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31C3: Hacken bis zum "neuen Morgengrauen"

IT-Sicherheitslücken wie Heartbleed, Massenüberwachung nach Snowden und Möglichkeiten technischer Selbstverteidigung stehen auf dem Fahrplan des 31. Chaos Communication Congress der Hackergemeinde in Hamburg.

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(Bild: heise online/vbr)

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Unter dem Motto "Ein neues Morgengrauen" lädt der Chaos Computer Club (CCC) Ende des Jahres zur großen Hackerkonferenz nach Hamburg. Wie schon im Vorjahr, im dem der "Snowden-Effekt" dem Kongress einen neuen Besucherrekord bescherte, kommen die Hacker um den industriell-staatlichen Überwachungskomplex nicht herum: Mit James Bamford soll einer der bekanntesten NSA-Enthüllungsreporter schon zum Auftakt über "ein Jahrhundert" geheimer Deals zwischen dem US-Geheimdienst und Telekommunikationsfirmen aufklären.

Den "Erzählstrukturen des sogenannten Überwachungsstaates" wollen sich mit Laura Poitras und Jacob Appelbaum zwei Vertraute Edward Snowdens widmen, geht aus dem in "Version 0.91b" veröffentlichten vorläufigen Fahrplan des viertägigen Treffens hervor. "Neue Enthüllungen" als Teil eines längerfristigen Forschungsprojekts versprechen sie nebenbei. Die Poitras-Dokumentation "Citizenfour", die momentan in den Kinos zu sehen ist, läuft in der Nacht zum zweiten Konferenztag quasi außer Konkurrenz.

Zu den Klassikern der Hackeraktivitäten gehört es, IT-Sicherheitslücken aufzudecken, die von Überwachern genauso gern genutzt werden wie von Cyberkriminellen. Desaster des zu Ende gehenden Jahres wie Heartbleed und seine Folgen, Implementierungen des SSL/TLS-Verschlüsselungsverfahrens allgemein oder vernetzte Industrieanlagen stehen hier im Fokus der Tester auf dem 31. Chaos Communication Congress (31C3). Auch Biometrieverfahren, Windows 8 Secure Boot, Smartphones, Macbooks sowie Online-Wahlsysteme haben Hacker unter die Lupe genommen und wollen von ihren Erfahrungen damit berichten.

Inwieweit die Kryptographie noch zum Datenschutz beitragen kann, untersuchen etwa der US-Mathematiker Daniel J. Bernstein und sein Team mit einer Analyse elliptischer Kurven, der Berliner Kryptograph Rüdiger Weis mit Blick auf Quantencomputer sowie der Sicherheitsforscher Karsten Nohl für den Mobilfunk. Einblicke in das "Darknet" versteckter Dienste im Anonymisierungsnetzwerk Tor und in dessen Schwachstellen will der britische Verschlüsselungsexperte Gareth Owen geben.

Angesichts der laufenden "Infocalypse" soll es um Grundlagen für eine neue Hackerethik und neue Ideale für die Szene gehen, um stärker in die Gesellschaft hinein zu wirken. Neben einem "Science-Fiction-Theaterstück" stehen Vorträge zum Einzug der Rechnerkraft in Datenbrillen oder Kontaktlinsen sowie zu Maschinen für den Identitätswechsel auf dem Programm. Nicht fehlen dürfen vornehmlich zu später Stunde Unterhaltungselemente, die auf die besondere Note der Hackerironie zugeschnitten sind. Dazu gehören etwa der "Fnord"-Nachrichtenrückblick oder ein "Googlequiz".

Der Congress findet vom 27. bis 30. Dezember zum dritten Mal im Congress Center Hamburg (CCH) statt. Der Online-Vorverkauf für Tickets läuft noch bis zum Freitag um Mitternacht. Vor Ort soll es auch noch Karten geben, dort kann aber nur bar bezahlt werden. Die Standard-Eintrittsberechtigungen für vier Tage kosten diesmal 100 Euro und sind damit 20 Euro teurer als im Vorjahr. Die eigenen Ausgaben für das Projekt ließen sich damit aber nicht decken, schreibt der CCC. Er bittet daher um den Kauf von Unterstützerkarten, die mit 120 bis 750 Euro in der Businessklasse zu Buche schlagen. (vbr)