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36C3: Congress wie 1984 – mit BTX und Originalarchiven

In der Vintage Computing Assembly erlebt man an originalen BTX-Terminals das Datennetz von einst samt restaurierten Originalseiten.

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Auf dem 36C3 lebt der alte Bildschirmtext wieder auf.

(Bild: Screenshot BTX-Projekt)

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Berühmt wurde der Chaos Computer Club 1984 mit dem BTX-Hack. Der Bildschirmtext (BTX) war das, was die Deutsche Bundespost als Datennetz anbot, bevor sich das Internet durchsetzte. Längst sind die Server abgeschaltet, also waren die Daten nicht mehr verfügbar und erlebbar.

Eine Gruppe von BTX-Begeisterten wollte dies ändern. "Es wurde sich lange Zeit nicht wirklich um BTX gekümmert, darum, die alten Seiten zu erschließen", berichtet Lea "Hammi" Laws, die im Hamburger CCC aktiv ist. Lediglich aus alter BTX-Zugangssoftware für den Heimcomputer konnte sie Offline-Versionen der BTX-Seiten wie von der Chartshow "Formel Eins" rausfischen. Diese sollten als Demoseiten potenziellen Kunden das damals neue Medium näherbringen.

Aber Hammi ist es gemeinsam mit anderen BTX-Begeisterten gelungen, Teile der alten Original-Seiten zu restaurieren. Mit dabei sind auch die Seiten des CCC, der Hamburger Sparkasse und die beim BTX-Hack verwendete Seite, über die die Hacker den "Bankraub per Telefon" durchführten.

Sie sprach mit CCC-Urgestein Steffen Wernéry über den Wunsch, auch jüngeren Generationen BTX zu zeigen, und erhielt von ihm eine Kiste mit Kassetten. "Die hab ich abgehört, ob da Musik, Interviews oder Daten drauf waren", erzählt Hammi. Tatsächlich fand sie diverse Mitschnitte von BTX-Sessions auf den Bändern. Die Audiodaten mit dem berüchtigten Modemrauschen dekodierte sie zunächst in Echtzeit mit einem Software-Modem und schickte den Datenstrom per serieller Schnittstelle an ein BTX-Terminal.

36C3 - Bildschirmtext wiederbelebt (10 Bilder)

Christian Berger, Stefan Bethke und Lea "Hammi" Laws arbeiten daran, BTX wieder erlebbar zu machen. (Bild: heise online)

Gleichzeitig arbeitete Christian Berger an einem BTX-Software-Modem für die freie Telefonanlagen-Software Asterisk. Er hatte ein Tool geschrieben, um die Audiodaten aufzubereiten. "Die findet die Pausen im Datenstrom, teilt die Daten in Blöcke auf und speichert diese als CEPT-Dateien", erklärt Berger. So fanden sie auf den Kassetten die originalen CCC-Seiten und einen Mitschnitt des BTX-Hacks von 1984.

"Es geht darum, das dauerhaft zu sichern", sagt Stefan Bethke. "Wer noch auf dem Dachboden alte Datenträger mit BTX-Inhalten hat, soll sich bei uns melden". Die Kontaktdaten findet man auf der Github-Seite des Bildschirmtext-Projektes. Bis zum Easterhegg, dem CCC-Treffen zu Ostern, will man mehr aufbereiten und zeigen. Mittelfristig soll der Aufbau in einem Museum zugänglich sein, so das Ziel der BTX-Enthusiasten.

Wer auf dem Chaos Communication Congress ist und im BTX surfen will, findet die Terminals im Bereich Vintage Computing in Halle 2. Um sich von Zuhause einzuwählen, bezieht man von Github Software BTX Decoder. Wer ein funktionierendes BTX-Setup sein eigen nennt, wählt sich direkt unter +49 9281 549355 190 mit V.23 (1200/75bps) ein.

36C3: Die Fotos vom Kongress in Leipzig (20 Bilder)

(Bild: Eva-Maria Weiß / heise online)

(ktn)