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3Com will gesundschrumpfen

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3Com gibt sein bisheriges Geschäft mit Modems und High-End-Geräten für LANs und WANs auf. In den letzten Tagen war unter Börsianern schon heftig über anstehende Umorganisationen bei 3Com spekuliert worden: Nun gab der alteingesessene Hersteller von Netzwerk-Lösungen weitere Schritte bekannt, um die nach eigenen Aussagen "strategische Neuausrichtung durch die Konzentration auf Märkte mit hohen Wachstumsaussichten" zu vervollständigen. Hinter dieser Formulierung steckt zum einen der Verkauf des Geschäfts mit analogen Modems, in deren Besitz der Konzern 1997 durch die Übernahme des Traditionsunternehmens US Robotics gekommen war. Zum anderen stellt 3Com die Herstellung von LAN- und WAN-Lösungen für größere Unternehmen komplett ein.

Für das gesamte Modem-Geschäft gründet 3Com mit Accton und NatSteel Electronics eine neue Firma, die dann alle analogen Modems und Modem-Karten von 3Com übernimmt. Die High-End-Switches der CoreBuilder-Linie werden zum letzten Mal am 30. Juni ausgeliefert. Eine Partnerschaft mit Extreme Networks soll dafür sorgen, dass 3Com-Kunden auch weiterhin mit entsprechenden Geräten beliefert werden können. Support für die Switches will 3Com aber weiterhin leisten. Die PathBuilder-Serie für den Anschluss von LANs an Weitverkehrsnetze, etwa über T1/E1-Leitungen oder über Frame Relay, ATM sowie SONET, stellt 3Com ebenfalls zum 30. Juni ein – Service und Support sollen bestehende Kunden dieser Geräte noch für bis zu 5 Jahre erhalten.

Nach eigenen Aussagen will sich 3Com in Zukunft auf drei Bereiche konzentrieren: das Endkundengeschäft, Netzwerklösungen für kleinere und mittlere Firmen sowie Angebote für Service-Provider. Auf der technischen Seite bedeutet das für 3Com, zukünftig vor allem mit IP-Telefonie, Lösungen für Breitband-Zugänge wie Kabelmodems und DSL, drahtlosen Zugangsmöglichkeiten und Geräten für Web-Anbieter Geld verdienen zu wollen. Einige Kooperationen sollen dem Unternehmen zu einem besseren Stand beispielsweise bei Service-Providern verhelfen. Mit F5 Networks, Inktomi und SonicWall hat 3Com Vereinbarungen geschlossen, um die SuperStack-Router mit Load-Balancing für Web-Server, Web-Caching und Firewalls aufzurüsten. Und Symbol, der Spezialist für Funk-Netze, will 3Coms IP-Telefonie in die eigenen drahtlosen Telefone integrieren.

Vertreter von 3Com Deutschland erklärten gegenüber c't, dass die Firma LAN-Produkte wie Netzwerkkarten und Switches sowie Hubs für kleinere und mittlere Firmen beibehält. Die Aufgabe der analogen Modems sei ein logischer Schritt, da auf lange Sichte dieses Geschäft nicht mehr profitabel zu betreiben gewesen sei. Und mit Geräten wie den CoreBuilder- und PathBuilder-Produkten hat 3Com in den letzten Jahren gegenüber Firmen wie Cisco, Nortel oder Lucent sowieso kaum einen Stich gemacht.

Die Restrukturierung wird von massiven Stellenkürzungen begleitet. Insgesamt 3.000 Arbeitsplätze sollen bei 3Com wegfallen. Rund 1.000 Angestellte werden entlassen, 2.000 Mitarbeiter sollen in die ausgelagerten Bereiche wechseln, erklärte Bruce Claflin, Präsident und Chief Operating Office von 3Com. Die Einkünfte von 3Com dürften sich nach Angaben von 3Com-Mitarbeitern aufs Jahr gesehen durch die angekündigten Maßnahmen halbieren und von gegenwärtig rund 6 Milliarden auf 3 Milliarden US-Dollar sinken.

Die Börse sieht die Schritte von 3Com offensichtlich positiv. Im nachbörslichen Handel stiegen die Aktien des Unternehmens um 1,38 US-Dollar auf knapp 70 US-Dollar. Zuvor schon konnten die 3Com-Papiere einen Gewinn von über 9 US-Dollar verbuchen und erreichte angesichts der Gerüchte über die bevorstehende Umorganisation zwischenzeitlich sogar einen Kurs von über 73 US-Dollar. Dies ist zwar noch weit vom letzten Höchststand des Papiers von über 119 US-Dollar entfernt – diesen Kurs erreichte die Aktie allerdings Anfang März, als 3Com die PDA-Abteilung Palm Computing an die Börse brachte. (jk)