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35C3: Grundkurs Hackerethik

CCC-Sprecher Frank Rieger sprach über die Hackerethik.

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Hackerkongress in Leipzig

(Bild: dpa, Sebastian Willnow)

Der schöpferische Umgang mit Technologie, vulgo auch "Hacking" genannt, kennt einige Regeln, die unter dem Namen Hackerethik bekannt wurden. Die erste Fassung dieser Regeln wurden von dem US-amerikanischen Journalisten Steven Levy aufgeschrieben und in seinem Buch über die Hacker in mehreren Auflagen in jeweils veränderten Varianten vorgestellt. Die deutsche Fassung stammt vom CCC-Mitglied Reinhard Schrutzki und wurde zuerst in der Datenschleuder und dann im Chaos Computer Buch abgedruckt. Mit dem Abstand von mehr als drei Jahrzehnten lieferte CCC-Sprecher Frank Rieger auf dem 35. Chaos Computer Congress eine gelungene Neuadaption der Hackerethik. Für ihn rettet sie nunmehr die "Werte der Aufklärung" ins digitale Zeitalter.

Für CCC-Sprecher Frank Rieger rettet "Hackerethik" die Werte der Aufklärung ins digitale Zeitalter

Rieger begann seinen Vortrag darum nicht mit einem der bekannten Sätze der Hackerethik, sondern mit einem Satz, der eine der Erkenntnisse der Aufklärung ist: "Macht schafft Verantwortung". Wer sie hat, kann andere Menschen um ihre Menschenrechte bringen. Erst nach dieser Präambel wurde von Rieger der zentrale Satz der Hackerethik erläutert. Leicht modernisiert heißt es da "Der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie die Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein." Rieger erklärte den Satz mit der Schilderung seiner Jugend in der DDR, wo bestimmte Informationen zu (nachgebauten) Prozessoren ein ganz heißes Eisen waren und im Haus der jungen Talente unter den Augen der Stasi weitergegeben wurden.

Der Zugang zu Informationen als Gegenstand des politischen Aktivismus führte ihn zum Satz "Alle Informationen müssen frei sein", für den er großen Beifall bekam. Die Einschränkung "öffentliche Daten nützen, private Daten schützen" garnierte der CCC-Sprecher mit Überlegungen, wie man sich verhält, wenn man als Datenreisender eine Sicherheitslücke entdeckt hat und plötzlich viele "privaten" Daten besitzt. Er empfahl, sich an den CCC zwecks Vermittlung zu wenden und erwähnte auch das Angebot von Heise Security.

"Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut, und nicht nach Kriterien wie Aussehen, Alter, Herkunft, Spezies, Geschlecht oder gesellschaftliche Stellung." Hinter diesem Satz, auf einem bunten Kongress ausgesprochen, der Transgender- und Cyberfeminismus-Themen behandele, habe historisch viele Debatten gekostet und sei heute noch ein ziemlich radikaler Anspruch, obwohl er nicht mehr erwähnt wird, um den belächelten "Nerd in der Klasse" zu schützen. "Misstraue Autoritäten, fördere Dezentralisierung" sei schließlich der Leitsatz, nach dem der Chaos Computer Club selbst funktioniert und manchmal eben auch nicht funktioniere. "Mülle nicht in den Daten anderer Leute" rufe Hacker dazu auf, sich darüber klar zu werden, was passiert, wenn man unverhofft auf Daten stößt. "Wir haben die Verantwortung", betonte Rieger, der seinen Zuhörern einen kantartigen Imperativ mit auf den Weg gab: "Was wäre, wenn jemand das Gleiche tun würde, was du gerade vor hast, nur dass du betroffen wärest?".

Zum Schluss gab es die schönsten Sätze der Hackerethik, die ihn immer wieder berührten, wie Rieger betonte: "Man kann kann mit Computern Kunst und Schönheit schaffen" sei ein Satz, der weit über die
Apfelmännchen von früher hinaus gehe. "Computer können dein Leben zum Besseren verändern", schloss Rieger seinen Vortrag unter Verweis auf computerisierte Systeme des Ambient Assisted Living, vom Hörgerät bis zum Rollstuhl. Das wurde früher etwas weiter gedacht: Reinhard Schrutzki schrieb: "Computer können dein Leben zum Besseren verändern. Das funktioniert natürlich nur, wenn man in der Lage ist, dem Computer Strukturen vorzugeben, die diese Tendenz zum Besseren bereits enthalten. Wenn die Strukturen fehlen, kann auch der Computer nicht helfen. Armer Boy George."

Doch wer kennt heute noch Boy George? (tig)