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3D im Kino nun auch analog

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Zum Kinostart des vierten Teils der Shrek-Saga "Für immer Shrek" kommen zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder neue analoge 3D-Filmkopien im 35-Millimeter-Format in die Kinos. Bislang brauchten Kinobetreiber einen Digitalprojektor, wenn sie aktuelle 3D-Filme zeigen wollten. Außerdem mussten sie sich für eines der konkurrierenden 3D-Digitalsysteme entscheiden. Möglich wird die Renaissance des analogen 3D-Kinos dank eines neuen Verfahrens von Technicolor.

So funktioniert das analoge 3D-Verfahren von Technicolor.

(Bild: Technicolor)

Während beim 35-mm-Film die verschiedenen Breitwandformate ein Einzelbild lediglich teilweise ausfüllen und ansonsten mit schwarzen Balken versehen, nutzt das neue Technicolor-System die komplette Fläche. Dabei wird jeweils das Bild für das eine Auge in die obere und das Bild für das andere Auge in die untere Hälfte des Einzelbilds kopiert und bei der Vorführung mit Hilfe eines Spezialobjektivs polarisiert übereinander projiziert (siehe Diagramm). Bei sorgfältig angefertigten Filmkopien und einwandfrei arbeitenden 35-mm-Projektoren sieht das Ergebnis durchaus annehmbar aus, kann sich aber nicht ganz mit aktueller Digitaltechnik messen. Bei einer Vorführung auf der Fachmesse Cinema Expo in Amsterdam fiel beispielsweise der im Vergleich zu digitaler Projektion sehr unruhige Bildstand auf.

"Inzwischen haben die Studios festgestellt, dass man nicht weltweit mit einem Knopfdruck von analog auf digital umschalten kann und dass es eine Phase des Übergangs geben wird", erklärt Balthasar Schramm von deutschen Techniklieferanten TC-3D GmbH gegenüber heise online den Hintergrund des neuen Verfahrens. "In dieser Übergangszeit kann auch Hollywood es sich nicht leisten, auf gutes Geld zu verzichten." Im Oktober vergangenen Jahres hatten die Studios Paramount, Universal, Warner Brothers, DreamWorks Animation sowie die Weinstein Company die Belieferung mit Analog-3D-Kopien fest zugesagt. Die Hollywood-Schwergewichtige Disney und Fox wollen die Technicolor-Lösung dagegen nicht unterstützen.

Ende März dieses Jahres hat Technicolor das Verfahren in den USA eingeführt und im April dann auf Großbritannien, Italien, Spanien und Japan ausgeweitet. Während man in den USA bereits 200 Leinwände umgerüstet hat, sind es in Europa zwischen 20 (Großbritannien) und 50 (Spanien). In Deutschland sollte das System zum Verleihstart von "Für immer Shrek" eigentlich in 65 Kinos Premiere feiern. Durch Lieferschwierigkeiten bei den Silberleinwänden konnten bis Mittwoch aber nur 15 Kinos umgerüstet werden. Im Vorfeld hatten die Verleiher erklärt, 3D-Kopien nur anbieten zu wollen, wenn auch mindestens 50 Kinos bespielt werden können. Shrek-Verleiher Paramount hat inzwischen eingelenkt, da Technicolor die Kosten für die Erstellung des speziellen 3D-Negativs zunächst selbst übernehmen will.

In den nächsten Wochen will TC-3D dann sukzessive die insgesamt 65 deutschen Kinos, die eine Absichtserklärung für das Technicolor-System abgegeben haben, mit der Technik beliefern. Während sich die Filmtheater in angelsächsischen Ländern das System auf Mietbasis zulegen, entscheiden sich die Kinobesitzer in Kontinentaleuropa fast alle für einen Kauf der Technik, die 23.800 Euro ohne Installation und Silberleinwand kostet. Die Frage, ob sich diese Investitionen noch amortisieren werden, bevor die Umstellung auf rein digitale Projektion erfolgt, stellt sich offenbar nicht. "Bei Hollywood-Blockbustern rechnen selbst die amerikanischen Studios allein für die westlichen Industrienationen mit einer weiteren Übergangsphase von mindestens fünf Jahren. In Osteuropa und den Lateinamerika wird es mangels Kaufkraft noch länger dauern", sieht Schramm noch ein großes Marktpotential für sein analoges 3D-System und verweist zusätzlich auf das Arthouse-Segment. "Programmkinos haben selten einen digitalen Projektor, zurzeit werden aber auch erste Arthouse-Produktionen in 3D produziert, unter anderem dreht Wim Wenders gerade einen 3D-Tanzfilm über die Choregraphin Pina Bausch."

Der Hauptgrund für die Kinos, das analoge 3D-System einzusetzen, ist der günstige Umrüstungspreis, der ungefähr bei einem Fünftel einer digitalen 3D-Anlage liegt. Verschärfend kommt hinzu, dass die Filmförderungsanstalt FFA wegen einer Blockade durch Multiplex-Betreiber derzeit keine Fördergelder für die Kinomodernisierung ausgeben kann und das Digitalisierungs-Konzept des Kulturstaatsministers Bernd Neumann seit Monaten durch die verschiedenen Bundestagsgremien wandert. Manche Anwender des Technicolor-Systems schwören zudem auf die altbewährte 35-mm-Technik – so wie Kinobetreiber Wolfgang Mareczek aus dem schwäbischen Weil der Stadt: "Mit einem digitalen Projektor hänge ich am Gängelband der Verleiher, was Schlüssel und Freischaltungen betrifft. Es fehlen außerdem noch Erfahrungswerte, wie sich die Fehleranfälligkeit nach jahrelangem Betrieb darstellt und ob die Digitaltechnik nicht nach sechs, sieben Jahren schon wieder veraltet ist."

Auch für Jonathan Rosenwanger vom Cadillac Kino in München-Bogenhausen stellt sich bei Digitalprojektoren die Frage, "wie teuer Reparaturen werden, nachdem die Garantiezeit abgelaufen ist. Da das Technicolor-System robuste Qualität liefert, ist es gut als Übergangslösung geeignet.“ Beim Kinocenter in Lahr ist das Ende der Übergangszeit schon in Sicht. "Wir haben bereits eine digitale Anlage bestellt, aber unser Ausrüster kann erst im November diesen Jahres liefern. Da wir in der Nachbarschaft mit zwei 3D-Kinos konkurrieren, waren wir gezwungen zu reagieren und setzen in der Zwischenzeit das Technicolor-System ein", berichtet Kinoleiter Ralf Plate.

Die analoge Technicolor-Technik wird unter anderem in folgenden Kinos eingesetzt: Kinopalast Nürtingen, Löwenlichtspiele Walldürn, Kinocenter Weil der Stadt, Kinocenter Lahr, Cadillac & Veranda München, Museum Lichtspiele München und Movietown Hoppstädten-Weiersbach. Eine vollständige Liste mit allen Analog-3D-Kinos wollte uns Technicolor nicht zur Verfügung stellen. (jkj)