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3D-Chip GeForce 3: Gemischte Ergebnisse, mögliche Bugs (Update)

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Am Abend des ersten CeBIT-Messetages verteilte Nvidia-Partner Elsa die erste Lieferung von Testmustern des Highend-Spielebeschleunigers Gladiac 920 mit dem neuen 3D-Chip GeForce 3. Damit sind erstmals Leistungsmessungen möglich, die nach Aussage von Nvidia auf die endgültigen Verkaufsversionen des Chips übertragbar sind. Die im Labor von c't auf einem 1,2-GHz-Athlon-System durchgeführten Messungen ergaben ein gemischtes Bild.

Bei Q3A konnte sich der GeForce 3 um 10 Prozent (1024 × 768, 32 Bit, maximale Textureauflösung) und um 25 Prozent (1280 × 1024, 32 Bit, maximale Textureauflösung) von einem GeForce 2 Ultra mit gleich schnell getaktetem Speicher absetzen. Am meisten überzeugte der GeForce 3 aber durch einen deutlichen Vorsprung von 65 Prozent bei einer Auflösung von 1024 × 768 mit aktiviertem 2x-Antialiasing. Das Testboard durchlief die Demo001 mit 82 Bildern/s.

Der Vorsprung von 30 Prozent bei Evolva-bumped zeigt, dass DotProduct3-Bump-Mapping von dem Vertex-Shader des GeForce 3 selbst bei DirectX-7-Spielen effektiv beschleunigt wird. Auch CAD-Zeichnungen mit geglätteten Linien werden rund 60 Prozent schneller bearbeitet, wie sich im c't-Test mit der MCAD40-Szene von Indy3D zeigte.

Ebenfalls beeindruckend ist das Abschneiden beim Test VillageMark, in dem der GeForce 3 seine Fähigkeit ausspielen kann, die dreifach überlagerten Texturen in einem Pass zu berechnen. Damit erzielt der neue Chip 55 Prozent bessere Ergebnisse als der GeForce 2 Ultra. Auch die bandbreitensparende Speichernutzung bei stark verschachtelten Szenen dürfte sich hier auswirken. Damit sollten GeForce-3-Grafikkarten für künftige Spiele mit komplexen Szenarien gut gerüstet sein.

Der Spieletest Serious Sam belegt allerdings, dass der GeForce 3 nicht in jedem Fall seinem Vorgänger überlegen ist. Sowohl in der Default- als auch in der Extreme-Einstellung erreichte er gerade einmal 70 Prozent des Vorgängers und liegt damit in der Leistung 30 Prozent unter der des Ultra-Chips. Offenbar kommen die für den GeForce 3 verantwortlichen Teile des OpenGL-Treibers mit den Eigenheiten von Serious Sam überhaupt nicht zurecht, während das Ultra-Board sich mit demselben Treiber sehr passabel verhält.

Dieses Problem lässt sich natürlich mit überarbeiteten Treibern lösen. Ein anderer Effekt ist dagegen vermutlich ernsterer Natur – denn das Verhalten bei den höheren Antialiasing-Einstellungen ist äußerst enttäuschend. Das als großer Fortschritt gepriesene spezielle Quincunx-Verfahren lag in der Qualität noch unter dem 2x-Antialiasing; das Ergebnis beim 4x-Antialiasing war darüber hinaus mit dem bei der 2x-Einstellung identisch. Die Probleme traten sowohl bei der Treiber-Version 11.00 als auch bei einem Nachtest mit der Version 11.01 auf. Da das Antialiasing ein Hardware-Feature ist, bestätigt dies Vermutungen, dass die zurzeit verfügbaren Chip-Revisionen noch Bugs enthalten und es noch eines weiteren Steppings bedarf. Damit wären auch die ständigen Verzögerungen erklärt – Elsa nennt inzwischen den Mai als den frühesten Termin für die offizielle Einführung der Grafikkarte Gladiac 920.

Wenn es sich tatsächlich um Hardware-Bugs handelt, müssten Interessenten darauf achten, keine GeForce-3-Karte mit einer frühen Chiprevision (A03 und A04) zu kaufen, die unter Umständen die höheren Antialiasing-Methoden nicht beherrscht. Da diese Revisionen in erheblichen Stückzahlen produziert wurden, ist nicht auszuschließen, dass sie auch in den Handel gelangen.

Details zu den Test-Ergebnisse mit den aktuellen Steppings des GeForce 3 bringt c't in Ausgabe 8/2001 (ab dem 9. April im Handel). (Manfred Bertuch) / (jk)