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34C3: Die Vertreibung der "pflegeleichten Hackerfamilie" aus dem Nerd-Paradies

"An die Wurzeln gehen"

Generell appellierte Sva an die Tüftler, weiter die Ansage aus dem Jahr der Snowden-Enthüllungen im Blick zu haben, "mal ein neues Internet zu machen" und nicht länger "mit Protokollen aus den 70ern rumzukrebsen". Zur Zeit konzentrierten sich viele auf die "Symptombekämpfung" und versuchten verzweifelt, auf die auf sie einprasselnden Ereignisse zu reagieren. Wichtiger wäre es, "an die Wurzeln zu gehen". Es sei aber auch schon hilfreich, sich jenseits des "Save the World"-Business mal eine Stunde Zeit zu nehmen, um etwa einen Freifunk-Router aufzustellen oder Schülern "das Internet zu erklären". Standing Ovations gab es schließlich für all die Helfer, die das Wachstum des Kongresses auf rund 15.000 Teilnehmer laut dem Veranstalter bravourös bewältigt hatten.

Der Umzug aus dem "Congress Center Hamburg" auf das deutlich größere Gelände der Messe Leipzig hatte dieses Jahr auch das eigens für die Konferenz aufgestellte "Network Operation Center" (NOC) früher als sonst in die Gänge gebracht. Man habe im Sommer bei einer ersten Besichtigung ein "beeindruckendes Glasfasernetz" innerhalb des Gebäudekomplexes vorgefunden, berichteten NOC-Mitglieder. Es sei dann "nur" noch daran gegangen, dieses Spaghetti-Geflecht zu entwirren und nutzbar zu machen. Dank großzügiger Leitungs-, Router- und Switches-Spenden sei man schließlich bei einer Uplink-Kapazität von imposanten 400 GBit/s gelandet, von der letztlich 320 GBit/s praktisch für den Upstream verfügbar gewesen seien.

"Troll-Gruß": In mehreren Stoßzeiten haben übers Wifi-Netz verschickte Morsezeichen übersetzt "34C3" ergeben.

(Bild:  CC by 4.0 34C3 media.ccc.de )

Die Datenreisenden sorgten laut dem NOC dann für einen Verkehr nach außen mit maximal 42,2 GBit/s, was noch viel Luft nach oben gelassen habe. Im Vorjahr waren es noch 32,4 GBit/s. Die Zahl der offiziell installierten WLAN-Zugangspunkte lag mit 179 etwas niedriger als 2016. Das drahtlose Netz habe aber schlechter funktioniert als in Hamburg, da teils bis zu 1000 "wilde" Hotspots eifriger Kongressianer dazugekommen seien und mit dem Aussenden ihrer Netzwerkkennungen das Gesamtsystem gestört hätten. In der Spitze machten 7673 Nutzer vom Wifi-Netz Gebrauch, während es im Vorjahr 7884 gewesen sein sollen. Ein anderer "Troll-Gruß" sei ein ausgemachtes "seltsames Muster" über einen Datenversand von bis zu 5 GBit/s in mehreren Stoßzeiten gewesen. Offenbar habe sich hier jemand im Morsen übers Internet geübt, denn übersetzt habe der ermittelte Code "34C3" ergeben.

Das eigene Mobilfunknetz erlaubte diese Jahr erstmals den Datenversand per UMTS.

(Bild:  CC by 4.0 34C3 media.ccc.de )

Eine Premiere gab es beim eigenen Mobilfunknetz, das wie immer auf der Open-Source-Lösung OsmocomBB aufsetzte, dieses Jahr aber neben GSM erstmals vom zweiten Tag an Datenversand via UMTS über fünf gesonderte Basisstationen erlaubte. Das zuständige Team verkaufte 2500 SIM-Karten, von denen 901 auch für Gespräche nach außen registriert wurden. Im nächsten Jahr wollen sich die Mobilfunkexperten an LTE und 4G machen, wobei es auf Basis freier Software aber noch mau aussehe bei den Implementierungsmöglichkeiten. Zwei polnische Hacker führten auf dem Kongress zumindest schon eine Lösung vor, über die sich per Osmocom mit Software Defined Radio (SDR) mit unterschiedlichen Basisstationen kommunizieren lässt. Mit dem Konzept ist es nicht mehr nötig, mehr oder weniger große Anteile der Signalverarbeitung mit Hardware zu verwirklichen.

Fast alles rund lief beim Video Operation Center (VOC), das unter anderem fürs Live-Streaming und die Dokumentation des Kongresses in einem umfangreichen Archiv sowie Übersetzungen von Vorträgen zuständig ist. Dank eines neuen Kodiersystems und einem gemeinsamen internen Format für Video, Audio und Präsentationen habe das aufgenommene Material einfacher ausgespielt werden können, freute sich ein VOC-Vertreter. Vom zweiten Tag an habe sich die Weblösung automatisch an die vorhandene Bandbreite der Nutzer angepasst und im besten Fall HD ausgesendet. Auch mit einem 4K-Stream sei experimentiert worden. Am meisten nachgefragt gewesen seien die Eröffnungskeynote und die PC-Wahl-Hack-Revue mit bis zu 6800 Zuschauern gleichzeitig. (Stefan Krempl) / (db)

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