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33C3: Stehender Applaus für einen Schutzengel

Mit einer Videoschaltung nach Hongkong zur Asylbewerberin Vanessa Rodel hatte der 33. Chaos Communication Congress einen seiner emotionalen Höhepunkte. Die Philippinin versteckte Edward Snowden in Hongkong.

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33C3: Stehender Applaus für einen Schutzengel

Eine bisher wenig beachtete Geschichte über Edward Snowden handelt davon, wie dieser sich vor seinem Abflug nach Moskau in einem Slum verstecken musste. In Oliver Stones Spielfilm Snowden bekam sie nur wenige Sekunden.

Was damals im Detail passierte, hat der Journalist Sönke Iwersen im Handelsblatt in dm Artikel "Schutzengel – ganz unten" aufgeschrieben. Er stellte auf dem Congress die "Snowdenguardians" vor, unterstützt vom Menschenrechtsanwalt Robert Tibbo. Der in Hongkong lebende Kanadier Tibbo kam auf die Idee, Snowden bei Flüchtlingen zu verstecken, bis er weiterreisen konnte. Diese ließen Snowden in ihren Betten schlafen, während sie selbst auf dem Boden nächtigten.

Mit einer Spendenaktion und einem Crowdfunding-Projekt soll ihnen nun geholfen werden. Nachdem der NSA-Whistleblower Edward Snowden sich im Juni 2013 in Bild und Ton zu seiner Tat bekannte, wichtige NSA-Dokumente entwendet und Journalisten zugespielt zu haben, musste er aus dem eleganten Mira-Hotel in Hongkong vor der anreisenden Pressemeute und den ihn suchenden Geheimdiensten in Sicherheit gebracht werden.

Dieses Problem löste der Anwalt Robert Tibbo, indem er Snowden zu Mandanten transportieren ließ, die ihm unbedingt vertrauten: Flüchtlinge versteckten einen Menschen, der drauf und dran war, selbst zum Flüchtling zu werden. Snowden bekam einen Bodyguard, den aus Sri Lanka geflohenen Ex-Soldaten Debagama Kankanamalage Ayith und wurde in den zwei Wochen seines Hongkong-Aufenthaltes bei zwei verschiedenen Flüchtlingsfamilien untergebracht.

Während Tibbo im Saal des Congress Centers Hamburg von den vielfältigen Schwierigkeiten erzählte, die Menschenrechte in Hongkong einzuklagen, versuchte sich die Technik an einer Skype-Videoschalte nach Hongkong, die schließlich gelang. Dort wartete Vanessa Rodel, die den "sehr seltsamen" Snowden aufnahm und seinen Pass (den die USA bald widerrufen sollten) im Kühlschrank versteckte.

Erst beim Zeitungskauf erfuhr sie, den meistgesuchten Mann der Welt zu beherbergen. Die Frage von 33c3-Teilnehmern, ob sie das wieder so machen würde, beantwortete Rodel, die inzwischen bei der Refugee Union in Hongkong arbeitet, mit ja. Für Rodel wie für die anderen Snowden-Schützer hatte die Unterstützung von Snowden gravierende Konsequenzen. Als dieser in Moskau angekommen war und ihre "Mittäterschaft" in Hongkong bekannt wurde, wurden sämtliche staatlichen Leistungen gestrichen, die nötige ärztliche Behandlung von Ayith abgebrochen.

Ihr Anwalt Tibbo forderte darum die Zuhörer auf, praktische Solidarität mit den Flüchtlingen zu leisten und sie finanziell zu unterstützen. Da nur 0,3 % aller Asylgesuche in Hongkong erfolgreich sind, versucht Tibbs derzeit, die kanadischen Behörden für die Aufnahme der Snowdenguardians zu gewinnen. Vanessa Rodel wurde mit stehendem Applaus verabschiedet. (Detlef Borchers) / (akr)

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