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32C3: 3D-Drucker als Pick-Set

Nur 8 Cent kostet ein Kunststoff-Rohling, für den Preis eines Restaurant-Essens gibt es schon die Metall-Ausführung. Forscher der Universität Michigan haben nun die Produktion enorm vereinfacht: Als Vorlage genügt ein Foto des Schlosses.

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32C3 Eric Wustrow

Noch sitzen im Eingangsbereich des Chaos Communication Congress die Sportsfreunde der Sperrtechnik und knacken mit Geduld und Geschick Vorhänge- und Türschlüsser per Hand. Wenn die Entwicklung weitergeht, können die Sportöffner mit den benachbarten 3D-Druckern fusionieren. Denn wie Eric Wustrow von der Universität Michigan in Hamburg demonstrierte, wird das Nachbauen von Schlüsseln fast zum Kinderspiel.

Schlüssel aus dem 3D-Drucker sind keine Neuheit mehr. Bereits 2013 wurde gezeigt, wie man Sicherheitsschlüssel nachmachen kann, wenn man ein Foto des Schlüssels hat oder den aufgebrachten Code kennt. Wustrow und seine Kollegen haben dem nun eins draufgesetzt und eine Methode entwickelt, mit der jeder unaufwändig Rohlinge und manchmal auch gleich fertige Schlüssel herstellen kann.

Mit dem Tool Keysforge reicht ein Smartphone-Foto des Schlüssellochs, um die Form des erforderlichen Schlüssels zu erfassen. Mit einem Nummerncode kann man zusätzlich die Einbuchtungen des gewünschten Schlüsselbarts angeben und so einfach 3D-Modelle des Schlüssels erstellen lassen.

Erstaunlich gute Erfolge erzielten Wustrow und Kollegen mit Schlüsseln aus einem handelsüblichen 3D-Drucker mit dem preiswerten Rohstoff PLA. Die erzeugten Schlüssel kosteten lediglich 8 Cent pro Stück und konnten einem Druck standhalten, der zum Öffnen der meisten Schlösser ausreicht. Unangenehm wird es, wenn der Kunststoffschlüssel doch bricht. Mit Pech muss man das Schloss dann über Nacht in Aceton einlegen, bis sich der Fremdkörper auflöst.

Haltbarer sind Schlüssel aus Metall, die man mit dem geeigneten 3D-Modell einfach von Dienstleistern für weniger als 25 Dollar beziehen kann. Zwar sind auch diese Schlüssel nur halb so stabil wie die Originale, was zum unbefugten Öffnen in der Praxis aber mehr als ausreicht.

Die billige Produktion von Schlüsseln ermöglicht das Aushebeln des Rechtesystems von Schließanlagen. So hatte Matt Blaze bereits 2003 gezeigt, wie man mit Hilfe eines Schlüssels, der nur ein Schloss öffnet, einen Generalschlüssel herstellen kann. Man braucht dazu jedoch viele Varianten des Ursprungs-Schlüssels, die aber mit Keysforge einfach erstellt werden können.

Wustrow zeigte sich wenig optimistisch, dass die klassischen Schlüssel noch eine lange Lebensdauer haben. Zu rapide ist der Fortschritt bei den 3D-Druckern und zu einfach ist es, die Form eines Schlüssels zu erspähen. So reichte ein irrtümlich veröffentlichtes Foto aus, die geheimen Kofferschlüssel der US-Behörde Transportation Security Administration (TSA) nachzumachen. (ea)

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