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31C3: Hacker in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Mit über 10.000 Besuchern und guter Medienresonanz wertet der Chaos Computer Club (CCC) sein 31. Hackertreffen als vollen Erfolg. Man habe nach dem NSA-Schock wieder begonnen, "Lösungen zu bauen und Probleme zu benennen".

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31C3: Hacker in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Tomate und Dodger - die Moderatoren des 31. Chaos Communication Congress, kurz 31C3.

Mit einem erneuten Teilnehmerrekord ist am Dienstagabend der 31. Chaos Communication Congress (31C3) in Hamburg zu Ende gegangen. Mehr als 10.000 zahlende Gäste hätten das Hackertreffen besucht, dazu seien ungefähr 400 nichtzahlende Kinder gekommen, freuten sich "Dodger" und "Tomate" im Namen des Chaos Computer Clubs, der das immer größer werdende Stelldichein der Szene zwischen den Jahren organisiert. Alle Tageskarten seien verkauft worden. 202 Redner und eine Theatergruppe hätten 186 Vorträge und Vorführungen bestritten und insgesamt 122 Stunden Programm geboten. Der CCC hatte die Konferenz 2012 aus Berlin an die Alster ins Congress Center Hamburg (CCH) verlegt, um mehr Platz zur Verfügung zu haben. 2013 zog er über 9000 Besucher dorthin. Die Veranstaltungsstätte ist mit der nun erreichten Zahl allerdings auch an ihrer Belastungsgrenze angelangt. Selbst der größte Saal des Gebäudes fasste bei einigen Vorträgen nicht mehr alle Interessenten, kleinere Räume waren häufig rasch komplett dicht. Ordner führten immer wieder ein "Defragmentierungsspiel" durch: Dabei mussten alle Anwesenden in einem Saal aufstehen, in die Mitte ihrer Reihe gehen und so Platz an den Rändern schaffen.

Der 31C3 brachte das Congress Center Hamburg an seine Kapazitätsgrenzen.

(Bild: heipei, CC BY-SA 2.0 )

Über 2000 Schilder verteilten die Organisatoren, um das obligatorische Chaos etwas zu lichten. Bei einem davon handelte es sich um den "medizinischen Hinweis", sich doch bitte nach Toilettenbenutzung die Hände zu waschen. Auf Twitter machte der Hashtag #cccbola die Runde – mal mit Augenzwinkern, mal mit Paranoia, mal mit Humordefizit –, da bei der Witterung eine Ansteckung mit Erkältungskrankheiten genauso wie mit Magen- und Darmviren drohe. Im ganzen habe man dem Kongressmotto "The new Dawn" Rechnung getragen und neue Hoffnung in alle Richtungen geschöpft, konstatierte das Moderationsduo der Abschlusskundgebung. "Die Community wächst und wird diverser", obwohl Beobachter in der Gemeinde nach wie vor den männlichen, weißen, bärtigen, Mate-schlürfenden Techie überrepräsentiert wähnen. "Wir fangen an, Lösungen zu bauen und Probleme zu benennen", meinten die Zeremonienmeister im Rahmen der Antwortsuche auf die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden. Neulinge wüchsen rein, mischten sich gut mit der "ursprünglichen" Hackergemeinschaft: Allein beim Junghackertag am Wochenende hätten 200 Nachwuchskräfte an drei Bastelstationen Spaß am Gerät entwickeln können. Auch die bisherige Resonanz in den Medien zeige: "Es kommt ein bisschen was von uns an." Ein großes Dankeschön ging an die 1152 "Engel": Die freiwilligen Helfer hätten 14.000 Stunden gearbeitet, 5000 warme Mahlzeiten und 7000 belegte Brötchenhälften verputzt sowie 34.000 Flaschen Mate getrunken und 60 Kilogramm Kaffeepulver verbraucht. Über Tabak und andere Rauchwaren wird keine Statistik geführt.

Backup oder Aufguss?

Im eigens für den Kongress aufgebauten Rechenzentrum ging es in diesem Jahr besonders heiß her. Die Temperatur in dem als "Sauna" bezeichneten Raum habe bis zu 55 Grad Celsius erreicht, verrieten Mitglieder des "Network Operation Center" (NOC). Da der 100-GBit-Ethernetanschluss des Vorjahres nicht ausgenutzt worden sei, habe man diesmal mehrere 10-GBit-Verbindungen geschaltet. Insgesamt hätten 50 GBit/s für Uploads zur Verfügung gestanden. Das maximale Verkehrsaufkommen nach draußen habe 16,4, das eingehende 8,6 GBit/s in der Spitze jedoch nicht überschritten. Stärker ausgebaut als auf dem 30C3 hatten die Techniker das WLAN. Es setzte sich aus zwei Kontrollern mit 10-GBit-Uplinks und 125 Hotspots zusammen, während es 2013 nur 72 drahtlose Zugangspunkte gab. Maximal musste das mobile Kongress-Internet 7800 Nutzer gleichzeitig bewältigen, summa summarum waren 20.000 Geräte eingeloggt. Insgesamt habe den Kongressbesuchern ein "besseres Netzwerk" zur Verfügung gestanden als ganz Nordkorea, hieß es aus dem NOC. Fast keine Nutzungsaktivitäten seien zwischen 2 und 10 Uhr morgens zu verzeichnen gewesen.

Das Chaos Communication Camp 2015 findet im August im Ziegeleipark Mildenberg statt.

Nach dem 31C3 ist vor dem Hackerzeltlager: Vom 13. bis zum 17. August 2015 hat der CCC wieder ein Chaos Communication Camp angesetzt. Es werde "zwischen Berlin und Kopenhagen" stattfinden, erklärten Dodger und Tomate, genauer genommen im brandenburgischen Ziegeleipark Mildenberg bei Zehdenick. Die Anlage mit Dampfmaschine und drei Eisenbahnen ist nicht weit von Schloss Meseberg entfernt, dem Gästehaus der Bundesregierung. Wer die Sommersause nicht abwarten kann, findet auf der Streaming- und Medienseite des 31C3 bereits eine umfangreiche Video-Dokumentation der vergangenen Tage. (it)

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