IFA

3D-Drucker: Neue Geräte, bekannte Verfahren - aber kein Luigi Colani

Sind 3D-Drucker massentaugliche Elektronik oder nicht? Während es auf der CES so aussieht, sind nach Berlin zur IFA nur wenige Hersteller gekommen. Die Preise fallen allerdings.

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Von
  • Philip Steffan

Dass 3D-Drucker auf einer einer Messe für Unterhaltungs- und Heimelektronik nur eine Randerscheinung sind, merkt man sofort, wenn man die Handvoll Aussteller abklappern will: Sie verteilen sich über das gesamte Berliner Messegelände, stehen mal bei Home Entertainment, mal in der Abteilung Technology & Components, mal bei den Resellern. Einige Hersteller stellen selbst aus, andere schicken ihre deutschen Vertriebspartner.

3D Systems zeigt seine beiden neuen Modelle Cube 3 und CubePro Trio am Stand des Resellers UFP (Halle 17, Stand 110). Die im Januar auf der CES vorgestellten 3D-Drucker sind ab sofort erhältlich und kosten rund 1000 beziehungsweise 2800 Euro. Der kleine Cube 3 mit dem offenen Gehäuse und bis zu zwei proprietären Kunststoff-Materialkassetten zielt dabei auf Privatanwender, der geschlossene CubePro Trio für Profis kann drei Materialien verarbeiten.

3D-Drucker auf der IFA 2014 (10 Bilder)

Würfel für Heim und Büro

Der Branchenriese 3D Systems will mit den neuen Cube- und CubePro-Modellen punkten. Das kleine Heimgerät Cube 3 (links) gibt es beim Distributor UFP für 1000 Euro.

Außerdem am Stand von UFP: Zwei kleine 3D-Scanner von 3D Systems namens Sense und iSense. Der schon von der Euromold bekannte Scanner Sense ist ein Handheldgerät für rund 400 Euro. Wer noch einen Hunderter drauflegt, bekommt den iPad-Aufsteckscanner iSense, dessen Scanergebnis man direkt per WLAN auf einem Cube-Drucker ausgeben lassen kann - sobald die Firmware mitspielt. Laut 3D Systems sind die Drucker derzeit noch ein Update von dieset geplanten Funktion entfernt.

In der "TecWatch"-Halle haben wir einen relativ neuen Hersteller entdeckt: Die französische Firma Hilltecks Distribution (Halle 11.1, Stand 12) zeigt dort unter dem Handelsnamen Matrix verschiedene monochrome 3D-Drucker, Druckmaterial und einen 3D-Scanner. Der PLA-Drucker Neo 1 (ca. 900 Euro) erinnert mit seiner offenen Konstruktion an das schon etwas ältere Gerät Up! (auch unter dem Namen Afinia im Handel), verfügt allerdings über einen Touchscreen zur Steuerung

Einen geschlossenen Bauraum haben die Hilltecks-Eigenentwicklungen FDM-i1S und -i2S, die sich nur in der Breite ihres Druckbetts unterscheiden (15 und 25 cm) und mit ABS oder PLA arbeiten. Sie sollen rund 1100 beziehungsweise 1200 Euro kosten.

Für Industriekunden hat Matrix einen ABS-Drucker mit geschlossenem Bauraum im Angebot. Der FDM35-1515 kann relativ nur schmal (15 cm x 15 cm), dafür bis zu 35 cm hoch drucken, was ideal für die gartenzwerggroßen Ausdrucke von 3D-Ganzkörperscans sein soll. Diese kann man zum Beispiel mit dem entsprechenden Scanner SCAN-1X erstellen, den Hilltecks ebenfalls am Stand zeigt. Um sich von dem rund 9500 Euro teuren Gerät einscannen zu lassen, muss man drei bis vier Minuten ruhig auf dem mitgelieferten Drehteller stehen. Währenddessen fährt eine Kinect-ähnliche 3D-Kamera, vermutlich eine Primesense Carmine, die gesamte Körperhöhe ab. Als Scansoftware kommt Skanect zum Einsatz.

Pearl (Halle 7.2c, Stand 101-19) zeigt auf der IFA zum ersten Mal den Nachfolger des EX1-Basic, der uns im vergangenen Jahr im c't-Test nicht überzeugt hat. Der EX2-Basic sieht komplett anders und erinnert start an den Replicator 2x von MakerBot. Als Drucksoftware kommt nicht mehr das Myriwell-Programm des Vorgängers zum Einsatz, stattdessen setzt Pearl auf das Open-Source-Programm ReplicatorG.

Wichtigstes Feature ist der Druck mit zwei verschiedenen Farben und/oder Materialien. Neben ABS und PLA hat Pearl auch Filament aus HIPS (High-Impact Polysterene) im Angebot. Damit kann man Stützen für Überhänge in 3D-Modellen drucken und später mit einem geeigneten Lösungsmittel (D-Limonen) auswaschen.

Der EX2 soll ab Anfang November für 900 Euro verkauft werden, für einen Aufpreis bekommt man auch eine 3D-Designsoftware und ein 3D-Scanprogramm, das 3D-Modelle aus Fotos errechnet dazu. Der im vergangenen Jahr auf der IFA angekündigte 3D-Drucker, den Designer Luigi Colani für Pearl entwerfen wollte, hat sich indes nicht materalisiert.

Der taiwanische Hersteller XYZ Printing (Halle 25, Stand 150) zeigt neben dem bereits für 600 Euro erhältlichen Modell 1.0 weitere Geräte der DaVinci-Serie und nennt Preise. Der Da Vinci 2.0 Duo (750 Euro) druckt mit zwei Extrudern. Die Modelle Da Vinci 1.1 und 2.1 für 800 und 900 Euro haben zusätzlich einen Touchscreen und drucken auch drahtlos per WLAN. Der Da Vinci 1.0 AiO erweitert das Einstiegsmodell dagegen um einen eingebauten 3D-Scanner und soll 800 Euro kosten.

Der Zubehörhersteller Verbatim (Halle 17, Stand 100) steigt in das Geschäft mit 3D-Filamenten ein und bietet PLA- und ABS-Kunststoffe für 40 Euro pro 1-Kilo-Spule an. Interessanter als diese Standardmaterialien klingt ein angekündigtes Material namens Primalloy, das elastische Eigenschaften aufweist.

Der Distributor iGo 3D (Halle 11.1, Stand 13) zeigt an seinem Stand unter anderem die 3D-Drucker von Ultimaker, Beeverycreative und den 3D-Stift 3Doodler. (phs)