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34C3 zwischen "PC-Wahl"-Desaster und göttlicher Informatik

Bis zum nächsten Chaos Communication Congress ist es nicht mehr weit und die geplanten Vorträge stehen soweit fest. Nun können Interessierte dabei helfen, einen Zeitplan zu erstellen, der jedem Besucher und Stream-Gucker entgegen kommt.

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30. Chaos Communication Congress

Der Congress findet nun nicht mehr in Hamburg, sondern in Leipzig statt.

(Bild: dpa, Bodo Marks/Archiv)

Die Orga des 34. Chaos Communication Congress hat den Halfnarp – zum Auspendeln der Termin – des Kongressprogrammes veröffentlicht. Durch Klick auf die angebotenen Vorträge sollen die Besucher helfen, dass das tägliche Programm der Veranstaltung möglichst überschneidungsfrei geplant werden kann. Deshalb werden die Vorträge in den Kategorien Security, Society, Resilience, Science und Art gleichberechtigt dargestellt, auf das mit Ausnahme der Keynotes und der gesetzten Standards wie den Security Nightmares und dem Jahresrückblick des CCC ein "Fahrplan" entsteht, der auch für die Streamgucker attraktiv ist: Der #34C3 ist restlos ausverkauft.

Hacker haben seit jeher einen Hang, sich die skurrile Welt des IRL mit Hilfe von Romanen wie der Illuminaten-Triologievon Shea/Wilson oder der Neuromancer-Triology von William Gibson zu erklären. In dieser Tradition steht der Auftritt des britischen Schriftstellers Charles Stross, der sich mit der technologischen Singularität der KI und Dingen wie dem mind uploading der Transhumanisten beschäftigt. Eine wohlfeile Ergänzung dazu bietet der deutsche Schriftsteller Marc-Uwe Kling, der vom Leben in Qualityland berichtet, in dem Liefer-Algorithmen tatsächlich exakt funktionieren und die weise Regierung von Androiden gestellt wird.

Wo Menschen noch etwas zu sagen haben, hat es meistens mit der Unsicherheit von IT-Systemen zu tun. So wird auf dem 34C3 die Geschichte der Software "PC-Wahl" aufgearbeitet, die Kryptographie von Petya untersucht oder die kürzlich erneut aufgeblätterte Unsicherheit von Banking Apps erläutert, die nur einen einzigen Kommunikationskanal bedienen. Auch der Wissenschaft wird breiten Raum gewährt: Der in vielen Bundesländern als Bildungsurlaub anerkannte Kongressbesuch gestattet die Fortbildung in Sachen Relatitvitätstheorie und Klimawandel. Ebenfalls betrachtet wird die potenzielle Extinktion des Menschen, der in der globalisierten und industrialisierten Landwirtschaft nur noch ein bisschen am Trecker-Lenkrad drehen darf.

Wer in die vermeintlich heile Vergangenheit flüchten möchte, kann Vorträge über das Fidonet und das Z-Netz besuchen oder sich anhören, welche Rolle das Zamir Transnational Network im Jugoslawien-Krieg spielte. Berichte von der Netznutzung im Iran, im Katalonien-Konflikt oder auf Kuba ergänzen das Thema um zeitgenössische Erfahrungen. Das mengenmäßig größte Angebot an Vorträgen ist denn unter "Ethics, Society & Politics" zu finden, mit großer Spannbreite.

Vom Verbot der Plattform linksunten.indymedia bis zum angestrebten Verbot der Kryptographie in Frankreich oder dem hackergerechten Verhalten beim Grenzübertritt mit Laptop und Smartphone gibt es Erzählungen aus dem Widerstand, bei dem sogar die göttliche Informatik zum Zuge kommen darf. So wird das Kongressmotto #tuwat mit Leben gefüllt. Wie die Kongressbesucher mitsamt ihren "Assemblies" genannten Zusammenschlüssen die ungemütliche Messehalle in Leipzig mit Leben füllen, kann auch ein Halfnarp nicht vorplanen. (Detlef Borchers) / (mho)

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