Hardware-Leihgaben von Firmen war die Konferenz aber auch dieses Jahr nicht ausgekommen: Unter anderem hatte ein Anbieter aus dem Silicon Valley WLAN-Ausrüstung zur Verfügung gestellt.

Eine weitere Premiere fand Schröder zufolge mit einem Rollenspiel statt, in dem sich "professionelle Schauspieler" bemüht hätten, Sicherheitsexperten aus den Reihen der Besucher anzuwerben. Dabei seien rund 150 Leute angesprochen worden. Nur zwei davon hätten sich für ein weiteres "Hinterzimmergespräch" mit den vermeintlichen Vertretern der "schattigen Ecke" erwärmen können, zeigte sich der Zeremonienmeister erleichtert. Den beiden Hackern gab er die Frage mit auf den Heimweg, ob sie nicht besser "auf ehrliche Weise" zu Geld kommen wollten. (Stefan Krempl) / (pmz)

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