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350.000 Dollar für Wikipedia

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Mit ihrer neusten Spendenaktion hat die Wikimedia Foundation 350.000 Dollar an Spenden eingenommen. Die Betreiber der Wikipedia wollen mit dem Geld dem enorm gestiegenen Datenaufkommen des freien Enzyklopädieprojekts Schritt halten.

Mehr als 12.000 Personen folgten in den vergangenen drei Wochen dem Spendenaufruf. Wie zuvor stammt das Geld meist von Privatpersonen, die sich an der Finanzierung der Wikipedia beteiligen wollen. Die durchschnittliche Spendenhöhe betrug 26 Dollar, die Wikipedianer berichten aber auch von einer Einzelspende in Höhe des regulären Preises einer Encyclopaedia Britannica.

Der Spendenmarathon war nach den Turbulenzen um falsche Beschuldigungen gegenüber dem US-Journalisten John Seigenthaler um zwei Wochen verschoben worden und lief zunächst nur sehr schleppend an. Erst als Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales sich mit einem persönlichen Appell an die Öffentlichkeit wandte, stieg das Spendenaufkommen in der letzten Woche stark an.

Die erhöhten Einnahmen sind dringend nötig. Ein Budget-Entwurf für das erste Quartal 2006 sieht derzeit Ausgaben von 538.000 Dollar vor – im vorangegangenen Quartal waren es noch 321.200 Dollar. Im vergangenen Jahr hat sich der Traffic der Wikipedia versechsfacht. Selbst Serverspenden wie die von Yahoo konnten diese Steigerung nicht auffangen. Für das erste Quartal 2006 steht die Anschaffung von 110 neuen Servern auf dem Plan.

Auch in puncto Personal ist eine Expansion geplant. Bisher beschäftigt die Wikimedia Foundation nur drei Angestellte, jetzt sollen vier neue Vollzeit-Stellen geschaffen werden. Neben einem weiteren Entwickler und einem Verwaltungsangestellten sollen die Posten eines "Language Outreach Coordinator" und eines "Donor Relations Managers" geschaffen werden. Vor allem die letzte Stelle dürfte von strategischer Bedeutung sein, denn die Finanzierung über Privatspenden steht auf der Kippe. Zwar hat die jüngste Spendenaktion ein Rekordergebnis erzielt, ursprünglich angestrebt war aber eine Spendensumme von 500.000 Dollar.

In der Presse waren jüngst neue Spekulationen über eine Werbefinanzierung der Wikipedia aufgekommen. Zwar schließen weder Foundation, noch Jimmy Wales diese Finanzierungsmöglichkeit komplett aus. Bevor es aber zu einem so kontroversen Schritt kommt, will sich die Wikipedia-Gemeinde nach anderen Finanzierungsquellen umsehen.

In seinem persönlichen Appell versucht Jimmy Wales die Wikipedianer wieder auf das Ziel einer freien Print-Enzyklopädie einzuschwören: "Ich mache das hier, damit Kinder in Afrika Zugriff auf freie Lehrbücher und Nachschlagewerke erhalten". Doch Kinder, die in bitterer Armut lebten, könnten mit einer Webseite wenig anfangen. "Wir müssen Wege finden, unser Werk in eine Form zu bringen, die sie auch nutzen können.", so Wales. (Torsten Kleinz) (Torsten Kleinz) / (ps)

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