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30C3: Systemadministratoren aller Länder, verratet die Geheimnisse!

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Die Wikileaks-Aktivisten Sarah Harrison, Jacob Appelbaum und –per Skype zugeschaltet – Julian Assange haben in einem (von Skype-Aussetzern unterbrochenen) Vortrag IT-Techniker und Systemadministoren dazu aufgefordert, die Rolle von Whistleblowern zu übernehmen. Wie Appelbaum erläuterte, ist der Aufruf bewusst an den von Marx und Engels geprägten Aufruf "Proletarier aller Länder, vereinigt euch" angelegt, der den Streik als Waffe der Arbeiter in der industriellen Revolution etablierte. Assange forderte die Kongressteilnehmer auf, als Avantgarde Organisationen wie die CIA zu unterwandern und ihre Geheimnisse zu verraten. "Get the ball out!" rief er unter großem Applaus.

via Skype zugeschaltet: Julian Assange

Zu Beginn des Vortrags wurde Sarah Harrison mit langem Beifall gefeiert. Die Britin, die in Hongkong zu dem NSA-Whistleblower Edward Snowden gestoßen war und bei ihm blieb, bis er Asyl in Russland gefunden hatte, lebt derzeit in Berlin. Für den Fall einer Einreise nach Großbritannien befürchtet Harrison ein Verhör. Sie hatte zuvor auf dem "Noisysquare" genannten Kongressbereich der politisch orientierten Aktivisten für Wikileaks geworben.

Jacob Appelbaum während des Aufrufs an IT-Techniker und Systemadministoren, die Rolle von Whistleblowern zu übernehmen.

Vor dem Aufruf an die Systemadministratoren las Harrison ein Statement vor, dass Wikileaks nicht an die angeblichen Aussagen von US-Offiziellen glaube, denen zufolge nicht gegen Assange und seine Mitstreiter ermittelt werde. Julian Assange wurde unter dem Skype-Namen "Bruce Willis" mit einer sehr wackeligen Verbindung zugeschaltet, nachdem Jacob Appelbaum die Zuhörer ermahnt hatte, dass man auch als Systemadministrator oder IT-Techniker den Mut haben müsse, für seine Überzeugungen ins Gefängnis zu gehen. Assange selbst schrieb Wikileaks das Verdienst zu, Edward Snowden vor den Mächtigen gerettet zu haben, allerdings war die Skype-Session in diesem Moment akustisch schwer gestört. Systemadministratoren, das machte Assange klar, kennen nicht nur die Struktur der Netze, die sie technisch überwachen, sondern damit auch die Struktur der Systeme, Firmen oder Dienste, bei denen sie arbeiten. Somit könne selbst ein Einzelner viel erreichen, wenn er mit Geheimnissen an die Öffentlichkeit gehe.

Sarah Harrison auf dem 30. Chaos Communication Congress in Hamburg

Wer genau die Mächtigen sind, gegen die die Sysadmins sich vereinigen sollen, blieb bei allem Pathos diffus. Am Ende des Vortrags, als die Videoverbindung wieder einmal unterbrochen war, antwortete Jacob Appelbaum auf Nachfrage aus dem Publikum, dass jeder IT-Techniker in seinem Job die Chance habe, sich verdient zu machen – schließlich gebe es in jeder Firma schmutzige Geheimnisse. (Detlef Borchers) / (dwi)

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